Salzburger Nachrichten am 22. Dezember 2005 - Bereich: Kultur
Nemo gefunden: Er taucht durchs Museum

Museum of Modern Art in New York würdigt den Einfluss von Zeichentrickfilmen - Erste Werkschau der Pixar-Studios

NEW YORK (SN). Die Kinder haben eine Freude, die Eltern eine Möglichkeit, ungestört durch die Fifth Avenue zu schlendern, und das Museum baut vor für die Zukunft, in dem es junges Publikum anlockt: Im Museum Of Modern Art in New York tauchen Kinofisch Nemo und andere Kultfiguren der jüngeren Animationsfilmgeschichte auf.

Die Zeichentrickfigur wird wieder einmal im MoMA zur Kunst und zum gesellschaftlich relevanten Ereignis erhoben. Daran lässt sich kaum noch zweifeln, nachdem im MoMA vor wenigen Tagen die bisher größte Schau über Filmarbeiten eröffnet wurde. Die erste umfassende Werkschau über die Arbeit in den Pixar-Studios ist zu sehen. Vertreten sind neben Nemo auch Figuren und Tricks aus Streifen wie "Die Monster AG", "Toy Story" oder "Die Unglaublichen".

Grundtenor der bis zum 6. Feb-ruar geöffneten Schau: Die Technik der Computeranimation hat mit Walt Disneys Zeichentisch zwar nicht mehr viel zu tun, aber das Wichtigste sind nach wie vor Einfallsreichtum und schöpferisches Talent.

Die Ausstellung ist die größte, die das MoMA bisher dem Genre Comic oder Filmanimation gewidmet hat. Aufrechterhalten wird damit eine lange Tradition in der musealen Beschäftigung mit diesen Kunstbereichen.

Unterteilt in drei großen Bereichen (Charaktere, Geschichte und Filmset), sind rund 500 Originalarbeiten aus den Pixar-Studios zu sehen. Darunter befinden sich nicht nur Zeichnungen, Storyboards oder Entwürfe, sondern auch Concept Art und einige digitale Installationen. Dadurch wird auch ein Blick hinter die Kulissen der aufwändigen Produktion solcher Trickfilme möglich.

Seit der Gründung im Jahr 1986 durch John Lasseter, der das Unternehmen immer noch leitet, haben sich die Pixar-Studios (in Kooperation mit Disney) zum Meister im Fach der kommerziell erfolgreichen Animationsfilme gemacht. Oscars gab es zahlreiche. Die Kinokassen klingelten immer heftig.

Bei aller Freude über die "umfangreichen Einblicke" in ein Genre, das "im Alltag, in der Sprache und in unserem Empfinden beim Betrachten von Bildern mehr bestimmt, als wir glauben möchten", findet sich in einer umfassenden Kritik der New York Times über die Schau ein negativer Punkt. "Es gibt viel zu sehen in der Ausstellung, und auch wenn das Meiste davon eher visuelle Kultur als Kunst sein mag, bleibt die Ausstellung der langen Tradition des Museums treu, alle Arten visueller Künste, vor allem Design, zu ihrem Recht kommen zu lassen", heißt es da. Man könne die wunderbare, aufwändige Arbeit bei Pixar zwar perfekt nachvollziehen, die Ausstellung aber sei "eher erzieherisch und belehrend" als künstlerisch ausgefallen.

Stören dürfte das niemanden der vielen, vor allem jungen Besucher. In den ersten Tagen herrschte trotz U-Bahnstreik großer Andrang im Haus in der Upper Westside.