Salzburger Nachrichten am 23. Dezember 2005 - Bereich: Kultur
Für Zaha Hadids Bau droht Stopp

In Rom wird ein Museum für moderne Kunst gebaut. Doch nun könnte der Bau nach dem ersten Viertel eingestellt werden, weil Italiens Kulturbudget reduziert wird.

Rom (SN, APA). Finanzierungsprobleme gefährden das neue Zentrum für zeitgenössische Kunst in Rom, das die aus dem Irak stammende und in Wien lehrende Architektin Zaha Hadid geplant hat. Knapp ein Viertel des Museums, dessen Bau im März 2003 begonnen wurde, ist fertig gestellt. Doch nun droht ein Baustopp infolge der von der Regierung Berlusconi beschlossenen Minderung des Kulturbudgets. Dies berichtete die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" am Donnerstag.

Bisher wurden 20 Millionen Euro für das Museum ausgegeben, erforderlich sind mindestens weitere 60 Millionen Euro. Sollte das Geld aufgetrieben werden, würde das Kulturzentrum Ende 2007, zwei Jahre nach dem vereinbarten Termin eröffnet werden, schreibt "Corriere della Sera". Zaha Hadid, die in dieser Woche mit dem italienischen Kulturminister Rocco Buttiglione die Baustelle besucht hat, protestierte wegen der finanziellen Schwierigkeiten.

Sie wies darauf hin, dass in Wolfsburg bereits vor sechs Monaten das ebenfalls von ihr geplante "Phaeno Science Center" eingeweiht worden sei. Dieses Kunstzentrum sei in den Grundlinien dem Kulturzentrum in Rom ähnlich. Die Bauarbeiten in Wolfsburg hatten gleichzeitig mit jenen im Zentrum Roms im Frühjahr 2003 begonnen.

Buttiglione betonte, er könne gegen die Geldprobleme nichts unternehmen. Die Regierung Berlusconi wird noch bis Ende dieser Woche einen Sparplan mit Kürzungen von 30 Milliarden Euro über die Bühne bringen, um das ausufernde Defizit einzudämmen.

Wegen der drohenden Einschnitte im Kulturbereich war es in Italien in den vorigen Monaten zu heftigen Protesten gekommen. Der Kulturminister hatte sogar mit dem Rücktritt gedroht und hat eine Reduzierung der Kürzungen in seinem Ressort erreicht. Hadids neues Museum soll zu einer Belebung des kulturellen Angebots in Rom beitragen.

Das Ausstellungsgelände für die Kunst des 21. Jahrhunderts, auch MAX-XI genannt, wird an Stelle einer ehemaligen Kaserne im nördlichen Teil von Rom errichtet. 80 Personen arbeiten am Projekt. Die gesamte Zone rund um das vom Architekten Renzo Piano errichtete Musikauditorium soll in den nächsten Jahren in einen Kultur- und Freizeitpark verwandelt werden.

"Der MAX-XI soll in den Besuchern die Freude am Museumsbesuch wecken. Wir wollen zugleich auch auf Schönheit und Komfort setzen", betonte die Architektin. Sie wolle der Stadt Rom kein einfaches Museum, sondern auch ein Gelände bieten, auf dem Künstler und Architekten ihre Kreativität auf einer 26.000 Quadratmeter großen Fläche zur Schau stellen könnten. "Ein raffiniertes Spiel aus Stahlbeton, Glas und Metall." Internationale Gegenwartskunst habe bisher kein Haus in der italienischen Hauptstadt, erläutert Zaha Hadid.

Der Auftrag für den Museumsbau war erstmals in Zusammenarbeit von zwei Ministerien - Bau und Kultur - vergeben worden.