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Kunstberichte

Reise durch Gustls Kopf

"Affairen und Affekte" im Theatermuseum widmet sich Schnitzlers Werk
Illustration
- Beleuchtet: Arthur Schnitzler.  Foto: Photostudio Setzer/R. Urbach

Beleuchtet: Arthur Schnitzler. Foto: Photostudio Setzer/R. Urbach

Von Julia Urbanek

Als "undruckbar" und "unaufführbar" bezeichnete Arthur Schnitzler sein Drama "Reigen". Das Skandalwerk von einst ist nun neben den Monolognovellen "Fräulein Else" und "Lieutenant Gustl" Mittelpunkt einer Schau zum 75. Todestag Schnitzlers. Das Theatermuseum zeigt bis 21. Jänner "eine Ausstellung zu Schnitzler, nicht über ihn", wie der Museumsdirektor Thomas Trabitsch betonte. Im Gegensatz zu früheren Schauen wird hier nicht die Biografie beleuchtet, sondern sein Werk. Dessen Umgebung zeigt ohnehin das Flair des Fin de Siècle, die Wiener Gesellschaft zwischen Dienstmädeln, Damen und Offizieren – und damit auch Schnitzlers Geschichte.

"Wie anders ist doch Weiber- und Männeruntreue" – ein Eintrag aus dem Tagebuch Schnitzlers, wie viele andere auf schwarze Samtpolster gedruckt, die auf roten Divans im "Reigen"-Raum ruhen. Vitrinen dokumentieren das sexuell aufgeladene Drama mit freizügigen Modeaccesoires, fragwürdigen Verhütungsmitteln und neckischen Fächern. Durch eine Drehtüre mit erotischen Stummfilmen gelangt man zum Raum von "Fräulein Else", wo unter anderem Ausschnitte aus der Verfilmung mit Elisabeth Bergner gezeigt werden. Eine Tür weiter betritt man den dunklen "Kopf" Lieutenant Gustls – bedrohliche Musik begleitet den Spaziergang zwischen Spinden mit "Duell-Regeln", Tarockkarten und Fotos.

Neben der kleinen, aber ausgeklügelten Schau läuft reichhaltiges Rahmenprogramm: Etwa eine Lesung mit Andrea Eckert am 9. November oder die Verleihung des Schnitzler-Preises an Gert Jonke am 15. November. Das Film Archiv Austria startet am 6. Dezember eine Retrospektive und am 14. Oktober wird am Burgtheater "Reigen" wiederaufgenommen.

Arthur Schnitzler –

Affairen und Affekte

Öst. Theatermuseum

Kuratoren: Evelyne Polt-Heinzl, Gisela Steinlechner

Bis 21. Jänner

Stimmungsvoll.

Donnerstag, 12. Oktober 2006


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