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Kunstberichte

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Die Welt entmannen

Aufzählung (cai) Wie nennt man diese klassische Technik der Umweltverschmutzung, für die man ziemlich viel Öl braucht? Ölbild. Tschuldigung: Öl pest . So eine wütet grad in der Galerie Steinek. Clemens Wolf hat nämlichEinkaufswagerln die "Letzte Ölung" gegeben. Ach, wie den Sardinen in der Dose? Nein, wie den Pelikanen im Golf von Mexiko. Er hat sie dick angepatzt und lässt sie halbert im Boden versinken. Postkapitalyptisch. Hm. Stellt das die Wirtschaftskrise dar? (Shopocalypse Now!) Die Ausstellung "Märchen Mythos Marotte" (wieso Marotte? Weil "Mayonnaise" noch weniger Sinn ergeben würde?), die ist überhaupt recht brutal. Michaela Spiegel zum Beispiel ist gemein wie die Knusperhexe. (Na ja, was erwartet man denn von einer, für die eine Prinzessin eine Geschlechtskrankheit ist?)

Buberln und Mäderln auf süßlichen Fotos raubt sie die Unschuld, dichtet ihnen mit dem Pinsel deftige Details an. Erektionen und so weiter. Und wenn ein Putzi ein Messer in der einen und ein blutendes Blümchen in der andern Hand hat, geht das wohl auch nimmer als infantile Sexualität durch. Aufwachsen ist jedenfalls kein Kinderspiel. Eine Meisterin des pinkelnden Humors ist sie sowieso. Äh: des pinken (des feministischen). Etwa wenn sie auf eine Pelzjacke draufschreibt: "Didn’t fuck for it, killed for it." Für den Pelz hat sie sich also nicht prostituiert, sondern – emanzipiert. Hat sie das Viech vielleicht eigenhändig umgebracht? (Ähm, ihren reichen Ehemann?) Und Katarzyna Kozyras grenzgenialer Märchenfilm "Summertale" könnte fast die Verfilmung eines Scheidungsratgebers sein ("Warum Frauen nicht mehr länger Socken aufklauben und Männer trotzdem im Stehen pinkeln"). Die heile Welt schlägt plötzlich in ein radikales Matriarchat um. Zuerst gebären Schwammerln einen arroganten Opernsänger, einen eitlen Transvestiten und eine Unschuld vom Lande (eine "Provinzessin"), und weil die Männer Schweindln sind, werden sie dannvon fünf Zwerginnen geschlachtet. Kühe kippen ist angeblich ein beliebter Sport. Hier kippt man Idyllen.

Galerie Steinek
(Eschenbachgasse 4)
Märchen Mythos Marotte
Bis 28. April, Di. – Fr.: 13 – 18 Uhr, Sa.: 11 – 15 Uhr

Die Hölle anhimmeln

Aufzählung (cai) Wodurch unterscheiden sich Himmel und Hölle? Durch das Wetter. Im Himmel scheint immer die Sonne und die Hölle hat – gar kein Wetter. (Denn wo sollte man unter der Erde ein Wetter herkriegen?) Undim Fegefeuer ist’s gewittrig. Zumindest in der Fotoserie "Ever After", wo Claudia Rogge Fleischorgien pompös inszeniert, frei nach Dantes "Göttlicher Komödie". (Hä? Nicht einmal die Verdammten haben Zellulitis?) ImInferno wälzen sich die nackerten Sünder ekstatisch im Blut und im Dreck, haben die hübschesten Krämpfe. Als würden sie für "Schöner leiden" posieren. (Ein SM-Magazin?) Und das Paradies ist nicht jugendfrei. Das himmlische Jerusalem? Das himmlische Sodom und Gomorrha ! Rogge choreographiert die Ausschweifungen der Seligen mit geradezu kitschiger Perfektion. Ausdauernd stopft sie ihre Bühnen voll, verdichtet am Computer einige wenige Akteure zu barocker Fülle. Und in keinem Winkerl ist’s fad. (Überwältigend!)

Mario Mauroner Contemporary Art, Basement
(Weihburggasse 26)
Claudia Rogge
bis 23. April
Di. – Fr.: 11 – 19 Uhr, Sa.: 11 – 16 Uhr

Die Kunst beschnüffeln

Aufzählung (cai) Ein nasaler Charakter (ein Schnüffler) wird begeistert die Nasenlöcher blähen. Mmh, Terpentin! Weil die Bilder ja noch dampfen. Aber die Augen wollen sie mir partout nicht aus den Höhlen reißen. (Quasi.)Keine Ahnung, wieso ich nicht zufrieden bin, wie Joanna Gleich das abstrakte Chaos zähmt. (Die Farben harmonieren doch eh.) Vermutlich weil sie mit ihrem Malgerät eher lasch auf der Leinwand herumfährt.

Galerie Wolfgang Exner
(Rauhensteingasse 12)
Joanna Gleich
bis 26. April
Di. – Fr.: 11 – 18 Uhr, Sa.: 11 – 17 Uhr

 

Printausgabe vom Mittwoch, 20. April 2011
Online seit: Dienstag, 19. April 2011 18:16:00

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