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12.09.2002 - Kultur News
Vom Ende der Peripherie Karlsplatz
Wolfgang Kos wurde als neuer Direktor der Museen der Stadt Wien vorgestellt. Der ORF-Journalist befürwortet die Flächen-Expansion unter dem Karlsplatz.


"Die Museums-Szene ist reich an Feldherrn. Ich werde keiner sein." Mit dieser Bemerkung stellte sich der neue Direktor der Museen der Stadt Wien, der Journalist Wolfgang Kos, am Mittwoch der Presse vor. Im Wiener Stadtsenat stimmte nur die FPÖ gegen seine Berufung.

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) rechtfertigte sich, warum Kos, seit Monaten im Gespräch, aber dann nicht im Dreiervorschlag, bestellt wurde: "Ich bin überzeugt, daß Kos die ideale Besetzung ist, und habe mir die Freiheit genommen, meine politische Verantwortung wahrzunehmen." Kos selbst meinte, angesprochen auf die Brüskierung seiner Konkurrenten: "Ich hab mich etwas geärgert und hätte mir das ganze auch anders gewünscht."

Der 53jährige Mödlinger ist Historiker und Politikwissenschaftler, seit 1968 freier Mitarbeiter des ORF, seit 1980 angestellt und zur Zeit leitender Ö1-Redakteur. Als solcher betreute er die Reform des einst "elitären" Senders, der, so Kos, seine Tagesreichweite in den letzten Jahren von 4,8 auf 8,2 Prozent steigern konnte.

Beim ORF wird Kos voraussichtlich mit Jahresende kündigen, um sich der Arbeit im Historischen Museum, Flaggschiff der städtischen Museen, zu widmen. Sein Amt tritt er mit 1. April 2003 an. Weil das nächste Jahr noch vorgeplant ist, wird sein Programm erst 2004 zum Tragen kommen. Mit Günter Düriegl, seit 15 Jahren Direktor des Historischen Museums, habe er eine gute Gesprächsbasis, erklärte Kos.

Die mit Jahresbeginn erfolgte Ausgliederung der städtischen Museen - deren Budget im Unterschied zu den Bundes-Sammlungen jährlich valorisiert werde (Mailath) - ermögliche, wie Kos ausführte, "eine partielle Neugründung". Details wollte der neue Direktor, der eine Reihe großer Ausstellungen verantwortete (darunter "Die wilden 50er Jahre" oder "Die Eroberung der Landschaft"), noch nicht verraten. Er sprach vom "Generalismus des Museums als Atout" und wünscht sich eine Abgrenzung zu den Kunstmuseen. Er versprach "neue, scharfe Fragen an das Material" statt Nostalgie, ferner Kulturhistorie, Kontext statt "Ornamenten-Erforschung", Einblicke ins städtische Leben, Alltagskultur, eine "Dechiffrierungsoffensive, auch für Zugereiste und Kinder".

Kooperieren will Kos insbesondere mit dem Künstlerhaus. Die von der Stadt geplante Flächen-Expansion (4000 Quadratmeter unter dem Karlsplatz), finanziell ein Sonderprojekt, wie Mailath betonte, befürwortet Kos. Es gebe in Wien zwar viele, aber auch viele wenig geeignete und zu kleine Ausstellungsräume. Auf internationale Koproduktionen setzt Kos in seinen Ausstellungsprojekten: "Stadtmuseen sind international - oder sie sind nirgendwo." Im übrigen sei er "theorie-und nicht ideologieorientiert." Kos' Vertrag läuft fünf Jahre mit einer Option auf weitere fünf. bp



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