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02.01.2002 - Ausstellung
AUSGESTELLT IN WIEN von JOHANNA HOFLEITNER


Knoll Galerie. Reflektiert wie wenige andere jüngere Künstler untersucht Luchezar Boyadijiev die soziokulturellen Bedingungen künstlerischer Produktion. Damit wurzelt seine Arbeit in der Tradition der Kontext-Art, wobei Boyadijiev sehr präzise von einer Analyse künstlerischer Möglichkeiten ausgeht, um von hier aus weitere Fragen aufzugreifen. Schlüsselwerk der Ausstellung ist ein wandfüllender Computerdruck aus vielen Einzelteilen, in denen der Bulgare minuziös auflistet, welche Kosten er als Künstler in Zusammenhang mit Ausstellungen verursacht hat. Anhand von Briefen, Rechnungen und Photos fokussiert er die ökonomischen Grundvoraussetzungen des Kunstbetriebs. Drastischer, als auf der visuellen Ebene erkenntlich (und nötig), verweist der Titel "GastARTbeiter" auf Boyadijievs Rolle als Migrant. In kleineren Arbeiten referiert er noch einmal, doch verschlüsselter, die Migrationsfrage sowie einen Arbeitsaufenthalt in Wien, seiner "City of Angels" (VI., Esterhazygasse 29/Hof; bis 19. Jänner).

Galerie Insam. In seinem Schaffen bedient sich Ken Lum ganz unterschiedlicher Produktionsmethoden Photographie, Plakate, Installationen kommen ebenso zum Einsatz wie mediale Reinterpretationen der Kunstgeschichte. Für seine Alutafeln nimmt Lum Anleihe bei Emailschildern, wie sie oft in multikulturellen Vierteln zu sehen sind. Ein Bruch entsteht, indem er traditionelle Werbemotive mit merkwürdig persönlichen Sätzen kombiniert: "An meine p.t. Kunden: Mein Sohn ist nicht mehr mein Sohn" heißt es in Plastikbuchstaben. Oder: "Ich hab die Nase voll". Zwar vermittelt die Schau durch die Konzentration auf eine Werkgruppe wenig von Lums Vielseitigkeit. Um so mehr aber macht sie deutlich, wie er durch ein souveränes Spiel mit Irritation und Verfremdung eingefahrene Denk- und Verhaltensmuster gekonnt in Frage stellt (I., Köllnerhofgasse 6; bis 26. Jänner).

Galerie Faber. Eine schöne Verbindung zu Lums Schildern stellt eine Gruppe originaler Werbeaufnahmen von Walker Evans aus den Dreißigern dar. Auch wenn hier (wie auch im Portfolio zur "Brooklyn Bridge 1929") der dokumentarische Blick im Vordergrund steht, läßt die Serie auch etwas spüren von der Faszination, die die Welt der Konsumgüter auf die Künstler der Moderne ausgeübt hat. Eine ruhige Ergänzung dazu bilden die klassischen Naturaufnahmen Reinhart Mlineritschs (IV., Brahmsplatz 7; bis 26. Jänner).



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