Wien - Nach längeren Bemühungen ist es der Bank Austria-Creditanstalt nun geglückt, Günther Domenigs Zentralsparkasse in der Favoritenstraße zu verkaufen: Der Wiener Echo-Verlag übernimmt das architektonisch imposante Hauptwerk der "Grazer Schule". Das Verlagshaus bestätigte am Donnerstag zwar den Kauf der Immobilie, welche Pläne der neue Eigentümer mit dem Haus hat, wurde vorerst nicht bekanntgegeben.
Das Objekt steht seit Oktober 2005 unter Denkmalschutz. Neben der Fassade betrifft dies das erste und zweite Stockwerk, die unter anderem die Kassenhallen beherbergen. Das dritte bis fünfte Obergeschoß sowie Dachgeschoß und Keller seien künstlerisch nicht gestaltet und stünden deshalb auch nicht unter Schutz, so Landeskonservatorin Barbara Neubauer. Das Denkmalamt begleite und beobachte den Verkaufsprozess.
Biomorpher Funktionalismus
Die einstige Zentralsparkasse wölbt sich mit ihrer expressiven Fassade weit in die Fußgängerzone der Favoritenstraße. Von 1975 bis 1979 errichtet, gilt das Gebäude heute als "Schlüsselbau der österreichischen Architektur der Gegenwart", so Friedrich Achleitner in seinem Architekturführer. Obgleich der Stahlbetonbau mit selbsttragender Fassade aus Nirostaplatten einen "äußerst pulsierenden Formenduktus" pflegt und im Inneren wie im Äußeren biomorphe Formen nachempfindet, gestaltete Domenig ihn dennoch funktionalistisch. Jedes Bauelement wurde aus seiner Leistung heraus geformt. So ziehen sich Stahlträger wie Knochen und die Versorgungsrohre wie Blutbahnen durch die Kassenhallen und Beratungsbereiche der ehemaligen Zweigstelle der Zentralsparkasse, die später lange Jahre die Bank Austria beherbergte. Bis heute sticht der Bau aus seiner Umgebung heraus. Diese Wirkung geht laut Achleitner vornehmlich auf Domenigs Arbeitsweise zurück, keinerlei Beziehungen und Analogien zur Tradition und Geschichte der umgebenden Bebauung einzugehen, sondern sein individuelles Werk zu schaffen.
Die BA-CA hatte ihre einstige Filiale Mitte 2004 aufgelassen und seither vergeblich nach einem Käufer gesucht. "Uns kam es nie darauf an, das Objekt möglichst schnell zu verkaufen", unterstrich ein Sprecher der BA-CA. Man habe einen Nutzer gesucht, der das Gebäude in seiner Eigenheit akzeptiere, was gedauert habe. In den oberen Stockwerken findet sich nach wie vor der Favoritener Kulturverband, der dem Vernehmen nach im Gebäude bleiben soll. (APA)