VN Di, 5.2.2002

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Losgelöst vom Bergchauvinismus

Oscar Sandner leitet großes Ausstellungsprojekt an vier Orten in Vorarlberg

Bregenz (VN-cd) Nicht weil die UNO das Jahr 2002 zum "Jahr der Berge" erklärt hat, sondern weil der Ausstellungsmacher und ehemalige Bregenzer Kulturamtsleiter Oscar Sandner ein solches Projekt schon seit einiger Zeit im Sinn hat, und es nun einen besonderen thematischen Rückhalt hat soll es in diesem Sommer an vier Orten in Vorarlberg eine große Ausstellung zum Thema Berg geben.

Im Titel "Mallory Projekt" nimmt Sandner Bezug auf einen der bekanntesten Bergsteiger des 20. Jahrhunderts.

Bizarre Begebenheit

Mallory wurde im Juni 1924 zuletzt unter dem Gipfel des Mount Everest gesehen, erst viele Jahre später - 1999 - fand man seine Leiche. Bis heute wird gerätselt, ob es ihm nicht doch gelungen ist, vor Edmund Hillary, dem im Jahr 1953 der Gipfelsturm gelang, den höchsten Berg der Erde zu bezwingen. Fest steht, dass Karl Blodig, ein in Bregenz lebender Bergsteiger, einst mit Mallory einen Gipfel bestieg. Danach glaubte er festhalten zu können, dass "dieser junge Mann nicht lange leben wird".

Mythos Berg

Freilich baut sich eine derartige Ausstellung nicht nur um den Mythos Mallory oder generell um Mythen auf, obwohl Sandner feststellen kann, dass Berge seit je her mythisch konnotiert sind. Gott rief Moses auf den Berg Sinai, wissen wir aus der Bibel. Es gibt die Bergneurose und neurotische Bergsteiger, stellte der Psychoanalytiker Wilhelm Reich fest, Mallory lieferte eine pragmatische Erklärung: "Wir steigen auf die Berge, weil sie da sind."

Ideologiefrei

Berge sind oft Sujets in der Musik und sie sind eines der Hauptthemen in der klassischen Malerei. Rund zwölf Künstler hat Oscar Sandner, nun aufgefordert, sich mit dem Thema Berg auseinanderzusetzen. In einer Zeit, in der Berge, so Sandner, wieder einmal als "österreichisches Stiftungsmaterial" apostrophiert werden, fordert er eine ideologiefreie Betrachtung, losgelöst vom Bergchauvinismus.

Künstler wie Gottfried Bechtold, Ona B., Heinz Greissing, Tone Fink, Oswald Oberhuber oder die gerade mit dem Internationalen Kunstpreis des Landes ausgezeichnete Ruth Schnell sind Garant dafür.

Mehrere Disziplinen

Gearbeitet wird in verschiedenen Disziplinen. Interessant zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch der Künstler Andreas Dvorak, dessen Fotoarbeiten an die Bilder des berühmten Giovanni Segantini erinnern.

Besondere Orte

Die vier Ausstellungsorte sind das Bregenzer Magazin 4, das Kopswerk im Montafon, die Mauer des Silvrettastausees und die Halle Schmidinger in Schwarzenberg. Zeitraum: Mitte Juli bis Mitte September.

Der Silvrettastausee wird zum Ausstellungsort. (Foto: HB)




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