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Wiener Secession: Junge Szene 03 präsentiert unter anderem Andrea Geyer und Brian Jungen

Die Rückkehr des Trojanischen Pferdes

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

300 Jahre Wiener Zeitung!Die Ausstellung der "Jungen Szene 03" im Hauptraum der Secession wird von Daniel Baumann kuratiert - in Referenz an den historischen Ort trägt sie den Titel "Kontext, Form, Troja" und integriert rund 90 Arbeiten, die extra für diese Schau von 22 KünstlerInnen auch im Außenraum und Foyer eingebracht wurden. Die neue Sicht auf die Kunstgeschichte seitens der Jungen wird dabei in Diashows an fünf Tagen (mit 4-fach Projektion) von Pierre Leguillon bis 16. November erstellt.
KünstlerInnen aus Deutschland, Schweiz, Österreich und den USA wurden im Hauptraum vernetzt, ohne Versuch etwas Trendiges oder Heroisches zu befolgen. Individuell wie die Positionen ist auch die offene Präsentation, bei der Beiträge zusammenwachsen und ein interaktiver Kontext gewollt ist. Die Referenz auf das Trojanische Pferd, das etwas Künstliches, Täuschendes mit realem Innenleben darstellt, bezieht sich auch auf Doppelbödigkeit der Wiederholungstäterschaft von Michael Riedel und Dennis Loesch,
die den Ausstellungsraum Oskar-von-Miller-Straße 16 aus Frankfurt nachgebaut haben und auch mit Wiederholungen bespielen. Theater, Film, DJ-Sessions sind während der ganzen Zeit integriert. Jedoch nicht auf der handwerklich ausgetüftelt gestalteten Bühne von Mai-Thu Perret, denn die bleibt reines Kunstmöbel.
Vor dem Haus sind die Fahnen der Secssion durch selbstgenähte von Kalin Lindene ersetzt, dahinter hat Roland Kollonitz, in Anspielung auf die Gründung der Secession vor mehr als 100 Jahren, eine Kletterstange installiert: wer sportlich ist, kann (auch als KünstlerIn) über das Gebäude hinwegsehen. X-förmige Skulpturen platziert Wade Guyton innen und an der Fassade; auf Fotos zeigt er sozusagen wie im Modell die durchstreichende, verneinende Wirkung: auch die Formensprache der klassischen Moderne wird als harte Ideologie und Aggression entlarvt. Dazu passen auch die kopierten Logos und Dokumente von Robert Kusmirowski oder die Malerei von Isabella Schmidlehner, die wieder auf die Kunstgeschichte und den Kitsch verweisen. Surreale Sphären und teilweise sprachbetonte Analysen finden sich auch in weiteren Arbeiten; der Katalog ist eine Kunstzeitschrift des Teams Egger, Gorkiewicz, Mayer, Weismann und Wolff, die bereits drei Hefte einer neuen Kunstzeitschrift herausgeben haben.
Andrea Geyers breit angelegte Diashow in einer klassenzimmerartigen Installation "Parallax" ergänzt in Grafischen Kabinett mit einer 50-minütigen Analyse des Stadtraums New York, der von ihr aufgenommen wurde, samt einer Protagonistin, die wie eine Erzählerin ins Bild kommt. Dazu sind Sätze aus verschiedenen prominenten Zeitungen gestellt, um auf die Manipulation und Pseudorealität zu verweisen. Die 1971 in Freiburg geborenen Künstlerin, die in New York lebt und arbeitet, ist bereits mit ihrem Beitrag zur Manifesta 4 aufgefallen.
Brian Jungen (geb. 1970/Kanada) hat aus Nike-Schuhen und den unverrottbaren Allerwelts-Plastikstühlen ethnologisch-archäologische Objekte erzeugt: zum einen Fetische, maskenhaft, zum anderen ein Skelett eines Fischs. Als Angehöriger der kanadisch-indianischen Ureinwohner ist diese Sprachweise in seinem Fall natürlich "political correct"; die ironische Mischung von "indianisch" und "westlich" hat aber auch die notwendige Schärfe, um gegen die Nostalgie alles Völkerkundlichen in Kunst und Wissenschaft heute zu protestieren: Auch ein zurückgekehrtes Trojanisches Pferd.

Erschienen am: 04.11.2003

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