Schömer-Haus Klosterneuburg zeigt junge Kunst aus Sammlung Essl
Göttergreise in klein
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Martin Eders "Voll Frucht und Fülle" aus 2007. Foto: VBK
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Die Sammlung Essl wächst durch ihre Ausstellungsaktivitäten und dabei
hat figurale Malerei wie in den Anfängen einen hohen Stellenwert. Die
junge und mittlere Generation und damit auch Ankäufe aus den letzten
Jahren werden nun in den offenen Galerien der ovalen Halle des
Schömer-Hauses über vier Ebenen unter dem Titel "Es lebe die Malerei!"
präsentiert. Die von Staatspreisträger Heinz Tesar 1987 errichtete
Firmenzentrale ist eine Art österreichisches Guggenheim-Museum, ein
abgewandeltes Zitat des berühmten Baus von Frank Lloyd Wright in New
York City.
Da sind nicht nur die jüngeren Vertreter der Leipziger Schule – wie
Peter Busch oder Christian Brandl – wiederzufinden, auch Daniel Richter
und Johanna Kandl haben an Wiener Akademien im letzten Jahrzehnt die
figurale Malerei geprägt. Zu Deutschen und Österreichern reihen sich
Werke aus Amsterdam, Berlin, der Schweiz und England, sowie der
slowenische Essl Award – Preisträger Michal Èernušák; also durchaus
einige Entdeckungen. Selbst der in Wien längst bekannte Martin Schnur
vermag mit einer auf Kupfer gemalten Serie "Windbruch" und seinem
verrätselten Tümpel "Libelle" zu überraschen.
Angestrebte Konfrontationen
Thematisch ist locker eine Konfrontation von Naturidyll und
Industrielandschaft, von Waldlichtung bis dunklem Horrorszenario, von
Realitäten bis zu mythischen Welten, ja sogar apokalyptischen Kriegs-
und Überschwemmungsszenarien angestrebt. Viele Künstler reagieren mit
ihrer Malerei auf neue Medien, malen nach Fotografie und Film,
kombinieren Reales mit Fantastischem. Der junge Moldawier Mark Verlan
setzt New York 2003 unter Wasser, nur die Freiheitsstatue und die
verlorenen Stahltürme des World-Trade-Centers ragen heraus. Anna Meyers
weiß gekleidete Rückenfigur wandert in die Tiefe einer Straße in der
arabischen Welt, die sich nur durch die Schriftzüge der Anzeigetafeln
unterscheidet: Globale Tristesse unter glühender Sonne.
Begegnungen mit Göttergreisen und heiligen Piraten passieren bei
Martin Eder und Henning Kles, die dem frühen Daniel Richter nahestehen.
Dessen Zyklus "Grenze" ist schon aus einer neuen, kargeren Phase. Kles’
Nachtstück "Munchs Nachbar" ist eines der eindrücklichen Gemälde der
Schau. Interessant auch der Umgang von Monica Ursina Jäger mit Malerei
und Relief aus Stahlstiften und dazwischen gespannten Tonbändern, oder
die Collagen von Clemens Wolf. Ironie als Aufheiterung des Dunklen
findet sich in Kandls gemalten Kombinationen zweier banaler Strandszenen
mit der Warnung eines Managermagazins 2005: "The collaps of capitalism
began soundlessly.. ." und der Fortsetzung "And then, silently,
capitalism went out of fashion". Da bleibt hier die Frage, wo das
Kapital geblieben ist – wunschgemäß in der Malerei.
Ausstellung
Es lebe die Malerei!
Agnes Essl, Günther Oberhollenzer (Kuratoren)
Schömer-Haus Klosterneuburg
Bis Frühjahr 2012
Printausgabe vom Mittwoch, 20. April 2011
Online seit: Dienstag, 19. April 2011 17:43:18