Salzburger Nachrichten am 19. Dezember 2002 - Bereich: kultur
Die Malerei hat mit Gefühl zu tun

INTERVIEW

Auch für einen so vielfältig tätigen Künstler wie Heimo Zobernig ist die Malerei ein wichtiges Mittel seiner Arbeit

LASZLO MOLNAR

Der 1958 in Kärnten geborene Heimo Zobernig ist einer der erfolgreichsten und international meist beachteten österreichischen Künstler. Zu seinen Arbeiten gehören Malerei, Plastik, Video und Installationen. Heimo Zobernig, der den Wotruba-Lehrstuhl für Bildhauerei an der Akademie für Bildende Kunst in Wien innehat, ist derzeit eine umfassende Ausstellung im Wiener Museum Moderner Kunst gewidmet.

SN: Herr Zobernig, Ihre Ausstellung dokumentiert, dass Sie in den verschiedensten Medien arbeiten. Welche Themen gibt es noch für die Malerei?

Zobernig:

Ein großes Feld der Malerei bezieht sich auf die Entwicklung der Malerei, die die Malerei hinterfragt, was sie als Medium in unserer Zeit zu leisten vermag. Früher war die Malerei das Medium schlechthin für die Bildproduktion. Nun gibt es in dem Feld viele andere Techniken der Reproduktion - Fotografie, Film -, was der Malerei ein großes Kontra bietet.

SN: Das macht es für die Malerei schwer?

Zobernig:

Es macht es nicht schwerer. Es ist vielleicht vielfältiger geworden, die Stellung der Malerei zu finden. Das kann das Beschreiben eines realistischen Gegenstandes sein, aber es kann natürlich auch das Beschreiben von malereispezifischen Themen sein. Malerei ist Teil eines Kontextes. Das Bild ist ja auch ein Objekt geworden, zu einer Wand.

SN: Beschäftigt die Beschaffenheit des Bildes den Künstler mehr als die Betrachter? Die Malerei ist ja auch einen Weg gegangen vom Abbilden hin zum individuellen Künstlerausdruck.

Zobernig:

Das ist ein ganz wichtiges Moment, dieser individuelle Künstlerausdruck. Auf die Dinge fallen viele missverständliche Projektionen und damit kommt die Frage an den Künstler, was wollen Sie uns damit erzählen? Der Künstler kann zurücktreten, das Subjekt wandert vom Künstler zum Betrachter hinüber: Jeder sieht, was er sehen möchte.

SN: Dafür gibt es aber inzwischen so viele andere Mittel und Medien. Also, wozu heute noch Malerei?

Zobernig:

Da sieht man, wie sich so ein Paradigma verändert. Die Malerei ist eben in der Lage, Erkenntnis zu erzeugen. Es gibt genug Bereiche, wo man etwas entdecken kann. Ich habe mich mit den grundlegenden Bedingungen beschäftigt, etwa mit den Farben und welche Vorstellungen man mit ihnen verbindet.

SN: Malerei ist ein Thema von Wirklichkeit von Täuschung?

Zobernig:

Das könnte man für einen Bereich so sagen. Räume schaffen, Illusionen erzeugen: In den achtziger Jahren, als die Malerei wieder wichtiger wurde, ist die Wandmalerei auch wieder stärker beachtet worden: Wie kann man mit Farben in bestimmten Kontexten Räume schaffen und Illusionen erzeugen?

SN: Es ist doch ein ganz fundamentales Kulturgut, sich malend auszudrücken?

Zobernig:

Es ist sicher etwas ganz Unmittelbares; es gibt ganz unmittelbare Möglichkeiten, sich mit der Malerei eine Sicht auf die Welt zu schaffen. Aber man stößt eben auch ganz unmittelbar auf die Widerstände, die man damit hat.

SN: Malerei wurde immer wieder totgesagt. Ist sie obsolet?

Zobernig:

Das bisherige Gespräch ist ja der Beweis dafür, dass es ganz und gar nicht so ist. Auch gegenüber der Fotografie hat sich die Malerei ihr Gebiet zurückerobert. Da gibt es auch den Begriff des Malerischen. Eine pittoreske Landschaft, das ist sehr stark aufgeladen mit Sentiment. Der Begriff der Malerei hat sehr viel mit dem Gefühl zu tun.