Ausstellung im Kunstraum Niederösterreich
beschäftigt sich mit Machtstrukturen der "Postdemokratie"
Kunst auf den Spuren der Macht
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Anna Meyer gestaltet konsumassoziierte PVC-Folienbilder, die
Demonstranten zeigen.
(© Anna Meyer/Krobath Wien)
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Von WZ Online
Wien. Im Kunstraum NÖ in der Wiener
Herrengasse beginnt das Ausstellungsjahr mit kritisch-politischer
Reflexion: Unter dem Titel "Nach Demokratie" hat Kurator Raimar Stange
Arbeiten von Eva Egermann, Nina Höchtl, Björn Melhus, Anna Meyer, Sarah
Ortmeyer, Dan Perjovschi, Oliver Ressler, Rirkrit Tiravanija und
Christine Würmell zusammengestellt.
Was ist Demokratie? Nicht nur in Österreich als tragendes Prinzip der
Verfassung verankert, lässt sie sich als Regierungsform mit umfassendem
Partizipationsrecht aller Bürger beschreiben. Die wahre Macht jedoch
ist - so die Ausstellungsmacher - bei den Vertretern der neoliberalen
Ökonomie und den "Global Players" angesiedelt. In der vom britischen
Politikwissenschafter Colin Crouch sogenannten Postdemokratie werden
Entscheidungen von Experten, Kommissionen und Wirtschaftsunternehmen
gefällt, die Bürger werden zunehmend entmündigt, das Allgemeinwohl der
Menschheit leiten Einzelne aus den Bedingungen des globalen Marktes ab.
Politischer Protest mutiert zur Ware
Ausgehend von diesen Befunden beschäftigt sich die Ausstellung "Nach
Demokratie" inhaltlich mit dieser Art der Machtverschiebung und ihren
Folgen. Ein Fokus liegt dabei auf öffentlichem Widerstand in Form von
Demonstrationen. So zeigen Anna Meyers poppige und konsumassoziierte
PVC-Folienbilder unter anderem Demonstranten, die Transparente mit den
Worten "Politische Enteignung der Bürger" tragen. Dass teilweise auch
politischer Protest in der Postdemokratie zur bloßen Ware wird, die sich
der Popkultur bedient, illustriert Christine Würmell in ihrer Collage
"Stop Bush".
In ihrem Hörstück "Alle vor Allem" skizziert Nina Höchtl ein fiktives
Szenario im Jahr 2057, in dem Migranten als sozial schwächere
Randgruppe eine "Dienstbotengesellschaft Ungebildeter" formen. Sarah
Ortmeyer weist in ihrer Arbeit "Dilemma" darauf hin, dass auch die Kunst
nicht unberührt bleibt von dem Phänomen des omnipotenten Kapitalismus
als Ausdruck der Postdemokratie. Sie positioniert vier hölzerne
Rahmen-Tische, jeweils der hintere Teil ist an der Wand hochgeklappt,
der in den Raum ragende verkohlt. Ortmeyer spielt damit auf die
Verdrängung einer historischen Markthalle durch einen lukrativen neuen
Museumsbau in Warschau (Polen) an.
Die Schau ist ab kommendem
Freitag (14. Jänner) bis zum 12. März zu sehen. (APA)
Kunstraum
Niederösterreich
Mittwoch, 12. Jänner 2011 12:24:00
Update:
Mittwoch, 12. Jänner 2011 12:30:00