ERNST P. STROBL Wien (SN). Das Belvedere blüht auf, hat Agnes Husslein-Arco, die neue Direktorin, angekündigt, und pünktlich zum Frühlingsbeginn gestern, Mittwoch, war es auch so weit. Allerdings nützte es nichts, dass Frau Direktor sich in Grün hüllte, die Temperaturen sprachen eine andere Sprache. Wer also den Frühling erleben will, muss in die Orangerie im Unteren Belvedere gehen, im einst so genannten "Pomeranzenhaus" ist eine wahre Blütenpracht zu erleben.
"Gartenkunst. Der Garten in der Kunst" heißt die erste, bis 24. Juni zugängliche Ausstellung, die Agnes Husslein-Arco zu verantworten hat. Dafür wurde nicht nur das Untere Belvedere reaktiviert, auch im Atelier Augarten finden sich Kunstwerke zum wärmenden Thema, allerdings von zeitgenössischen Künstlern wie Thomas Struth oder Maurizio Nannucci.
Die Schau ist - rund 40 Prozent der 100 Arbeiten stammen aus dem Sammlungsbesitz der Österreichischen Galerie im Belvedere - brav chronologisch angelegt und nach Kapiteln geordnet, um die Entwicklung der Naturdarstellungen besser nachvollziehen zu können. Denn auch der Stellenwert änderte sich im Laufe der Jahrhunderte, den die Künstler dem Garten zumaßen.
Im Mittelalter etwa verkörperte der Garten eher das Paradies in theologischer Hinsicht wie die "Madonna im Blumenhag" (um 1475) aus dem Umkreis des Martin Schongauer. In der Renaissance erlebte die Gartenkunst ihre große Blüte. Hellbrunn bei Salzburg ist ein wunderbares Beispiel, da darf das Bild von Fra Arsenio Mascagni nicht fehlen, das den stolzen Erbauer von Hellbrunn, Fürsterzbischof Marcus Sittikus vor der Gesamtanlage zeigt. Überraschenderweise stammt das Gemälde nicht aus Salzburg, sondern aus dem Städtischen Museum Policka in Tschechien.
Im Barock wurde diese Gleichwertigkeit mit der Architektur weiter zur Machtdemonstration forciert, der barocke Garten des Schlosses Belvedere wurde nach dem Gesamtkonzept von Johann Lukas von Hildebrandt durch den französischen Spezialisten für Wasseranlagen, Dominique Girard, und Prinz Eugens Obergärtner Anton Zinner realisiert. Der Kammergarten im Unteren Belvedere wird sozusagen Teil der Ausstellung. Zu sehen ist auch die berühmte Ansicht Wiens vom Belvedere aus von Cabnaletto.
Kaiser Franz I. rudert - auf einem Gemälde von Johann Peter Krafft volksnah einen Bauer über den See, der den "Englischen Garten" seines Schlosses Laxenburg ziert. Biedermeiermaler wie Thomas Ender sehnen sich nach der beschaulichen Idylle und nach Italien, bei den Impressionisten werden aus den Gärten "Künstlergärten", Claude Monets "Garten in Giverny" ist ein schönes Beispiel. Zahlreiche prominente Namen der Moderne finden sich im weiteren Verlauf, Edvard Munch und Vincent van Gogh, natürlich Gustav Klimt und sein jüngerer Bruder Ernst, Max Liebermann oder Friedensreich Hundertwasser und Max Weiler.Information: www.belvedere.at







