| Wien (APA) - Auf Hochtouren laufen derzeit die
Aufstellungsarbeiten im Leopold Museum, das als eine der
großen Attraktionen mit internationaler Strahlkraft im
MuseumsQuartier offiziell am 21. September eröffnet wird. "Er
muss hängen" lautet denn derzeit der Urteilsspruch für Sammler
Rudolf Leopold, zu dem er täglich bis weit über Mitternacht
"verurteilt" ist.
Auch der bereits auf September verschobene Eröffnungstermin
erweist sich dabei als sehr früh angesetzt, angesichts des
Umstands, dass der Museumsbau ungeachtet aller Zusicherungen
der Errichter nicht mit 1. Dezember 2000, sondern, wie Leopold
betont, erst mit 1. Juli übergeben wurde - "ein halbes Jahr zu
spät". Womit auch der Plan, schon zu Jahresbeginn provisorisch
Werkstätten für die Rahmung von Bildern im Haus einzurichten
(nachdem die Errichtungsgesellschaft die Arbeitsraumwünsche im
Altbau zusammengestrichen hatte), hinfällig geworden war.
"Dann wird es eben ohne Rahmen aufgehängt", reagiert Leopold
beim APA-Lokalaugenschein auf einen Hinweis seiner
Mitarbeiter, dass ein bestimmtes, für die Ausstellung
vorgesehenes und von ihm nachgefragtes Bild nicht rechtzeitig
gerahmt sein wird.
Rund 600 Gemälde, 400 Graphiken sowie 300 kunstgewerbliche
Gegenstände umfasst die Erstpräsentation im Leopold Museum aus
einer Sammlung von 5266 Objekten, die Rudolf Leopold 1994 in
die Leopold Museum Privatstiftung eingebracht hat - mit der
weltweit umfassendsten Schiele-Sammlung im Zentrum, mit Gustav
Klimt und Oskar Kokoschka. Die Sammlung umfasst aber auch die
größte Kollektion von Anton Faistauer, bedeutende Kollektionen
mit Hauptwerken von Anton Kolig, Richard Gerstl, Albin
Egger-Lienz oder Josef Dobrowski - Künstler, deren Rang
international noch immer unterschätzt wird. Was mit dem
Leopold Museum verändert werden könnte.
Auf 7,9 Milliarden Schilling ist die Sammlung geschätzt
worden. 2,2 Milliarden Schilling haben Republik Österreich und
die Nationalbank den Sammler für die Einbringung der Werke in
die Stiftung zugesagt, in Ratenzahlungen bis 2007.
Den knappen Eröffnungstermin wird man unter Einsatz aller
(Nerven)-Ressourcen halten können, das vorgegebene Budget
nicht. "Mit 34 Millionen Schilling Zuschuss wird sich ein
Museumsbetrieb nicht machen lassen", meint Leopold gegenüber
der APA, während er die Hänge-Arbeiten überwacht. "Es werden
uns 8,2 Millionen Schilling fehlen", hat der administrative
Leiter Christian Mayer errechnet. Wobei zu den gesetzlich
vorgesehenen Mitteln für das halbe Ausstellungsjahr 2001 schon
20 Millionen Schilling Einnahmen kalkuliert wurden, um auf ein
Budget von 54 Millionen Schilling zu kommen.
Dass eine Infora-Studie (als Basis der Berechnungen für
Zuschüsse des Bundes) allein sieben bis acht Millionen
Schilling Reingewinn aus dem Museumsshop ("niemand in
Österreich erreicht auch nur die Hälfte davon") errechnet hat,
nennt Mayer eine "gigantische" Vorgabe. Dass überhaupt nur 8,2
Millionen Schilling Minus fürs Eröffnungsjahr errechnet wurden
(es gab auch keine zusätzlichen Mittel für die
Eröffnungsanstrengungen), liegt daran, dass Mayer die "sehr
realistischen und nicht übertriebenen" Personalpläne und
-kosten von ca. 35 Millionen Schilling "auf die Hälfte
gedrückt" hat. Die 40 neuen Mitarbeiter (Aufsichts- und
Kassenpersonal, Betriebstechnik, Administration) werden erst
mit 1. September angestellt. |