Salzburger Nachrichten am 2. Februar 2006 - Bereich: Kultur
KUNST

"Noever frühstückt",

so lautete unter Journalisten die Kurzbezeichnung für jene Veranstaltung am Mittwochvormittag in Wien, die offiziell betitelt war mit "Art as Art. Peter Noever - 20 Years at the MAK". Es war die Jahrespressekonferenz des Museums für Angewandte Kunst. Im weißgetünchten Saal waren viele Tische mit Schalen voll weich-knuspriger Semmerl und Croissants, dazu Melange mit beeindruckenden Schaumkronen.

In diesem Ambiente

schwang Peter Noever eine Rede voll von ähnlicher Wildheit wie vor 20 Jahren. "Ich möchte beginnen mit: Freiheit für die Kunst!", rief er ins Mikrofon. Der Anspruch, "Kunst Kunst sein zu lassen" sei heute so wenig erfüllt wie einst. Der "Kampf ums tägliche Überleben" zeige sich an der Geldnot: Nun sei das Ausstellungsbudget erstmals geringer als eine Millionen Euro, vor der Ausgliederung aus der Staatshoheit sei es mehr als doppelt so viel gewesen.

Peter Noever

kritisierte die Missachtung zeitgenössischer Kunst. Seine Forderungen: Sollte die Republik die Klimt-Bilder kaufen, müsse ein mindestens so hoher Betrag für heutige Kunst gewidmet werden.

"Kunst hat etwas

mit Irrationalität zu tun", ein Kunstbetrieb sei nicht zu führen wie ein Bankinstitut. Doch schaffte es Noever zu reden wie es ein Bankdirektor nicht schöner könnte: "Wir arbeiten an ,MAK 2010‘", Ziel dieses "in Arbeit befindlichen Strategiepapiers" sei es, "das Profil des MAK zu schärfen und eine Zukunftsperspektive zu entwickeln".

20 Jahre

hat Peter Noever das MAK aufgemischt. Wir müssen festhalten: Er hat sich nicht nur um frühstückende Journalisten und gebührend große Aufschrift seines Namens auf das Jubiläumsplakat bemüht, sondern er hat aufregende Künstler eingeladen, hat Zweifel wach gehalten, ob Kunst je "angewandt" sein kann, hat unermüdlich Geld für Kunst gefordert, hat mit ungewöhnlichen Veranstaltungen wie der MAK NITE junges Publikum angelockt. hkk