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Galerie Charim. Mit malerischen Hühnerfleischbildern,
einer Intervention in einer Galerie, deren Wände mit einer Latex-Haut
überzogen wurden, mit Schminkemalerei und Lederskulpturen, die an
Boxhandschuhe erinnerten, machte sich Max Boehme zu Beginn der
Neunziger einen Namen. Dann zog er sich eine Zeit aus dem Kunstbetrieb
zurück. Und man mochte neugierig sein auf die Ergebnisse seines
Innehaltens.
Merklich hat er an seinem künstlerischen Konzept gefeilt
und nach malerischer Perfektionierung gesucht. Das spiegelt in der Schau
das Verhältnis von Malerei, Zeichnung und Skulptur wieder. Fast
altmeisterlich ausgeführte Ölbilder verweisen nun nur mehr vage auf
Körperliches, scheinen in erster Linie schön sein zu wollen. In Farbigkeit
wie auch Inhaltlichkeit fügen sie sich gut in einen neueren
Malereikontext, der hierzulande entscheidend von Maria Lassnig, Siegfried
Anzinger oder Erwin Bohatsch geprägt wurde. Über solche Bezugsgrößen kann
sich Boehme allerdings weder hinwegsetzen noch hat er seinen eigenen
radikalen frühen Ansatz logisch weiterentwickelt. Der ist in der Schau
einzig in kleinen, nicht unwitzig zu Lampionen arrangierten
Handzeichnungen spürbar. Was Boehme hier an Malerei präsentiert, ist
allerdings leider nicht mehr als gute Gebrauchslyrik (I., Dorotheergasse
12; bis 24. März).
Galerie Meyer Kainer. Schnurgerade weiße Bänder, schwarze
Felder, bunte rhomboide Flächen, bis hin zur Bedrohung verzerrte
Perspektiven: zentrale Elemente der Lackbilder von Sarah Morris.
Was scheinbar an die neue Geometrie der Achtziger anschließt,
dechiffrieren die Bildtitel als malerische Interpretation von
Wolkenkratzerarchitektur. "National Air and Space", "State Department",
"Federal Trade Commission" etc. nennt die US-Künstlerin diese Großformate.
Die Botschaft ist klar: Versehen mit dem Zusatz "Capital", "Hauptstadt"
werden derlei Strukturen als Chiffren für Macht, Ordnung, Kontrolle
gedeutet.
Ihre in der Malerei etwas bemüht wirkende Analyse von
Herrschaftsmechanismen vermittelt Morris präziser in einem 18minütigen,
mit minimalistischen Synthesizerklängen unterlegten Video "Capital":
Anhand perfekt ausgewählter Bildsequenzen, in denen sie nächtliches
Großstadtflair mit Momenten des sozialen und politischen Alltags
verschneidet, macht sie die Szenarien der Macht ungleich transparenter
(I., Eschenbachgasse 9; bis Mitte Mai).
© Die Presse |
Wien
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