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MEINUNG

Bekenntnis zur Kunst fehlt

VON WALTER FINK

Wie geht dieser Staat, wie geht auch unser Land mit seinen Künstlern um? Diese Frage stellt sich wieder einmal, wenn man die neueste Meldung aus Wien hört. Ein Teil der Skulpturen, die von Fritz Wotruba, dem bedeutendsten österreichischen Bildhauer des vergangenen Jahrhunderts, geschaffen wurden und noch im Besitz der Wotruba-Stiftung sind, sollen in einer neuen Wohnanlage in Wien temporär aufgestellt werden. Das ist ja eigentlich erfreulich. Aber doch nicht so wirklich. Den erstens handelt es sich beim Toscanahof in der Argentinierstraße, um eine ziemlich noble Wiener Adresse, die man nicht als wirklich öffentlich bezeichnen kann. Zweitens geht es nur um eine zwischenzeitliche Lösung. Und da liegt der eigentliche Skandal. Denn dieses Beispiel zeigt, wie dieser Staat mit seinen größten Künstlern umgeht. Es war bisher nicht möglich, in Wien so etwas wie ein Wotruba-Museum einzurichten. Es war auch nicht möglich, so etwas für den wahrscheinlich bedeutendsten Maler dieses Landes im vergangenen Jahrhundert, Oskar Kokoschka, zu schaffen. Es war nicht einmal möglich, größere Bestände dieser beiden Künstler - man könnte auch noch andere nennen - an einem Ort zu sammeln, sie damit zugänglich zu machen.

Am Beispiel Wotruba: Das Wotruba Archiv soll im 20 er-Haus untergebracht werden - aber frühestens ab 2007. Die Wotruba-Stiftung verfügt über wesentliche Teile des künstlerischen Nachlasses, der aber kaum zugänglich ist. Und das, obwohl Wilfried Seipel, Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums, deren Präsident ist. Wotruba findet in Wien praktisch nicht statt. Seit vielen Jahrzehnten versäumt es dieser Staat, auf sein künstlerisches Erbe zu schauen. Nicht nur in der bildenden Kunst, aber dort am offensichtlichsten. Das ist nicht nur unverständlich, das ist schlichtweg unmöglich.

Das Beispiel des Staates machte natürlich auch in den Ländern Schule. Durchaus auch in Vorarlberg. Wo findet man denn eine wirklich bedeutende Sammlung von Rudolf Wacker, von Albert Bechtold, Edmund Kalb, von Hubert Berchtold? Im Vorarlberger Landesmuseum natürlich. Aber dort ist wieder nicht das Platzangebot, um die zum Teil doch beachtlichen Sammlungen zu zeigen. Von Edmund Kalb etwa verfügt das Landesmuseum über erhebliche Bestände, es gibt aber keine Möglichkeit, sie zu präsentieren. Und die Erweiterung des Museums steht vorläufig noch in den Sternen. Zuerst muß einmal die neue Bezirkshauptmannschaft gebaut werden, dann erst wird man sehen, ob in der alten BH Platz für das Museum sein wird. Wenn man Gerüchten glauben darf, wie diese Dinge abgewickelt werden sollen, dann darf man berechtigte Zweifel hegen, ob das zu einem guten Ende kommen kann.

Wie wird es zudem mit der zeitgenössischen Kunst weitergehen? Werden wir in einer, zwei Generationen repräsentative Arbeiten von zur Zeit arbeitenden Künstlerinnen und Künstlern haben, um die Sammlungen zu komplettieren, um an frühere Zeiten anschließen zu können? Wenn man sich die Ankaufsbudgets des Bundes und der Länder ansieht, so kann das kaum der Fall sein. Diese Summen sind so bescheiden, daß man davon kaum eine größere Arbeit pro Jahr kaufen kann. Zumindest dann nicht, wenn man noch etwas Geld für andere Ankäufe haben will. Anders gesagt: Unsere Kinder und Kindeskinder werden erkennen müssen, daß wir zwar für die unsinnigsten Dinge abenteuerlich viel Geld ausgegeben haben, daß wir es aber weitgehend versäumt haben, für die Kunst dieses Staates und unseres Landes Sorge zu tragen. Und sie werden sich nicht zuletzt deshalb wundern, weil für solche Vorhaben keine Unsummen notwendig wären. Relativ bescheidene Beträge - das gilt ebenso für die Städte in diesem Land - würden genügen, um zu vernünftigen Ergebnissen zu kommen. Aber dazu würde es eines Bekenntnisses zur Kunst bedürfen. Und das fehlt.

* * *

Die Meinung des Gastkommentators muss

nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen. Auf Wunsch des Autors erscheint

der Text in der alten Rechtschreibung.




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