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08.10.2004 - Kultur&Medien / Ausstellung
Ausstellung: Gesammelte Visionen
Von Johanna Hofleitner
Mit „Visions of America“ holt die Sammlung Essl künstlerische Meilensteine aus der berühmten Sonnabend-Sammlung nach Österreich. Das „schaufenster“ sprach mit Ausstellungskuratorin Barbara Steffen.

Für die Ausstellung werden Bestände der Sammlung Essl mit Teilen der weltberühmten Sonnabend Collection zusammengeführt – eine spannende Gesamtschau zweier unterschiedlicher Sammlerphilosophien.

Schaufenster: Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

barbara steffen: Herr Essl bat mich, eine Ausstellung über amerikanische Kunst mit Werken aus seiner Sammlung und anderen Werken zusammenzustellen. Um einen Kontext zu schaffen, war ich am Thema „Sammeln“ an sich interessiert und überlegte daher, welche Privatsammlung amerikanische Kunst adäquat vertritt. 

Warum fiel Ihre Wahl auf die Sonnabend Collection?

Ein Grund, warum ich Ileana Sonnabend ansprach, war, dass ihre Sammlung Schwerpunkte von der frühen Pop Art über Minimal bis Concept Art beinhaltet, während der Akzent bei der Sammlung Essl vor allem auf der Kunst seit den 80er-Jahren liegt. Dadurch kam eine fast lückenlose historische Ausstellung von US-Kunst seit den frühen 60ern zu Stande. 

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit den Sammlern?

Ileana Sonnabend ist eine Dame von 90 Jahren, die die Abwicklung des Projekts ihrem Galerienmanager Antonio Homem überließ. Für die Auswahl der Künstler arbeitete ich eng mit ihm zusammen. Das Ehepaar Essl stellte mir alle Werke amerikanischer Künstler aus ihrer Sammlung zur Verfügung, daraus konnte ich wählen. Es war ein sehr kreativer Prozess, bei dem wir über jeden Künstler und jedes ausgewählte Bild sprachen, und der uns allen viel Freude machte. 

In der Ausstellung werden die beiden Sammlungen voneinander getrennt jeweils in einem Museumsflügel gezeigt. Wie unterscheiden sich die Sammlungen in ihren Profilen?

Die „Profile“ entsprechen im Grunde ganz den Sammlerpersönlichkeiten: Bei Sonnabend spürt man den Hintergrund ihrer eigenen Lebensgeschichte – dass sie als erste Frau des legendären Galeristen Leo Castelli mit ihm in New York ab den frühen 60ern Künstler wie Warhol, Johns, Rauschenberg entdeckte. Obwohl beide auch eng mit älteren Künstlern – etwa Pollock und de Kooning – befreundet waren, entschieden sie sich bei der Eröffnung ihrer ersten Galerie für Jüngere, um die gerade aufkommende Pop Art zu unterstützen – ohne dass sie es damals als „Pop Art“ erkannten. Wie heute sahen die Sammler einfach die Arbeit der einzelnen Künstler und erkannten darin etwas Neues.
Das Sammlerprofil der Essls ist ein anderes, die beiden bemühen sich erst seit einigen Jahren um amerikanische Kunst. Was die Sache aber interessant macht, ist, dass sich österreichische Sammler so intensiv mit zeitgenössischer US-Kunst beschäftigen – mit unglaublichem Einsatz, Interesse und Qualitätskriterien. Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass sich – das bestätigte mir auch Sonnabend, durch ihre erweiterte Galerientätigkeit in Paris während der 70er-Jahre – europäische Sammler viel mehr mit der bildenden Kunst Amerikas auseinander setzen als umgekehrt: amerikanische Sammler integrieren in ihre Sammlungen vielleicht einige Top-Künstler wie Richter oder Polke, im Großen und Ganzen aber sammeln sie fast exklusiv US-Kunst. 

Wie lässt sich ein „Überblick“ schaffen, ohne die Exponate miteinander zu vermengen?

Einerseits sind die Sammlungen räumlich voneinander getrennt, um die Unterschiede wie auch Gemeinsamkeiten zu verdeutlichen. Andererseits ergibt sich aus der Raumfolge ein historischer Ablauf von der Pop Art, Minimal Art, Anti-Form über die Concept Kunst der 70er und Farbfeldmalerei bis hin zur neo-expressionistischen Malerei der 80er-Jahre, der Fotokunst der 80er- und 90er-Jahre sowie Video und Installationen. Sicher fehlen Künstler, doch sind die wichtigsten Positionen der Entwicklungder US-Kunst ab 1960 durch erstklassige Werke abgedeckt. 

Zum Titel: Inwiefern kann Kunst „Visions of America“ spiegeln?

Denken Sie an Warhols „Brillo Boxes“ oder sein Liz-Taylor-Porträt. Werke wie diese sind eng mit der populären Kultur und Gesellschaft Amerikas verwoben und hätten in Europa nicht entstehen können. Auch Jeff Koons’ Hoover-Staubsauger sind eine Antwort auf die amerikanische Pop Art, wenngleich man dabei natürlich an Marcel Duchamp denkt, der vor allem für die amerikanische Kunstentwicklung bedeutend war. 

Eine Sammlung ist immer auch Spiegel persönlicher Vorlieben. Wie lässt sich in einer Ausstellung der Spagat zwischen diesem subjektiven Anspruch und der Idee, Strömungen und Entwicklungen eines halben Jahrhunderts nachzuzeichnen, bewältigen?

Diese Ausstellung ist keine rein kunsthistorische Aufarbeitung, dies hätte ganz anderer Forderungen und eines anderen Zeitrahmens bedurft. Der Titel soll die Art der Ausstellung umschreiben: Zum einen die Visionen der Sammler, wie und welche Werke amerikanischer Kunst sie für sich in Anspruch nehmen und wie sie auf die amerikanische Kultur reagieren. Zum anderen geht es immer um die „Visionen“ der Künstler, um ihre Themen und den äußeren Einfluss von Gesellschaft, Politik und Leben in Amerika. Letzteres unterscheidet sich beträchtlich von Europa.

Tipp:

Visions of America: 21. 10. 2004– 6. 3. 2005, Sammlung Essl.
http://www.sammlung-essl.at/
Tel: 02243/370 50 DW 150

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