Keine Chance für Alte Meister
W as Thomas Bernhard in einem Roman geschildert hat, ist unvorstellbar geworden. In „Alte Meister“ erzählt er von zwei Herren, die einander vormittags oft im Kunsthistorischen Museum in der Nähe von Tintorettos „Weißbärtigem Mann“ treffen. Solche Begegnungen können sich einfache Österreicher heute kaum noch leisten, Wer den „Weißbärtigen Mann“ betrachten will, muss entweder zehn Euro zahlen oder irgendwie auf eine VIP-Liste kommen und die nächste Ausstellungseröffnungsparty abwarten.
Was die Bundesmuseen uns an Eintrittspreisen zumuten, ist für Museen eines Staates, in dem Bildung als wichtig gilt, eine Schande. Schuld daran sind nicht primär die Museumsdirektoren. Die richten sich nach den Bedingungen, die Finanz- und Kulturminister vorgeben. Und diese lauten: Mehr Geld erwirtschaften! Freiheit der Konkurrenz! Macht, was ihr wollt!
Werke von Tintoretto oder Vermeer, von Wiener Aktionisten oder Maria Lassnig zu studieren, ist ähnliche wichtig für Persönlichkeitsbildung und Menschenverstand wie Bücher zu lesen. Doch Kunst wird in Österreich immer weniger als Bildungsgut und immer mehr als Luxuskonsum verstanden. So wird in den Bundesmuseen eine Preispolitik zugelassen, die kulturpolitisch ähnlich desaströs ist, wie wenn staatliche Bibliotheken pro Buch fünf Euro Leihgebühr kassierten.




















