| Salzburger Nachrichten am 17. September 2005 - Bereich:
kultur
Der Anti-Struwwelpeter
F. K. Waechter † "Warum der Zeichner Friedrich Karl Waechter ein Genie ist", erklärte
die deutsche Wochenzeitung "Die Zeit" im Jahr 2002 in einer umfangreichen
Würdigung: Zunächst sei der Zeichner und Schriftsteller "unter den
Nonsens-Produzenten bestimmt einer der Zügellosesten. Ein ganzes
Paralleluniversum des Absurd-Komischen hat er in vier Jahrzehnten aufs
Papier gebracht". Darüber hinaus unterscheide er sich von anderen
Humorschaffenden durch die Feinheit seines Witzes: "Das Plumpe bleibt
plump nicht, gemein nicht das Gemeine, dem widerstrebt hier ein
mozart'scher Kunstverstand." Anlass für die Würdigung des
"Titanic"-Cartoonisten und Mitbegründers der Neuen Frankfurter Schule war
damals Waechters 65. Geburtstag. Gestern, Freitag, ist F. K. Waechter 67-jährig an den Folgen einer
Lungenkrebserkrankung gestorben. Neue Frankfurter Schule Als Satirezeichner wie auch als Schriftsteller und Theaterregisseur war
Waechter berühmt. Der Künstler hatte für mehrere Zeitschriften gearbeitet
und eigene Bücher veröffentlicht. 1938 kam Waechter in Danzig als Sohn eines Lehrers zur Welt. Er
studierte zunächst Gebrauchsgrafik. Zusammen mit sieben anderen Künstlern
wie Robert Gernhardt gründete er Anfang der 60er Jahre die so genannte
Neue Frankfurter Schule, die bald eine neuartige hintersinnige Komik
etablierte. Nun leben noch sechs der Gründer: Im Juli 2004 war bereits
Chlodwig Poth gestorben. Vielfältiges Werk Waechter zeichnete zuerst für das Satire-Magazin "pardon", später auch
für die Zeitschriften "Konkret", "Twen", "Zeit-Magazin" und "Titanic". Für
das Theater schrieb er mehr als 70 Miniaturstücke, Kurzdramen und
abendfüllende Theaterstücke. Waechter arbeitete aber auch für Kinder. Sein
bekanntes Buch "Anti-Struwwelpeter" erschien 1970. Mehrfach ausgezeichnet Waechter wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem 1975 mit dem
Deutschen Jugendbuchpreis und 1993 mit dem Staatspreis für Kunst des
Landes Hessen. Der Karikaturist war nach Angaben des Museums bereits im
Sommer 2004 an Lungenkrebs erkrankt. Trotz einer Chemotherapie habe er
noch bis vor wenigen Wochen gearbeitet. F. K. war verheiratet und hatte
drei Söhne. |