VN Sa, 22.9.2001

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Wenn Licht Raum schafft

Lichtinstallation "See it now" von Brigitte Kowanz in der Remise Bludenz

Bludenz (VN-ag) Seit den frühen 80er Jahren arbeitet Brigitte Kowanz mit Licht. In ihren Installationen und spektakulären Kunst-am-Bau-Projekten verbindet sie das Unvereinbare: die fließende-immaterielle Qualität des Werkstoffes Licht und dessen definierte Materialität. In der Bludenzer Galerie "allerArt" präsentiert Brigitte Kowanz eine raumspezifische Installation.

Der Ausstellungsraum in der Remise kommt dem künstlerischen Ansatz von Brigitte Kowanz zutiefst entgegen: mit seinen geschlossenen Wänden und dem regulierbaren Licht der perfekte White Cube einerseits, verfügt er andererseits über sehr schöne Proportionen und keine Hallen-Ausmaße.

So hat sich die in Wien lebende Künstlerin entschlossen, nicht ihre bekannten Text-Arbeiten zu zeigen, sondern mit einer eigens für Bludenz entwickelten Installation den Raum zu thematisieren. Denn Raum und Licht gehören für Brigitte Kowanz untrennbar zusammen.

Lichtreiz-Überflutung

"See it now", so der Titel der Installation, besteht aus acht aneinander gereihten Licht-Elementen, die den Galerieraum auf drei Seiten umlaufen, während die vierte, ausgesparte Seite unausgesprochen zur Ruhezone erklärt wird. Rotationsspiegel, die sich in verschiedenen Geschwindigkeiten um Lampen bewegen, verborgen hinter opalen Acrylglas-Paneelen als Projektionsflächen, sorgen für ein komplex-rhythmisiertes Blitzen von weißem Licht, eine choreografierte Überflutung mit Lichtreizen. Nicht von ungefähr erinnern die rotierenden Lichter an Blaulichter oder Warnlampen, und nicht von ungefähr greift Brigitte Kowanz immer wieder in unterschiedlicher Form auf solche codierten Zeichen zurück. "See it now" definiert die Vergegenwärtigung, das sich jeden Moment neu und anders konstituierende Raumbild als Lichtraum.

Als Aufforderung meint der Titel aber auch das aktive Zutun des Betrachters, der sich aus Hell und Dunkel, aus Licht und Schatten seinen eigenen Wahrnehmungsraum konstruieren muss.

Licht ist was man sieht

Bei Arbeiten in Museums- und Galerieräumen lebt die Künstlerin die größeren Freiräume gegenüber Kunst-am-Bau-Aufträgen aus, wo immer wieder Rücksichtnahme auf bereits vorhandene Strukturen notwendig ist. Die Galerien sind ihre "Labors, in denen Ideen entwickelt oder uberprüft werden", so Kowanz. Doch bei aller Technizität und Einfachheit der Konstruktion, generiert "See it now" im Jonglieren zwischen Immaterialität und Materie, zwischen Wahrnehmung und Erkenntnis, zwischen Licht und Schatten auch eine ungeahnt poetische Dimension. Neben dem beunruhigenden Moment der aufblitzenden Lichter wartet die Arbeit mit einem stark mediativen Moment auf, in das man sich getrost und gerne versenken kann.

Dazu zählen die ungemein spannend zu verfolgenden Effekte, die sich bei dieser extravaganten Modellierung von Raumvolumen ergeben: von den geheimnisvollen Lichtbrechungen und Reflexionen auf den Projektionsflächen, über das Aufbrechen des Raumes, oder die Schattenspiele an den Wänden, die vorbeiziehenden Figuren ähneln - alles in dieser Installation zielt auf das Schaffen größerer Zusammenhänge ab. "Licht ist was man sieht", hat Brigitte Kowanz einmal gesagt.

Doch lebt gerade diese Arbeit wesentlich von den Zwischenräumen, und es zeigt sich einmal mehr, dass Licht zwar Information ist, dass man aber erst durch die Schatten das Licht sehen lernt.

Lichtinstallation von Brigitte Kowanz in der Remise. (Foto: A. Grabher)




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