Galerie Meyer Kainer, bis 2. 8.
www.meyerkainer.com

In seiner aktuellen Ausstellung bildet mit der Art Cologne 2008 ein weiteres großes Kunstevent den Hintergrund für eine halbherzige Abrechnung mit Kunstmarkt und Unterhaltungsindustrie.
Im Vergleich zur witzigen Anspielung auf die relative Unvorhersehbarkeit künstlerischen Erfolgs in "Telemistica" ist "Kunstmarkt TV" trocken angelegt: Zwei Teleshopping-Verkäufer bieten ebenso gut gelaunt wie sprachtrainiert und nervtötend Werke von Franz West, Heimo Zobernig, Liam Gillick oder auch von Jankowski selbst feil. Im Laufe der Präsentation wirken die teuren Kunstwerke zunehmend billiger, wofür neben den Werbefloskeln auch die für das Medium Fernsehen typischen Kunstaufnahmen verantwortlich sind. Jankowski liefert den Betrachtern keine differenzierte Kritik, sondern zelebriert einen medialen Kunstausverkauf, der hauptsächlich darüber nachdenken lässt, mit welchem Schmäh er Künstler wie Franz West oder Heimo Zobernig zum Mitmachen überredet hat.
Kunstwerke sind auch Waren, das wissen wir schon; aber Menschen sind keine Puppen und deswegen ist das Video "Puppet Conference" auch ungleich sympathischer. Anstelle von Menschen werden dort wirklich nur verschiedenste TV-Puppenstars wie Lamb Chop vorgeführt.
Parallel dazu läuft im Boltenstern-Raum eine Ausstellung von Katharina Heistinger, die darstellende und bildende Kunst in Beziehung setzt: Basierend auf dem Roman "Das Leben. Gebrauchsanweisung" von Georges Perec hat sie ein theatral anmutendes, vielschichtiges Materialsetting zusammengebaut, das zwar im neoformalistischen Trend liegt, aber Jankowskis "Kunstmarkt TV" nicht nur ästhetisch, sondern auch inhaltlich weit überbietet. (cb, DER STANDARD/Printausgabe, 31.07.2008)