Das Alte mit neuer Kunst auffrischen
Kunsthistorisches. Das größte und traditionsreichste Museum Österreichs öffnet nächstes Jahr seine Tore für die Moderne.
HEDWIG Kainberger Wien (SN). Sabine Haag, Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums, bereitet die nächste Zumutung vor. Denn sie erachtet die neue Kunst den Alten Meistern ebenso zumutbar wie dem heutigen Publikum. Daher wird sie ab nächstem Jahr über drei Schienen die moderne Kunst in das Kunsthistorische Museum (KHM) einführen, nachdem bis Ende August neben altehrwürdigen Ölgemälden von Pieter Brueghel d. Ä. oder Peter Paul Rubens blaue Kugelschreiberzeichnungen des Belgiers Jan Fabre gehangen sind.
Dabei gehe es nicht um beliebige Einzelprojekte, versicherte Sabine Haag am Montag in einem Pressegespräch. Vielmehr soll moderne Kunst über ein auf Dauer angelegtes und auf die Eigenheiten der Sammlung abgestimmtes Programm in das Kunsthistorische Museum gebracht werden. Zudem sollten nicht junge, aufstrebende Künstler, sondern international renommierte und anerkannte Meister zu frischen Blicken auf die alten Bilder anregen.
Dies sei eine „bedeutende Entwicklung in der Geschichte unseres Museums“, sagt Sabine Haag. Das ist ein großes Wort für ein Museum, das sich selbst als eines der „größten und bedeutendsten Museen der Welt“ bezeichnet, dessen Exponate 6000 Jahre Menschheitsgeschichte wiedergeben, das auf etwa fünf Jahrhunderte Sammlungsgeschichte zurückblickt und das pro Jahr an seinen sieben Standorten von 1,2 Millionen Menschen besucht wird.
Um diesem hohen Anspruch gerecht zu werden, hat Susanne Haag den Briten Jasper Sharp als Kurator engagiert. Geboren 1975, hat er in London und Edinburgh studiert, 1999 bis 2005 arbeitete er für die Peggy Guggenheim Collection in Venedig und danach als Kurator für die Thyssen-Bronemiza Contemporary Art (von Francesca Habsburg).
Folgende drei Programmbereiche sind vorgesehen, die alle von Vortrags- und Gesprächsreihen begleitet werden:The Artist’s Mind (Die Ansicht des Künstlers): Ab 2012 wird ein Mal pro Jahr ein Künstler eingeladen, aus der Sammlung des KHM Werke für eine Ausstellung zu wählen. Über alte Kunst soll so die Gedanken- und Bilderwelt eines heutigen Künstlers zu erfahren sein.
Erster Ausstellungsmacher ist der US-amerikanische Maler Ed Ruscha (geboren 1937), dessen Auswahl aus der Sammlung Alter Meister ab September 2012 im KHM zu sehen sein wird. Zeitgleich, ab Juli 2012, zeigt das Kunsthaus Bregenz eigene Kunstwerke Ed Ruschas, der in Los Angeles lebt und die USA bei der Biennale in Venedig 2005 vertreten hat.Moderne Meister: Ab 2013 wird das Werk eines anerkannten zeitgenössischen Künstlers in einer großen Ausstellung vorgestellt. Herbst und Winter 2013 wird in Kooperation mit dem Prado in Madrid eine monografische Schau über Jucien Freud vorbereitet, für 2014 soll – in Kooperation mit der National Gallery in London – Joseph Cornell vorgestellt werden. Theseustempel: Der Tempel im Wiener Volksgarten wurde für Antonio Canovas „Theseus besiegt den Kentauren“ gebaut und 1823 eröffnet; seit 1890 steht diese Skulptur im Haupthaus des KHM. Der seit 2008 sanierte Theseustempel wird wieder seiner ursprünglichen Bestimmung gewidmet: der Präsentation eines einzelnen, zeitgenössischen Kunstwerks. Ab 2012 würden dort pro Jahr drei Kunstwerke gezeigt, sei es Skulptur, Film, Gemälde oder Performance, sagte Jasper Sharp.












