Wiener Zeitung · Archiv


Kunstberichte

Galerien live

Illustration

Schaumgeborener Macho

(cai) Gut, die Blondine ist nicht Kim Basinger. Ansonsten deutet aber alles heftig darauf hin, dass es sich um Szenen aus einem Remake des Erotikschockers "9½ Wochen" handelt. Die Diätversion. Ohne Lebensmittelferkeleien. Überhaupt ohne Kühlschrank. Dafür mit Anstandswauwau, einem Hunderl, das darauf achtet, dass Mickey Rourke die Calvin-Klein-Unterhose anbehält, wenn er sich als Schaumgeborener aus der Wanne erhebt und mit männlichem Imponiergehabe sein pikantes Detail präsentiert ("Ecce membrum!" Seht, welch ein Teil!).

An den für Normalsterbliche eher jugendfreien Bett-Episoden können sich begnadete Ikonografen ja bis zur Ekstase aufgeilen. Etwa wenn Rourke ein brennendes Zündholz hochhält (wohlgemerkt: Zündholz, und wohlgemerkt: hochhält), während sich der Kopf seiner Gespielin in seiner züchtig bekleideten Privatsphäre vergräbt. Eine meisterhafte Allegorie der Libido. Dann das geradezu moralische Ende: Mickey R. geht mit dem Anstandswauwau Gassi.

In Wirklichkeit ist freilich alles bloß eine Fotoserie (gewürdigt mit dem "Lead Award" 2006, Kategorie: Porträt) vom Rockbarden Bryan Adams, der also nicht nur Trommelfelle salbt, sondern auch Netzhäute massiert. Für "Vanity Fair", die "Vogue" oder sein eigenes Magazin "Zoo". Und hier hat er eben Mickey Rourke mit wachem Blick dabei zugeschaut, wie dieser als verspielt süffisantes Macho-Gigerl in einer theatralisch luxuriösen Hotelsuite die distinguierte Sau rauslässt. Witzig, markant, einfach herrlich. Auch wenn manche dieses Wort mit A als Schimpfwort gebrauchen ("Du A, du!"), mein’ ich es als aufrichtiges Lob: Autodidakt. So einer ist der Adams ja. Seine grad erst für wohltätige Zwecke versteigerte Leica (schnucklig wie ein Handy — eines für 12.000 Euro) liegt übrigens brav in einer Vitrine.

WestLicht

(Westbahnstraße 40)

Bryan Adams

Bis 3. Dezember

Mi., Fr. 14 bis 19 Uhr

Do. 14 bis 21 Uhr

Sa., So. 11 bis 19 Uhr

Nachhaltig.

Das Masel schlachten

(cai) Scherben pflastern ihren Weg. Denn entweder ist Nikola Hansalik sehr patschert oder sehr temperamentvoll. Oder abergläubisch und mästet ihr Masel mit der Technik "Scherben bringen Glück" (verbessern also die Biografie). Lichtet ihre Opfer dann mit mitfühlendem Voyeurismus ab. Eigentlich sind die Fotos ja gesichtslose Selbstporträts. Wie die sieben Telefonhörer, wo uns Hansaliks Stimme die Prognosen von Wahrsagerinnen als prophetische Autobiografie ("Dinge, die ich tun werde") heruntererzählt. Ein Fall für die Mengenlehre. Die Wahrheit liegt in der Schnittmenge (oder in der demokratischen Mehrheit). Erfolg ist sowieso unvermeidlich, bei den Glückszahlen gewinnt die Fünf (die Zwei hat nur Außenseiterchancen) und zwischen den zwei und den drei Kindern steht es, glaub’ ich, unentschieden. Phantasievoll, ironisch und optisch äußerst ansprechend.

Artothek Galerie

(Schönlaterngasse 7a)

Nikola Hansalik

Bis 14. Dezember

Di., Mi., Fr. 12 bis 18 Uhr

Do. 10 bis 20 Uhr

Gepflegt mysteriös.

Er schielt ziemlich gut

(cai) So, der Karl Anton Fleck (hingebungsvoller Zeichner) hat also auch fotografiert. In den 60er Jahren. Oder Fotomontagen mit rein fotografischen Mitteln (Mehrfachbelichtungen etc.) erzeugt. Geisterhafte Erscheinungen (dicht bis zur Verstopfung oder pointiert), monströs verfremdete Leiber. Kurz: die Tugend des Ausprobierens. Heut’ bastelt man so was bequem am Computer (den experimentell delirierenden Blick, quasi die surreale Desorientierung der Schielenden).

Galerie Chobot

(Domgasse 6)

Karl Anton Fleck

Bis 23. Dezember

Di. bis Fr. 13 bis 18 Uhr

Sa. 11 bis 16 Uhr

Strotzend.

Mittwoch, 29. November 2006


Wiener Zeitung · 1040 Wien, Wiedner Gürtel 10 · Tel. 01/206 99 0 · Mail: online@wienerzeitung.at