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vom 04.09.2006 - Seite 021
LANDPARTIE: Festival zu Gast im Stift

Über Gott und die Welt

Auf der Suche nach "Simplicity" ist die Ars Electronica am Samstag zu einer Landpartie nach St. Florian aufgebrochen: Medienkünstler und Computer-freaks, Gesellschaftstheoretiker und Blog-Reporter lauschten in den Prunkräumen des Chorherrenstifts Vorträgen u. a. von Oliviero Toscani, John Maeda oder dem Blogger Jason Kottke, in der Kirche Bach'schem Orgelgewitter oder, in der Krypta, schlicht der Stille.

Bewaffnet mit den schützenden Geräten der digitalen Welt - MP3-Player gegen zu viel Stille, Digitalkamera gegen Erinnerungslücken - wanderte so mancher gemächlich durch das Stift, bewunderte das ruhige Treiben der Zen-Bogenschützen, lauschte den Klanginstallationen im Stiftshof oder plauderte im Novizengarten mit dem Augustiner Chorherrn über Gott und die Welt.

Die Suche nach Einfachheit war jedoch nicht nur auf Entspannung aus: Der mit seinen Arbeiten als Benetton-Werbechef bekannt gewordene Fotograf Toscani übte bei seinem Vortrag Kritik an den Medien, denn Fernsehen mache autoritätshörig, passiv und unterdrücke Kreativität. Dabei stand er vor einem Set-up, das "alles zeigt, woran wir glauben": ein Flachbildfernseher vor einem Kreuz, und darauf lagen - als Sinnbild für Natur - vier Äpfel.

Bei der Landpartie kontrastierten Klangimprovisationen u. a. von Rupert Huber in der Stiftskirche mit gregorianischen Chorälen im Keller, Turntable-Musik von Philip Jeck und Christian Fennesz mit den Orgelsounds des Stiftsorganisten Robert Kovacs.

Simplifizierung in Medien und Politik wurden u. a. von Thomas Macho und Peter Wippermann ebenso diskutiert wie die Grundlagen benutzerorientierter Technologien. Und Michael Nyman spielte ein "Glockenkonzert". (ley)

Stift St. Florian Foto: rubra


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