Nicht gefeit vor dem Neuen
B ald kann man sich auch im Kunsthistorischen Museum, dem Tempel der antiken und der alten Kunst, vor dem Neuen nicht mehr sicher sein. Ab nächstem Jahr ist kein Besucher mehr gefeit, auch dort auf moderne und zeitgenössische Kunst zu stoßen.
Das Kunsthistorische Museum ist da kein Vorreiter. Andere ähnlich bedeutende Museen holen immer wieder das Neue in ihre Häuser. So zeigte die Eremitage in Petersburg im Vorjahr eine Skulptur Antony Gormleys; das Mauritshuis in Den Haag vereint seit Ende der Vorwoche in der neuen Ausstellung seine eigenen alten Bilder mit Gemälden des 20. Jahrhunderts. Zudem hat das KHM für seine neue Zuneigung zur Moderne keine mickrigen Kooperationspartner: Prado, National Gallery, Louvre und Eremitage.
Es ist erfreulich, dass das KHM nun beginnt, sich um die Alten Meister von morgen zu kümmern. Denn jedes alte Kunstwerk, das heute den Status „Meisterwerk“ hat und in den Bildungskanon aufgenommen ist, war zu seiner Entstehung modern, das heißt: wider die Tradition und gegen die Gewohnheiten. Und: Wer sich für neuartige Ausdrucksweise heutiger Künstler öffnet, wird Eigenarten der Alten Meister intensiver als zuvor wahrnehmen.




















