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Pusch Ausstellung: Utopie eines freieren Lebens

29.03.2011 | 18:28 | von Almuth spiegler (Die Presse)

Der Künstler Lukas Pusch zeigt in der Galerie Hilger Contemporary sein sibirisches Reisetagebuch. Ohne große Erklärungen findet man den Weg durch die Ausstellung, die nur einige von Puschs Ansätzen herausgreift

Lukas Pusch ist auf der Suche. Zu Weihnachten suchte er für die „Presse“ Islam und Christentum zumindest bildlich miteinander zu verschmelzen. Im Sommer davor suchte er in Sibirien ein „Neues Tahiti“. Wie es dazu kam und was der Wiener dabei erlebte, davon berichtet jetzt sein Ausstellung gewordenes Reisetagebuch, Puschs Einstand in der Galerie Hilger Contemporary.

Mit „Neues Tahiti“ ist die Utopie eines besseren, eines freieren Lebens gemeint, wie es Paul Gauguin einst, am Beginn der Moderne, auf der fernen Insel zu finden glaubte. Über 20 Jahre später, 1913, reiste auch der Maler Emil Nolde ins Exotische, in die Südsee. Dass er dafür gerade die Transsibirische Eisenbahn benutzte, fügt sich bestens in Puschs Konzept. Er wählte für seine Tour in Richtung russisch-mongolischer Grenze allerdings ein weniger luxuriöses Gefährt, einen alten sowjetischen Lkw ZIL-130.

Auf diesen lud er seine russischen Künstlerfreunde – Pusch hat in Moskau Malerei studiert – und eine alte Blechgarage, die „White Cube Gallery“, in der er zuvor in Nowosibirsk Ausstellungen organisiert hatte. Gemeinsam folgten sie einem romantischen Traum, malten in sibirischen Wäldern, im Altaigebirge und mit dem einzigen Künstler in den Steppen bei Kosh-Agatsh, sie zeigten ihre Bilder im Jurtendorf oder erklärten sie einer sibirischen Kuh. Sie verstanden sich als „neue Wanderer“, in Anlehnung an eine vergessene naturalistische russische Avantgarde, die „Peredwischniki“ . Diese markierten Ende des 19. Jahrhunderts den Beginn der Moderne in Russland, unter Stalin wurden die Spätimpressionisten zu Ahnherren des „Sozialistischen Realismus“ stilisiert, erklärt Pusch.

 

Studierkoffer mit Wodka

Aber auch ohne große Erklärungen findet man den Weg durch die Ausstellung, die nur einige von Puschs Ansätzen herausgreift: Die mit derben, selbst gezimmerten Holzrahmen gefasste Malerei und Fotografie, Objekte wie Puschs sowjetischer Studierkoffer mit Wodka und Trockenfisch oder das burleske Leuchtschild der „White Cube Gallery“ sind an der Wand beschriftet wie im Fotoalbum. Hier das Porträt von Emil Nolde mit Pfeife, da ein Gruppenbild der Künstler als Gauguins uneheliche Kinder mit Pusch als Baby, dort die gemalte Reise-Erinnerung an das skurrile Raketen-Denkmal für den zweiten Mann im Weltall, German Titow. Natürlich hat die Künstlergang ihre Tour auch gefilmt, der Trailer zu dem Film, der im Herbst bei der Moskau Biennale präsentiert wird, läuft über dem Abgang in Hilgers Untergeschoß. Wo die Reise durch unwirtliche Gegenden unerwartet programmatisch, aber kunsthistorisch logisch (fast) in der Abstraktion endet: Denn auch auf Puschs Malerei verfehlten die sibirischen Weiten ihren Einfluss nicht, wandelten den comichaften Stil zu nahezu abstrakten Ansätzen, zu einem Waldstück etwa, das auch ein Baselitz unbemerkt hätte auf den Kopf stellen können. Doch kurz davor machte Pusch Schluss: „Malewitsch befahl die Abstraktion“, schrieb er quer über die Wand, quer über die letzten Bilder dieser Ausstellung. „Aber ich will nicht“, fügte er trotzig auf Russisch dazu.

Heute, Mittwoch, 18 Uhr, werden in der Albertina Puschs Grafiken für die Weihnachtsausgabe der „Presse“ präsentiert (Eintritt frei, zu sehen bis 3.April). Davor, um 17Uhr, führt der Künstler durch seine Ausstellung „Neues Tahiti“, die bis 9. April in der Galerie Hilger Contemporary läuft. Dorotheergasse 5, Di–Fr 10–18 h, Sa 10–16h.


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