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| 10.01.2004 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Ausstellung: Stürzen mit Stil und Pfeuffer | ||
| In der Halle der Wiener Privatsammlung Volpinum wird der deutsche Maler Helmut Pfeuffer vorgestellt. Eine Überraschung. | ||
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K Die Väter-Generation der in den fünfziger Jahren geborenen "Neuen Wilden" schlitterte - außer einigen Malerfürsten wie Baselitz, Lüpertz, Immendorff - schnell ins mediale Out. Zu Beginn ihrer Laufbahnen malten sie noch gegen den Trend - dann wurden sie von den Jungen überrollt. Der 1933 in Schweinfurt am Main geborene Helmut Pfeuffer
ist eine dieser Entdeckungen für Österreich, von denen in Deutschland noch
viele warten, wie man auf lokalen Kunstmessen immer wieder erstaunt
erkennen muss. Das in Wien lebende deutsche Sammler-Ehepaar Andra und
Ernfried Fuchs hat aus seiner Frühzeit einen ganzen Fundus an Künstlern
ihrer Heimat aus dem breiten seriösen Mittelfeld mitgebracht. Pfeuffer,
den die Sammler zur Zeit in ihrem Ausstellungsraum "Volpinum" - vom
lateinischen "volpes" (Fuchs) abgeleitet - zeigen, ragt mit seiner
kraftvollen Malerei allerdings aus dieser Masse heraus. Dennoch erreichte
er nie die Spitze, teilt das Schicksal der Väter, die im Zuge der "Neuen
Wilden"-Welle zu Mitläufern degradiert wurden. Konsequent hat sich der in Nürnberg und Stuttgart
geschulte Maler an seinen Themen und Vorbildern abgearbeitet. In seine
annähernd quadratischen Bilder spannt er Körper und Landschaften, verkeilt
sie ineinander zu Körperlandschaften und Landschaftskörpern. Die Spannung
ist fast körperlich spürbar. Ähnlich wie sein Landsmann Georg Baselitz
verfremdet Pfeuffer seine Figuren gern, indem er sie auf den Kopf stellt.
Allerdings nicht aus manieriertem Selbstzweck, sondern als erzählerisches
Element. Den Sturz, das Stürzen erfasst Pfeuffer in seinem ganzen
dramatischen Wirbel. Ob ein geschlachteter Stier, Lilith, Titan, ein
Liebespaar oder eine Akrobatin. Alle scheinen gewaltig den Halt zu
verlieren, kippen aus der Achse, um in einen Strudel aus Flächen und
Farben zu geraten. Eine ordentliche Portion Pathos ist den großen Formaten
und groben Figuren dabei nicht abzusprechen. Durchaus gewollt, wie die
Serie "Pathetische Figuren" nahe legt. Anhand der insgesamt 14 ausgestellten Ölgemälde, die
meisten Leihgaben aus Deutschland, kann die stilistische Entwicklung
Helmut Pfeuffers von 1967 bis 2002 ziemlich lückenlos nachempfunden
werden. In ihrer Befangenheit fast komisch wirken die frühen Arbeiten aus
den 70er Jahren, in denen Francis Bacon unverschämt sein Unwesen treibt.
Ein modernes Stillleben mit ausgeweidetem Stier erinnert dagegen frappant
an Oskar Kokoschka - very rotten. Überhaupt sieht Pfeuffer sich der
expressiven österreichischen Tradition mehr zugetan als der deutschen. Ein
wenig Schiele lässt sich in mancher gespreizten Handhaltung - vor allem in
den Zeichnungen - erschnuppern, auch Richard Gerstls schillernd-brutale
Selbstentblößung ist zu spüren. Gemeinsam mit den "Neuen Wilden", Anfang
der Achtziger, war dann auch Pfeuffers eigenständiger Stil voll
entwickelt: neoexpressiv, nur leider - falscher Jahrgang. Aus der Nähe betrachtet ist diese kraftvolle Welt aus Passion und Pathos völlig in Ordnung. Satte Farben und breiter, skizzenhafter Strich lassen die Formen im Detail zwischen abstrakt und gegenständlich schlingern - dieses gelungene Spiel ist mehr erwartete Pflicht als Kür. Nur, es irritieren zwischen den gedämpften Farben einige ungewohnt grelle Linien. Sie rastern vergleichsweise hart die unruhigen Flächen - und aus der Entfernung wird plötzlich klar: auch hier regiert schon superflach. Bis 17. April. Do.-Sa. 14-18 Uhr. |
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