In großen roten Buchstaben prangt auf dem
Plakat das Wort "Wanted", darunter das "Porträt von Francis Bacon". Als
Belohnung, die auf die Spur des Gemäldes führen, sind bis zu 300.000 Mark
(153.000 Euro) ausgesetzt. Das kleine Ölbild aus dem Jahr 1952 gilt als
eines der bedeutendsten Porträts des 20. Jahrhunderts.
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APA |
"Wir lassen 2.500 Poster in der Stadt aufhängen", sagte Elke Ritt von
der Kunstabteilung des British Council in Berlin am Donnerstag der
Nachrichtenagentur Reuters.
Das Plakat wurde von Lucian Freud, dem Enkel Sigmund Freuds, persönlich
entworfenen. Mit der Aktion erhoffen sich die Museumsleute wenigstens
einen Hinweis, der sie zu dem am 27. Mai 1988 von einer Stellwand der
Nationalgalerie in wenigen Sekunden abgeschraubten Bild bringt.
Freundliche Einladung
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| "Porträt von Francis
Bacon" |
Der 1922 geborene Künstler hatte sich bereits am Donnerstag in der
britischen Presse direkt an den Täter gewandt: "Würde wer dieses Bild hat,
mir freundlicherweise erlauben, das Gemälde in meiner Ausstellung in der
Tate im nächsten Juni zu zeigen?" Dann soll eine große Retrospektive des
Malers zunächst in London, danach in Spanien und den USA gezeigt
werden.
Zwar sollen die Plakate nur eine Woche hängen. Doch Angela Rose, beim
British Council für bildende Künste zuständig und Kuratorin der Berliner
Freud-Ausstellung von 1988, erhofft sich ein weltweites Echo auf die
Aktion. Der Zeitpunkt scheint günstig. Der Diebstahl ist nach deutschem
Gesetz verjährt. Ein Spender, der anonym bleiben möchte, hält die
Belohnungssumme parat. Unter einer Berliner Telefonnummer (030-31109940)
werden Hinweise entgegen genommen. Es könnte also auch der dieb straffrei
die Belohnung kassieren.
Dokument einer Freundschaft
Das 17,8 mal 12,8 Zentimeter großes Ölbild gilt nach den Worten von Sir
Nicholas Serota, Direktor der Tate Gallery, als "eines der kleinsten und
bedeutendsten Porträts des 20. Jahrhunderts". Kein anderes Bild Bacons
habe den Stellenwert dieses Werks in der Tate-Sammlung.
Das Porträt, ursprünglich ein Auftrag von Bacons Londoner
Stamm-Restaurant Wheeler's, wurde später von Tate erworben. Drei Monate
lang saß Freud seinem Freund Bacon (1909-1992) gegenüber. Zuvor hatte
Bacon ein Bild von Freud nach einem Schnappschuss des Schriftstellers
Franz Kafka gemalt. Später kühlte die Beziehung zwischen beiden Künstlern
ab.
Unglückliche Umstände
"Tragisch und paradox zugleich" nennt Peter-Klaus Schuster,
Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, dass ausgerechnet eines
von Freuds bekanntesten Bildern in Berlin gestohlen wurde. Bis zu seinem
Weggang ins britische Exil nach der Machtergreifung der Nazis lebte Freud
am Matthäikirchplatz im Stadtteil Tiergarten, ganz in der Nähe der später
dort 1968 eröffneten Neuen Nationalgalerie. Die Ausstellung von 1988 sei
für den Maler eine Art Rückkehr in seine Heimatstadt gewesen.
Zwar hat der Diebstahl die Beziehungen zwischen Tate und der
Nationalgalerie nicht getrübt. Für die große Berliner Andy-Warhol-
Retrospektive hat die britische Sammlung bereits einige Werke des
amerikanischen Pop-Art-Künstlers zugesagt. Doch eine Lehre hat die
Nationalgalerie aus der Affäre gezogen: Seit dem Freud-Diebstahl sind alle
Stellwände mit der zentralen Alarmanlage verbunden.
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