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Knoll Galerie. Reflektiert wie wenige andere jüngere
Künstler untersucht Luchezar Boyadijiev die soziokulturellen
Bedingungen künstlerischer Produktion. Damit wurzelt seine Arbeit in der
Tradition der Kontext-Art, wobei Boyadijiev sehr präzise von einer Analyse
künstlerischer Möglichkeiten ausgeht, um von hier aus weitere Fragen
aufzugreifen. Schlüsselwerk der Ausstellung ist ein wandfüllender
Computerdruck aus vielen Einzelteilen, in denen der Bulgare minuziös
auflistet, welche Kosten er als Künstler in Zusammenhang mit Ausstellungen
verursacht hat. Anhand von Briefen, Rechnungen und Photos fokussiert er
die ökonomischen Grundvoraussetzungen des Kunstbetriebs. Drastischer, als
auf der visuellen Ebene erkenntlich (und nötig), verweist der Titel
"GastARTbeiter" auf Boyadijievs Rolle als Migrant. In kleineren Arbeiten
referiert er noch einmal, doch verschlüsselter, die Migrationsfrage sowie
einen Arbeitsaufenthalt in Wien, seiner "City of Angels" (VI.,
Esterhazygasse 29/Hof; bis 19. Jänner).
Galerie Insam. In seinem Schaffen bedient sich Ken Lum ganz
unterschiedlicher Produktionsmethoden Photographie, Plakate,
Installationen kommen ebenso zum Einsatz wie mediale Reinterpretationen
der Kunstgeschichte. Für seine Alutafeln nimmt Lum Anleihe bei
Emailschildern, wie sie oft in multikulturellen Vierteln zu sehen sind.
Ein Bruch entsteht, indem er traditionelle Werbemotive mit merkwürdig
persönlichen Sätzen kombiniert: "An meine p.t. Kunden: Mein Sohn ist nicht
mehr mein Sohn" heißt es in Plastikbuchstaben. Oder: "Ich hab die Nase
voll". Zwar vermittelt die Schau durch die Konzentration auf eine
Werkgruppe wenig von Lums Vielseitigkeit. Um so mehr aber macht sie
deutlich, wie er durch ein souveränes Spiel mit Irritation und Verfremdung
eingefahrene Denk- und Verhaltensmuster gekonnt in Frage stellt (I.,
Köllnerhofgasse 6; bis 26. Jänner).
Galerie Faber. Eine schöne Verbindung zu Lums Schildern stellt eine
Gruppe originaler Werbeaufnahmen von Walker Evans aus den
Dreißigern dar. Auch wenn hier (wie auch im Portfolio zur "Brooklyn Bridge
1929") der dokumentarische Blick im Vordergrund steht, läßt die Serie auch
etwas spüren von der Faszination, die die Welt der Konsumgüter auf die
Künstler der Moderne ausgeübt hat. Eine ruhige Ergänzung dazu bilden die
klassischen Naturaufnahmen Reinhart Mlineritschs (IV., Brahmsplatz 7; bis
26. Jänner).
© Die Presse | Wien
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