Bludenz
(VN-ag) Seit den frühen 80er Jahren arbeitet
Brigitte Kowanz mit Licht. In ihren Installationen und spektakulären
Kunst-am-Bau-Projekten verbindet sie das Unvereinbare: die
fließende-immaterielle Qualität des Werkstoffes Licht und dessen
definierte Materialität. In der Bludenzer Galerie "allerArt"
präsentiert Brigitte Kowanz eine raumspezifische Installation.
Der Ausstellungsraum in der Remise kommt dem
künstlerischen Ansatz von Brigitte Kowanz zutiefst entgegen: mit
seinen geschlossenen Wänden und dem regulierbaren Licht der perfekte
White Cube einerseits, verfügt er andererseits über sehr schöne
Proportionen und keine Hallen-Ausmaße.
So hat sich die in Wien lebende Künstlerin entschlossen, nicht
ihre bekannten Text-Arbeiten zu zeigen, sondern mit einer eigens für
Bludenz entwickelten Installation den Raum zu thematisieren. Denn
Raum und Licht gehören für Brigitte Kowanz untrennbar zusammen.
Lichtreiz-Überflutung
"See it now", so der Titel der Installation, besteht aus
acht aneinander gereihten Licht-Elementen, die den Galerieraum auf
drei Seiten umlaufen, während die vierte, ausgesparte Seite
unausgesprochen zur Ruhezone erklärt wird. Rotationsspiegel, die
sich in verschiedenen Geschwindigkeiten um Lampen bewegen, verborgen
hinter opalen Acrylglas-Paneelen als Projektionsflächen, sorgen für
ein komplex-rhythmisiertes Blitzen von weißem Licht, eine
choreografierte Überflutung mit Lichtreizen. Nicht von ungefähr
erinnern die rotierenden Lichter an Blaulichter oder Warnlampen, und
nicht von ungefähr greift Brigitte Kowanz immer wieder in
unterschiedlicher Form auf solche codierten Zeichen zurück. "See it
now" definiert die Vergegenwärtigung, das sich jeden Moment neu und
anders konstituierende Raumbild als Lichtraum.
Als Aufforderung meint der Titel aber auch das aktive Zutun des
Betrachters, der sich aus Hell und Dunkel, aus Licht und Schatten
seinen eigenen Wahrnehmungsraum konstruieren muss.
Licht ist was man sieht
Bei Arbeiten in Museums- und Galerieräumen lebt die
Künstlerin die größeren Freiräume gegenüber Kunst-am-Bau-Aufträgen
aus, wo immer wieder Rücksichtnahme auf bereits vorhandene
Strukturen notwendig ist. Die Galerien sind ihre "Labors, in denen
Ideen entwickelt oder uberprüft werden", so Kowanz. Doch bei aller
Technizität und Einfachheit der Konstruktion, generiert "See it now"
im Jonglieren zwischen Immaterialität und Materie, zwischen
Wahrnehmung und Erkenntnis, zwischen Licht und Schatten auch eine
ungeahnt poetische Dimension. Neben dem beunruhigenden Moment der
aufblitzenden Lichter wartet die Arbeit mit einem stark mediativen
Moment auf, in das man sich getrost und gerne versenken kann.
Dazu zählen die ungemein spannend zu verfolgenden Effekte, die
sich bei dieser extravaganten Modellierung von Raumvolumen ergeben:
von den geheimnisvollen Lichtbrechungen und Reflexionen auf den
Projektionsflächen, über das Aufbrechen des Raumes, oder die
Schattenspiele an den Wänden, die vorbeiziehenden Figuren ähneln -
alles in dieser Installation zielt auf das Schaffen größerer
Zusammenhänge ab. "Licht ist was man sieht", hat Brigitte Kowanz
einmal gesagt.
Doch lebt gerade diese Arbeit wesentlich von den Zwischenräumen,
und es zeigt sich einmal mehr, dass Licht zwar Information ist, dass
man aber erst durch die Schatten das Licht sehen lernt.
Lichtinstallation von Brigitte Kowanz in der Remise.
(Foto: A. Grabher)