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Kunstberichte

Die Ikonen der Moderne

Kremser Kunsthalle präsentiert Christus-Darstellungen in der Fotografie
Illustration
- Bekannter Schmaus, neue Gesichter: Adi Nes’ Militär-Variante von da Vincis Abendmahl.  Foto: Israel Museum, Jerusalem

Bekannter Schmaus, neue Gesichter: Adi Nes’ Militär-Variante von da Vincis Abendmahl. Foto: Israel Museum, Jerusalem

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Das Pathos der Passionsbilder: Es wird mittlerweile selbst auf hochabstrakte Werke übertragen. So sah Kasimir Malewitsch sein berühmtes schwarzes Quadrat durchaus auch als Ikone. Die wahre Ikone ist aber gemäß der Bibel auf dem Schweißtuch der Veronika entstanden: als Christus sich sein Gesicht trocknete. Bis heute regt diese Legende die Künstler zu immer neuen Werken an, die den Mensch gewordenen Sohn Gottes darstellen. Eines der berühmtesten bleibt das als Reliquie verehrte Turiner Leichentuch.

Die Fotografie machte es am Ende des 19. Jahrhunderts möglich, das Bildnis auf dem Leinen als ein Negativ aufzufassen, womit die Faszination allerdings keinen Abbruch erlitt: Immer noch haftet dem Medium der Fotografie etwas Alchemistisches an. Zudem konnte es die Kirche nützen, um ihre Propaganda an die technischen Errungenschaften der neuen Zeit anzupassen.

Kitsch und Kontroverse

So ist der Besuch dieser Schau des Jerusalemer Israel Museums mit ihrem Kurator Nissan N. Perez in Krems zum einen die seriöse Auseinandersetzung mit dem Umgang der Künstler, aber auch kontrovers mit all dem Kitsch, der sich diesem Thema automatisch an die Fersen heftet. Hier finden sich große Namen wie Marina Abramovic, Man Ray, Sam Taylor-Wood, Annie Leibovitz oder Andres Serrano.

Daneben tauchen soziale Aspekte und Zufallsheilige auf: Frauen und ihre Kinder, durch Kriege zu Heiligen hochstilisiert, oder Tote wie Che Guevara und Robert Kennedy, die von Sensationsreportern abgelichtet wurden und deren Liegehaltung mit dem toten Christus korrespondiert.

Pietàs werden nachgestellt, der Körper des Gottessohnes wird bisweilen zum Fisch als Christussymbol, etwa beim Klassiker Manuel Alvarez Bravo 1939 und in der Inszenierung von Bettina Rheims.

Abendmahl der Kranken

Ein weiteres, besonders beliebtes Motiv ist das Abendmahl nach Leonardo da Vinci, wobei zweifelsohne der monumentale fünfteilige Chromogendruck von Rauf Mamedov, der 13 Darsteller mit Down-Syndrom zeigt, Diskurse auslösen könnte.

Spekulative Blasphemie war wohl schon im Jahr 1933 Anreiz für Man Ray, die Pobacken und Beine einer Frau zum umgekehrten Ketzerkreuz als "Monument à Sade" zu erklären.

Paul Strand und John Heartfield benützten daneben selbst das Hakenkreuz als Symbol politischen Protests. Die gekreuzigten Frauen – im Ausstellungskatalog zu besichtigen – hat man in Krems lieber weggelassen.

Corpus Christi

Christusdarstellungen

in der Fotografie

Kurator: Nissan N. Perez

Bis 24. September,

täglich von 10 bis 18 Uhr

Kunsthalle Krems

02732/90 80 10

Franz Zeller Platz 3,

3500 Krems-Stein

Kitschig bis kontrovers.

Mittwoch, 23. August 2006


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