Preisträger der Stadt Wien 2005: Bildende Kunst
Soziale Felder der Fotografie
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Unterwegs im medialen Zwischenreich: Lisl Ponger als "Artist", "Wild Planes", 2001. L. Ponger
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Die diesjährigen Preisträger der Stadt Wien im Bereich bildender
Kunst stehen fest: Matthias Herrmann (geboren 1963 in München), Maria
Theresia Litschauer (geboren 1950 in Wien), Inés Lombardi (geboren 1959
in Sao Paulo, Brasilien) und Lisl Ponger (geboren 1947 in Nürnberg).
Alle vier verbindet das Medium Fotografie – allerdings in variablen
Spielarten.
Als Matthias Herrmann 1995 erstmals seine Fotografien in einer
Wiener Galerie ausstellte, war das Entsetzen der Kritiker noch
einigermaßen hoch, hatte doch hier niemand zuvor – trotz Wiener
Aktionismus – eine so deutliche Sprache in Sachen Sexualität
gesprochen; vor allem Homosexualität war nach wie vor tabuisiert. Seine
ironischen Verfremdungen und performativen Selbstinszenierungen werden
anhaltend kontrovers diskutiert und das hohe Maß an gesellschaftlichem
und politischem Gehalt allzu gerne übersehen. Die Mitglieder der
Secession übersehen hingegen nicht seine in diese Richtung zielende
projektbezogene und auch mit seiner Präsidentschaft in der
Künstlervereinigung zusammenhängende Arbeit.
Maria Theresia Litschauer gilt allgemein als klassische Fotografin,
wenngleich ihre zeitgemäße diskursive und konzeptuelle Ausrichtung
natürlich ebenso stark ins Gewicht fällt. Unspezifische Wien-Ansichten,
"New York Trespassing" in Farbverfremdungen und vor allem ihre
"non-sites", Ansichten von Untergrundstationen und unterirdischen
Passagen, zeigen ihr besonderes Gefühl für Orte des Übergangs. Die
alltägliche, teils zum abstrakten Bild mutierende Architektur, lässt
Leere und Verfremdung als begleitende Gefühlsebenen globaler
Veränderungen mitschwingen.
Inés Lombardi verbindet die neuen Medien mit der klassischen
"Bildhauerei" – in den 90ern waren die Fotos variable
Erscheinungsformen des meist minimalistisch und industriell anmutenden
Objekts. Sie verdichteten damit die Wahrnehmung multipler Bilder zu
einer von Repräsentationssystemen, die zur Reflexion über Realitäten
und deren Verluste führt.
Lisl Ponger vertrat Österreich auf der Documenta XI mit ihrer vom
Sensationsbild abweichenden "Nachlese" des blutigen G-8-Gipfels in
Genua; sie arbeitet an Schnittstellen zwischen Kunst und Wissenschaft,
zwischen konzeptueller Fotografie und Film – in einer veränderlichen
Standortbestimmung befragt sie Identitäten, Museen, Persönlichkeiten
der Kunstgeschichte – sie klopft Institutionen auf ihre fragwürdigen
Ordnungen ab, begibt sich auf Reisespuren durch Lektüre, sammelt,
schreibt, trägt ihre Kunststrukturen in Vorträgen mit Diashows nach
außen.
Im medialen Zwischenreich hat Lisl Ponger auch "Phantom fremdes
Wien" 2004 aktualisiert, wobei hunderte von Ethnien dieser Stadt in
Kurzfilmen zu Wort kommen, und sie stellt sich selbst 2001 mit einer
Tätowiererin dar, die scheinbar ihren Arm beschriftet hat: "Artist"
steht da, darüber durchgestrichen "Tourist", "Ethnologist" und
schließlich sogar "Missionary".
Mittwoch, 06. Juli 2005