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Forschungsprojekt vektor - European Art Archives zur digitalen Erfassung und Vermittlung von Materialien zeitgenössischer Kunst

Kompletter deutscher Pressetext, zur Verfügung gestellt von Vektor. European Contemporary Art Archives, Wien
http://www.vektor.at/

Düsseldorf, 03.05.2002, 08:49, von redaktion nrw, homepage, , Rubrik: Alle

Ziele und Inhalte von vektor

In diesem Forschungsprojekt geht es um wissenschaftliche Grundlagen der digitalen Erfassung und Vermittlung von Materialien zeitgenössischer Kunst innerhalb verschieden strukturierter Institutionen. Inhaltlich steht dabei unter anderem die Erarbeitung einer international gültigen Standardisierung für (Online-) Eingaben von Daten zur Kunst im Mittelpunkt.

Für die Dauer des Projekts wird mit Unterstützung der AIT - Angewandte Informationstechnik Forschungsgesellschaft mbH mit Sitz in Graz eine auf der Computersprache XML basierende Forschungsplattform installiert. Diese wird, als Fallbeispiel, Archivalen aus unterschiedlichen Kontexten miteinander vernetzen. Die beteiligten Partnerinstitutionen steuern exemplarische Daten bei und evaluieren den internationalen Metadatenstandard Dublin Core hinsichtlich seiner Anwendbarkeit auf Daten zeitgenössischer Kunst. Bereits bestehende Thesauri aus dem Museumskontext und Normierungsvorschläge für Bibliotheken und Archive, wie etwa die Union List of Artist Names und den Art and Architectural Thesaurus (Getty Museum, Los Angeles), werden in die Forschung ebenfalls miteinbezogen.
Über das World Wide Web wird diese Plattform zu einem Teil (bereits kommentiert) auch öffentlich zugänglich sein.

Ein der Forschungsplattform angeschlossenes Internes Forum bietet bereits die Möglichkeit zum direkten fachspezifischen Informationsaustausch, ein öffentlich zugängliches Diskussionsforum steht allen interessierten Usern als begleitendes Forschungsinstrumentarium offen.
Die Ergebnisse werden zum Ende des Projekts in eine Handbuch (auch Printversion) einfließen.

Ziel des von der Europäischen Union auf 3 Jahre mit insgesamt 820.000 EURO unterstützten Forschungsprojekts ist einerseits Forschung im Hinblick auf die Entwicklung von systematischen und technologischen Leitsystemen und andererseits die Vermittlung der erarbeiteten Ergebnisse via Publikationen, Symposien, Ausstellungen und einer Plattform im Internet.

Weitere Themen und Arbeitsbereiche betreffen Aspekte des Urheber- und Nutzungsrechts in Europa (z. B. das Fehlen von europaweiten Regelungen), die Involvierung von Projekten zeitgenössischer KünstlerInnen im Kontext des Archivs und der digitalen Datenerfassung, sowie Konzepte im Bereich des e-commerce.

Konkrete Projekte:

Neben diesem wissenschaftlichen Bereich werden die erarbeiteten Ergebnisse in Ausstellungen, Multimediaangeboten, Publikationen und Websites dem Publikum vermittelt. Evaluierungen unter den Partnern als auch der Rezipienten sollen die Effekte dieser neu strukturierten Vermittlungsarbeit messen. Exemplarischer Bereich der Forschung und Fokus der Ausstellungen ist die Kunstproduktion und -rezeption der späten 1960er und 1970er Jahre.

Die ersten beiden öffentlichen Projekte waren im November 2001 die Ausstellung "Wiedervorlage d5", der 1972 von Harald Szeemann kuratierten Ausstellung des documenta Archives im Fredericianum in Kassel, die unter der Leitung von Karin Stengel von Martin Köttering und Roland Nachtigäller kuratiert wurde. Im Dezember 2001 fand das Symposium "The Artist and the Archives" des Archives de la Critique d’Art, in Rennes statt. Eine Publikation der Vorträge von internatinalen Fachleuten ist in Vorbereitung.

Am 28. Mai 2002 eröffnet die Kunsthalle wien project space in Kooperation mit dem documenta archiv Kassel die adaptierte Übernahme der Ausstellung Wiedervorlage d5 unter dem Titel "Skandal und Mythos. Eine Befragung des Archivs zur documenta 5 (1972)" (Kuratorin in Wien: Gabriele Mackert). Die basis wien wird einen Teil dieser Ausstellung, nämlich die audiovisuelle Dokumentation von Karl Oskar Blase (1972) und Christoph Blase präsentieren sowie einen vom Team erarbeiteten "Research Backbone" mit weiterführenden umfangreichen Informationen. Über die basisarchiv:kunst Datenbank können online-Recherchen durchgeführt werden.
Im Juni 2002 wird die John Hansard Gallery in Southampton Künstlerbeiträge zum Thema Archiv präsentieren.
Das Museion in Bozen plant eine große Ausstellung und die Aufarbeitung ihrer neuen Sammlung zum Thema "Art word" im Herbst 2002.

Längerfristig ist die Vernetzung dezentraler Archivinhalte über eine zentrale Internet-Schnittstelle geplant. In Kooperation mit dem Kunst-Bulletin / Schweizerischen Kunstverein, Zürich ist zur Zeit eine exemplarische Vernetzung von Archivdatensätzen mittels einer Künstlersuche im Entstehen. ELAN (European List of Artist Names) existiert bereits als Prototyp und wird zunächst die Künstlerdaten von http://www.kunstbulletin.ch/ und http://www.basis-wien.at/ miteinander vernetzten, weitere Partner werden sich nach einer Testphase an ELAN beteiligen können.


Projektkonsortium

Archives de la Critique d’Art, Rennes
wurde 1989 als Forschungszentrum für Kunstkritik, Kunsttheorie und zeitgenössische Kunstgeschichts-schreibung gegründet. Die Dokumente der jeweiligen Autoren sind in chronologischer Folge ihres Entstehens systematisiert und die Biographien und Bibliograhien in einer Datenbank erfasst. Eine Spezialbibliothek mit allgemeiner Literatur zu Kunstkritik und Theorie ergänzt die Materialien des Kritikerarchives. In Symposien, der Publikation "Critique d’art" wie auf der Homepage des Archives werden aktuelle Publikationen angekündigt und diskutiert. www.uhb.fr/alc/aca/rica/critica.html

documenta Archiv, Kassel
Das documenta Archiv wurde 1961 von Arnold Bode gegründet. Der Tätigkeitbereich des Archives liegt in Dokumentation und wissenschaftlicher Bearbeitung internationaler Gegenwartskunst mit besonderem Fokus auf die documenta Ausstellungen. Es beinhaltet mittlerweile Material zu mehr als 50.000 KünstlerInnen. Das Institut verfügt über eine der bedeutendsten Bibliotheken zur Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts in Deutschland und ist Herausgeber von Publikationen.
www.uni-kassel.de/bib/documenta/docum1d.htm

John Hansard Gallery der Unversity of Southampton
Gegründet 1980 am Gelände der Southampton University gilt die John Hansard Gallery als Zentrum für zeitgenössische Kunst in Südengland. Die Galerie zeichnet sich insbesondere über interdisziplinär orientierte Projekte aus, die über den Bereich der unmittelbaren Kunsttheorie hinausreichen. Eine stärkere Fokusierung der Tätigkeit als Research-Center ist geplant. www.soton.ac.uk/~infoserv/hansard/hansard.html

Museion - Museum für Moderne Kunst, Bozen
Das Museum für Moderne Kunst Museion, Sammlung und Ausstellungshaus für moderne und zeitgenössische Kunst in Bozen besteht seit 1987. Geographisch im Grenzbereich zweier Länder liegend, wird in verschiedenen Projekten die Beziehung von Kunst aus dem italienischen und deutschen Sprachraum thematisiert. Die Sammlung umfaßt rund 1.700 Werke internationaler wie regionaler Kunst. Die Fachbibliothek beinhaltet insgesamt 8.000 Titel und unterstützt die Vermittlungs- und Forschungsarbeit vor Ort. In der Sammlung wie in der Bibliothek hat sich das Museion auf den Sektor "Kunst und Sprache" konzentriert.
http://www.museion.it/

Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels, Bonn
Das ZADIK arbeitet seit 1993 an der Dokumentation und Archivierung von Materialien des deutschen und internationalen Kunsthandel nach 1945. Den Kern des Bestands bilden Archive und Nachlässe von Galerien, Kunstkritikern, Sammlern und Fotografen. Man bietet hier systematische Quellenüberlieferung zur Geschichte des Kunsthandels unter Berücksichtigung der aktuellsten Entwicklungen und Orientierungen im Kunsthandel. Erste Bearbeitungen sind über eine Datenbank bereits verfügbar. Neben der Produktion von Video-Interviews mit Galeristen und der Organisation themenspezifischer Ausstellungen ist das Zentralarchiv Herausgeber des halbjährlich erscheinenden Bulletins "sediment".
http://www.kah-bonn.de/
(->Bibliothek->Archiv)

Projektkoordination

basis wien. Kunst, Information und Archiv, Wien
Die basis wien wurde 1997 gegründet und dokumentiert Informationen über zeitgenössische Kunst, über Projekte von KünstlerInnen und Künstlern, über Ausstellungen in Museen, Kunsthallen und an temporären Orten der Kunstpräsentation und -diskussion. Das Fundament all dieser Aktivitäten bildet ein umfangreiches personenbezogenes Archiv, ein Video-Archiv und eine Katalogsammlung. Das Archiv ist online zugänglich.
http://www.basis-wien.at/


Assoziierte Partner

Archive for Small Press & Communication, Bremen
Dieses Archiv ist seit mehreren Jahren Teil der Sammlung des Neuen Museum Weserburg in Bremen. Gemeinsam mit der Universität Bremen ist ein Studienzentrum für Künstlerpublikationen im Aufbau. Das ASPC wird als Leiterin einer internationalen Arbeitsgruppe zum Thema Künstlerbücher an vektor teilnehmen. www.nmwb.de/fr_slg.htm

Archiv der Akademie vytvarnych umení v Pra, Prag
Unter der Leitung des Kulturwissenschaftlers Jiri Sevcik entstand eine zwischen Archiv und Studienzentrum angesiedelte Forschungseinrichtung innerhalb der Akademie, die in den letzten Jahren ihr umfangreiches Material wissenschaftlich aufbereitet und seit kurzem auch (teilweise) online zugänglich gemacht hat.
www.avu.cz/en/
Contemporary Art Center, Skopje
Das Contemporary Art Center ist eine vernetzt und interdisziplinär arbeitende Kulturinstitution mit eigenen Ausstellungsräumen. Das CAC organisiert Ausstellungen, Festivals, Multimediaprojekte und Konferenzen und war wesentlich am Aufbau des "Balkan Art Network" beteiligt. http://www.scca.org.mk/

Generali Foundation, Wien
Entstanden aus dem hauseigenen Kunstverein der Generali Gruppe wurden in den letzten 10 Jahren die Aktivitäten und Räumlichkeiten der Generali Foundation wesentlich ausgedehnt. Der Schwerpunkt liegt auf einem erweiterten Skulpturenbegriff, wobei österreichische Positionen in Beziehung zu internationalen Beispielen gestellt werden. www.gfound.or.at/

Goldsmith College, Library, London
Das Goldsmith College ist seit März 2002 als assoziierter Partner vor allem im Bereich Dokumentation von Events tätig. Neben einem renommierten kuratorischen Ausbildungsprogramm bietet das Goldsmith College eine umfangreiche Dokumentationsstelle zur zeitgenössischen Kunst.
http://www.goldsmiths.ac.uk/

Institut für Moderne Kunst e.V., Nürnberg
Das Institut wurde 1967 mit dem Ziel gegründet, ein Archiv für zeitgenössische Kunst nach 1945 aufzubauen. Es beherbergt rund 4.000 Informationsdossiers zu Vertretern der deutschen und internationalen Kunstszene, eine Sachbibliothek sowie Länderdossiers.
www.moderne-kunst.org/

Kunst-Bulletin, Zürich
Das Kunst-Bulletin wird vom Schweizerischen Kunstverein 10 mal pro Jahr herausgegeben und gilt als eine der wichtigsten Kunstzeitschriften im europäischen Raum. http://www.kunstbulletin.ch/

Moderna Galerija, Ljubljana
Die Moderna Gallerija ist das slowenische Nationalmuseum für moderne und zeitgenössische Kunst. Der Schwerpunkt liegt auf der Präsentation und der Sammlung slowenischer Kunst im 20. Jahrhundert, ergänzend werden Ausstellungen internationaler Gegenwartskunst gezeigt.
www.mg-lj.si/

Ludwig Múzeum, Budapest
An seinem jetzigen Ort wurde das Museum 1991 eröffnet. Die Sammlung, hauptsächlich zeitgenössische Kunst und Werke des 20. Jahrhunderts, basiert auf einer Stiftung durch Peter und Irene Ludwig. Das internationale Ausstellungshaus besitzt ein Archiv zur Kunst des 20. Jahrhunderts. www.c3.hu/~ludwig/

Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz
Die Neue Galerie informiert in Ausstellungen und Begleitveranstaltungen über die gegenwärtige Kunstproduktion auf österreichischer und internationaler Ebene und besitzt zudem eine umfangreiche Sammlung sowie ein Archiv zur Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. http://www.neuegalerie.at/

AIT - Angewandte Informationstechnik Forschungsgesellschaft mbH, Graz
Unser Partner im Bereich der Technologie mit Sitz in Graz arbeitet seit 20 Jahren auf dem Gebiet des Information Engineering. Die AIT ist federführend in internationalen Forschungsprojekten mit Schwerpunkt Archivierung von kulturellem Erbe wie REGNET und COVAX tätig. http://www.ait.co.at/

Neu seit März 2002: Goldsmith College Library, London uns das im Aufbau befindliche spanische Künstlerarchiv in Kooperation mit dem museu di Vilafames.

Zur Einführung in die Projektkonzeption

Seit dem Siegeszug des Internet für alle Informations- und Distributionskanäle sind auch die Kunstinstitutionen inzwischen unumgänglich mit der Notwendigkeit der Einbeziehung von "Neuen Medien" konfrontiert. Informations- und Vermittlungsarbeit, theoretische und wissenschaftliche Projekte bis hin zur Frage der Bewahrung von Kunstwerken und den sie begleitenden Sekundärmaterialien: die Frage nach Quantität und Qualität von Digitalisierungsvorhaben und computergestützter Vermittlungsarbeit bis hin zur Berücksichtigung der Möglichkeiten von e-commerce haben auch die Museen und Ausstellungshäuser, ihre Bibliotheken und Archive erreicht.

Dabei ist der konzeptuelle und technologische Stand der Kunstinstitutionen - schaut man sich vergleichend in Europa um - so unterschiedlich, wie es wohl ausgeprägter kaum sein könnte. Zwischen virtuell totaler Vernetzung bis hin zu mühsamen Anfängen der Digitalisierung historisch bedeutsamer Bestände findet sich derzeit jede Graduierung des Entwicklungsstadiums.

Historische und große staatliche Museen sind vor allem mit technologischen und organisatorischen Fragen der Digitalisierung von Kunstwerken befasst und haben auf dem Gebiet, gemeinsam mit Software-Entwicklern in den vergangenen Jahren bedeutsame Schritte unternommen. Bibliotheken sind in vielen Fällen mit ihren Beständen bereits seit Jahren online abfragbar. Jedoch die Institutionen der modernen und zeitgenössischen Kunst sind bezüglich Geschichte, Struktur, Inhalten und Vermittlungsarbeit so verschieden, dass umfassende strukturelle Veränderungen bislang kaum in gemeinsam entworfene Konzepte mündeten. Zudem sind die meisten dieser Institutionen personell, räumlich und finanziell so knapp ausgestattet, dass Konzepte zum Einstieg in die virtuelle Welt für einzelne Häuser von vorn herein unrealistisch scheinen müssen.

Doch für diese unzähligen kleinen und mittelgroßen Institutionen, die größtenteils städtische oder regionale Einrichtungen sind oder auch in der Form eines Vereines existieren, wäre Unterstützung in diesem Bereich besonders wichtig. Häufig verlegen sich diese Institutionen auf eine aufwendige Erstellung von Websites und umfassenden Homepages zu Ausstellungen und Projekten, mit deren Aufbau jedoch selten Konzepte zu deren Weiterentwicklung, Archivierung und notwendigen technologischen Anpassungen (die im Netz besonders schnell fällig werden) verbunden sind. Auch die immer öfter zu beobachtenden Zusammenschlüsse in Linklisten und Info-Websites führt selten über die enthusiastische Gründungsphase hinaus, da keine inhaltlich langfristig zweckmäßige Aufarbeitung des künstlerischen/musealen Materials zugrunde liegt.

Doch in diesen Ausstellungsinstitutionen oder wissenschaftlichen Instituten wird heute das kulturelle Erbe von morgen produziert.

Die inhaltliche Aufarbeitung stellt sich als komplexe Aufgabe dar, da besonders die Dokumentation von aktueller Kunst sich, unter Einbeziehung der diskursiven und theoretischen Produktion, nicht in der summarischen Auflistung von Material erschöpfen kann. Die Berücksichtigung unterschiedlichster Materialien, wie sie z.B. im documenta Archiv zu finden sind, wird zur zentralen Fragestellung. Vermittlungskonzepte für ein Publikum wie auch Software-Entwicklungen müssen in engem Konnex zur Kunstproduktion und zur theoretisch-wissenschaftlichen Arbeit entwickelt werden.

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