Die Höchster Glocken tanzen
Albrecht Zauner schuf Kunst, von der man weiß, die man aber kaum noch sieht.
CHRISTA DIETRICH christa.dietrich@vn.vol.at, •72/501-225
Höchst (VN) Glocken
werden nicht nur nach strengen Vorgaben gegossen, sondern im
Allgemeinen auch verziert. In Höchst, wo in den letzten Jahren neue
Glocken für die Pfarrkirche geschaffen wurden, hatte man den Ehrgeiz,
für diese "Verzierung" (die oft einfach in der Gießerei nach Vorlagen
erfolgt) auch den Begriff Kunst geltend machen zu können. Ein Musikinstrument
Albrecht Zauner, der aus Lindau stammende und in Lustenau lebende Künstler, wurde mit der Aufgabe betraut.
Bislang meist mit
der Abstraktion des menschlichen Körpers beschäftigt (Zauner war und
ist an vielen Ausstellungen beteiligt und hat einige Arbeiten für den
öffentlichen Raum in Vorarlberg geschaffen), hat sich der Bildhauer
eingehend sowohl mit der biblischen Geschichte als auch mit Tradition
und Funktion von Glocken und deren Ausmaß auseinander gesetzt. Nachdem klar war,
dass er bei Reliefbändern bleibt, sollte per Notenschrift auf die
Tatsache Bezug genommen werden, dass die Glocke auch ein
Musikinstrument ist. Dazu kamen einmal ein Text zum Thema Liebe und
abstrahierte Figuren. Auf der größten Glocke, der 4,5 Tonnen schweren
"Christusglocke", sind nun Tanzende dargestellt. Auf der
"Friedensglocke" ist eine streng abstrahierte Schutzmantelmadonna zu
sehen und auf der "Auferstehungsglocke" Maria Magdalena, die das
Privileg hatte, dem auferstandenen Christus als erste zu begegnen.
Umgesetzt in die Bildsprache Zauners, versteht sich. Zauner reiht
diesen Auftrag unter den ganz besonderen seiner bisherigen Laufbahn
ein. Einerseits, weil dem Künstler hier an sich ein sehr enger
Spielraum zur Gestaltung gegeben ist, andererseits, weil es sich um
Kunstwerke handelt die zwar mit viel
Aufwand geschaffen wurden, nach dem Glockenfest, das bereits
stattgefunden hat, aber so gut wie nicht mehr zu sehen sind. Kunstwerke, die
quasi nur im Bewusstsein derer existieren, die sie geschaffen haben.
Abgesehen davon, dass man die Höchster Glocken hört, und nun auch weiß,
dass sie im bestimmten Sinn tanzen bzw. zum Tanz auffordern. Zwei weitere Künstler
Sieben Glocken
waren in Höchst neu zu gießen. Für je zwei weitere (im kleineren
Format) hat er die Aufträge an Kollegen übergeben. Magnus Pöhacker aus
Innsbruck und Udo Rabensteiner aus Lustenau haben nach ähnlichen
Vorgaben gearbeitet, blieben - im Vergleich zu Zauner - aber strenger
im Realismus verankert.
Zeichnungen und
plastische Arbeiten zu den Glocken von Albrecht Zauner ab 5. Oktober im
Bildungshaus Batsind schuns zu sehen. Eröffnung: 5. Oktober, 19.30 Uhr.
Geöffnet bis 25. November, Mo bis Sa, 9 bis 18 Uhr, So, 9 bis 12 Uhr ZUR PERSON
Bildhauer Albrecht Zauner
Geboren: 1962 in
Lindau Ausbildung: Akademie der bildenden Künste in Wien bei Prof.
Avramidis Laufbahn: Ausstellungen im In- und Ausland, einige größere
Projekte im öffentlichen Raum in Vorarlberg, Deutschland etc. Wohnort:
Lustenau Die "Christusglocke" hat einen Durchmesser von zwei Metern und ist 4,5 Tonnen schwer.
(Foto: Rasser
Es war eine faszinierende Aufgabe.
ALBRECHT ZAUNER
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