
Venedig - "Es ist immer ein guter Moment, geboren zu werden", bekommt die kleine Pepperminta von ihrer Großmutter zugeflüstert. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, wäre diese nicht auf einen Augapfel in einer Dose reduziert. 40 Jahre nach Woodstock und passend zum Flower-Power-Jubiläum entsandte die Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist ihre Blumenkinder in dem von der Wiener Produktionsfirma coop99 koproduzierten Film "Pepperminta" in die Reihe "Orizzonti" der 66. Filmfestspiele von Venedig.
Kleiner Moment ohne Angst
Mit der Mission beauftragt, mehr Farbe in die Welt zu bringen, eckt die bunte Rothaarige als Mädchen und später dann auch als Frau immer wieder an. In knalliger Uniform wirbelt sie durch die Stadt, immer auf der Suche nach farbenfrohen MitstreiterInnen. Ihre Augapfel-Oma gibt den Weg vor: "Es braucht nur einen kleinen Moment ohne Angst und Menschen, die mitmachen". Doch die sind schwerer zu finden, als man glaubt. In Werwen hat Pepperminta, die selbst auch als "Taugenichtsnutz" beschimpft wird, endlich einen solchen Menschen gefunden. Gemeinsam wirbeln sie durch die Welt, farbig und nackig. Später finden sie auch in Edna (Sabina Timoteo) noch eine Spaßkollegin.
Heilung durch Menstruationsblut
Der erste abendfüllende Spielfilm der feministischen Performance-Künstlerin Pippilotti Rist ist sehr an die herkömmliche Machart der Videokünstlerin angelehnt. Mit einer freien Kamera, die etwa durch Tulpenfelder und Tunnels fliegt und auf Brustwarzen und Hautporen zoomt. Eingetaucht sind die Bilder in psychedelisch anmutenden Farbwelten, von denen eine ganz besonders oft vorkommt: "Rot ist gut", sagt die kleine Pepperminta - gemeinsam mit ihren MitstreiterInnen trinken sie Menstruationsblut zur Stärkung gegen die feindliche, vor allem langweilige Außenwelt.
In der Schweiz startet "Pepperminta" am 10. September in den Kinos. (APA/red)