24.09.2001 11:38:00 MEZ
Gehrer kritisiert Künstlerhaus-Leitung Nehrer
Nichtverlängerung des Vertrags sei bereits 2 Jahre bekannt gewesen

Wien - "Gutmütigkeit wird bestraft. Das sieht man an der ganzen Diskussion um das Wiener Künstlerhaus", erklärt die für Museen zuständige Bildungsministerin Elisabeth Gehrer. Als es dem Künstlerhaus "wahnsinnig schlecht" gegangen sei, sei sie so gutmütig gewesen und habe für die Museen einen Vertrag mit dem Künstlerhaus abgeschlossen. Mittlerweile seien die Bundesmuseen selbstständig und sie habe deshalb Künstlerhaus-Präsident Manfred Nehrer "bereits vor zwei Jahren geschrieben, dass wir den Vertrag nicht verlängern werden".

Nehrer warnte vor Existenzkrise seines Hauses

1996 hat das Bildungsministerium das Künstlerhaus auf fünf Jahre für sechs Monate jährlich für Großausstellungen gemietet. Im August dieses Jahres warnte Nehrer vor einer Existenzkrise des Hause und meinte, sich durch die Nichtverlängerung des Vertrages "vor den Kopf gestoßen" zu fühlen. Gehrer betont hingegen, dass das Künstlerhaus zwei Jahre Zeit gehabt hätte, neue Überlegungen anzustellen. "Du kannst in der heutigen Gesellschaft nicht mehr alles dem Staat verantworten, wenn du ein eigenständiger Verein bist, da muss man sich seine Zukunftsoptionen erarbeiten und suchen", betonte die Ministerin.

Gehrer: "Das geht mich überhaupt nichts an"

Wenn das Haus Interesse an Ausstellungen von einzelnen Museen habe, müsse es halt die Direktoren einladen und dies besprechen, "dann müssen aber auch die Bedingungen gut sein und Wille zur Zusammenarbeit da sein". Sie, Gehrer, könne für die eigenständigen Museen gar keine Verträge abschließen und sei zudem für das Künstlerhaus gar nicht zuständig. "Das geht mich überhaupt nichts an, das ist Sache Wiens."

Gehrers Musterbeispiel: Schröder und die Albertina

Nach wie vor zuständig ist die Ministerin für die Budgetierung der Bundesmuseen, die seit der Entlassung in die Selbstständigkeit mit einem gedeckelten Budget haushalten müssen. Nun deutet Gehrer an, dass es zumindest ab 2003 mehr Geld geben könnte. Prinzipiell habe es sich aber gelohnt, dass man die Museen aus der Kameralistik entlassen habe. "Man sieht wieviele innovative Kräfte locker werden", so die Ministerin, die als positives Beispiel die Albertina und ihren Direktor Klaus Albrecht Schröder nennt.

Nicht aufgestockt, sondern nur verschoben

Dieser kann sich übrigens doch über zusätzliche Mittel aus dem Anfang September von der Regierung geschnürten Konjunkturbelebungs-Paket freuen. In der ursprünglich veröffentlichten Liste von Kulturbauten-Sanierungen war die Albertina nicht genannt worden. Gehrer erklärte nun aber, dass für die Sanierung der Graphischen Sammlung 32 Mill. Schilling aus dem mit insgesamt 825 Mill. Schilling gefüllten Topf zur Verfügung stehen. Die Gesamtsumme werde deswegen nicht aufgestockt, sondern die Schwerpunkte ein wenig verschoben.

Synergieeffekte statt geteilter Macht

Die neue Machtfülle des Direktors des Kunsthistorischen Museums, Wilfried Seipel, in dessen Haus Anfang des Jahres auch das Theater- und das Völkerkundemuseum eingegliedert wurden, bereitet Gehrer kein Kopfzerbrechen. Es sei wichtig, dass man Synergieeffekte nutze, wo Know-how da sei, sollte man es nicht woanders mühsam nochmals erarbeiten.

Gehrer bestätigte, dass Seipel die Nachfolge der zurückgetretenen Direktorin des Theatermuseums, Helga Dostal, ohne Ausschreibung selbst nachbesetzen kann. Laut Museumsordnung könne der Geschäftsführer nach Anhörung des Betriebsrates und unter Einbeziehung der wissenschaftlichen Kuratoren die Nachfolge regeln. (APA)


Quelle: © derStandard.at