Bregenz
(VN-cd) Nicht weil die UNO das Jahr 2002 zum "Jahr
der Berge" erklärt hat, sondern weil der Ausstellungsmacher und
ehemalige Bregenzer Kulturamtsleiter Oscar Sandner ein solches
Projekt schon seit einiger Zeit im Sinn hat, und es nun einen
besonderen thematischen Rückhalt hat soll es in diesem Sommer an
vier Orten in Vorarlberg eine große Ausstellung zum Thema Berg
geben.
Im Titel "Mallory Projekt" nimmt Sandner Bezug auf einen
der bekanntesten Bergsteiger des 20. Jahrhunderts.
Bizarre Begebenheit
Mallory wurde im Juni 1924 zuletzt unter dem Gipfel des
Mount Everest gesehen, erst viele Jahre später - 1999 - fand man
seine Leiche. Bis heute wird gerätselt, ob es ihm nicht doch
gelungen ist, vor Edmund Hillary, dem im Jahr 1953 der Gipfelsturm
gelang, den höchsten Berg der Erde zu bezwingen. Fest steht, dass
Karl Blodig, ein in Bregenz lebender Bergsteiger, einst mit Mallory
einen Gipfel bestieg. Danach glaubte er festhalten zu können, dass
"dieser junge Mann nicht lange leben wird".
Mythos Berg
Freilich baut sich eine derartige Ausstellung nicht nur
um den Mythos Mallory oder generell um Mythen auf, obwohl Sandner
feststellen kann, dass Berge seit je her mythisch konnotiert sind.
Gott rief Moses auf den Berg Sinai, wissen wir aus der Bibel. Es
gibt die Bergneurose und neurotische Bergsteiger, stellte der
Psychoanalytiker Wilhelm Reich fest, Mallory lieferte eine
pragmatische Erklärung: "Wir steigen auf die Berge, weil sie da
sind."
Ideologiefrei
Berge sind oft Sujets in der Musik und sie sind eines
der Hauptthemen in der klassischen Malerei. Rund zwölf Künstler hat
Oscar Sandner, nun aufgefordert, sich mit dem Thema Berg
auseinanderzusetzen. In einer Zeit, in der Berge, so Sandner, wieder
einmal als "österreichisches Stiftungsmaterial" apostrophiert
werden, fordert er eine ideologiefreie Betrachtung, losgelöst vom
Bergchauvinismus.
Künstler wie Gottfried Bechtold, Ona B., Heinz Greissing, Tone
Fink, Oswald Oberhuber oder die gerade mit dem Internationalen
Kunstpreis des Landes ausgezeichnete Ruth Schnell sind Garant dafür.
Mehrere Disziplinen
Gearbeitet wird in verschiedenen Disziplinen.
Interessant zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch
der Künstler Andreas Dvorak, dessen Fotoarbeiten an die Bilder des
berühmten Giovanni Segantini erinnern.
Besondere Orte
Die vier Ausstellungsorte sind das Bregenzer Magazin 4,
das Kopswerk im Montafon, die Mauer des Silvrettastausees und die
Halle Schmidinger in Schwarzenberg. Zeitraum: Mitte Juli bis Mitte
September.
Der Silvrettastausee wird zum Ausstellungsort.
(Foto: HB)