"Die Museums-Szene ist reich an Feldherrn. Ich werde
keiner sein." Mit dieser Bemerkung stellte sich der neue Direktor der
Museen der Stadt Wien, der Journalist Wolfgang Kos, am Mittwoch der Presse
vor. Im Wiener Stadtsenat stimmte nur die FPÖ gegen seine Berufung.
Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) rechtfertigte
sich, warum Kos, seit Monaten im Gespräch, aber dann nicht im
Dreiervorschlag, bestellt wurde: "Ich bin überzeugt, daß Kos die ideale
Besetzung ist, und habe mir die Freiheit genommen, meine politische
Verantwortung wahrzunehmen." Kos selbst meinte, angesprochen auf die
Brüskierung seiner Konkurrenten: "Ich hab mich etwas geärgert und hätte
mir das ganze auch anders gewünscht."
Der 53jährige Mödlinger ist Historiker und
Politikwissenschaftler, seit 1968 freier Mitarbeiter des ORF, seit 1980
angestellt und zur Zeit leitender Ö1-Redakteur. Als solcher betreute er
die Reform des einst "elitären" Senders, der, so Kos, seine
Tagesreichweite in den letzten Jahren von 4,8 auf 8,2 Prozent steigern
konnte.
Beim ORF wird Kos voraussichtlich mit Jahresende
kündigen, um sich der Arbeit im Historischen Museum, Flaggschiff der
städtischen Museen, zu widmen. Sein Amt tritt er mit 1. April 2003
an. Weil das nächste Jahr noch vorgeplant ist, wird sein Programm erst
2004 zum Tragen kommen. Mit Günter Düriegl, seit 15 Jahren Direktor des
Historischen Museums, habe er eine gute Gesprächsbasis, erklärte Kos.
Die mit Jahresbeginn erfolgte Ausgliederung der
städtischen Museen - deren Budget im Unterschied zu den Bundes-Sammlungen
jährlich valorisiert werde (Mailath) - ermögliche, wie Kos ausführte,
"eine partielle Neugründung". Details wollte der neue Direktor, der eine
Reihe großer Ausstellungen verantwortete (darunter "Die wilden 50er Jahre"
oder "Die Eroberung der Landschaft"), noch nicht verraten. Er sprach vom
"Generalismus des Museums als Atout" und wünscht sich eine Abgrenzung zu
den Kunstmuseen. Er versprach "neue, scharfe Fragen an das Material" statt
Nostalgie, ferner Kulturhistorie, Kontext statt "Ornamenten-Erforschung",
Einblicke ins städtische Leben, Alltagskultur, eine
"Dechiffrierungsoffensive, auch für Zugereiste und Kinder".
Kooperieren will Kos insbesondere mit dem Künstlerhaus.
Die von der Stadt geplante Flächen-Expansion (4000 Quadratmeter unter dem
Karlsplatz), finanziell ein Sonderprojekt, wie Mailath betonte,
befürwortet Kos. Es gebe in Wien zwar viele, aber auch viele wenig
geeignete und zu kleine Ausstellungsräume. Auf internationale
Koproduktionen setzt Kos in seinen Ausstellungsprojekten: "Stadtmuseen
sind international - oder sie sind nirgendwo." Im übrigen sei er
"theorie-und nicht ideologieorientiert." Kos' Vertrag läuft fünf Jahre mit
einer Option auf weitere fünf. bp
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