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derStandard.at | derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
15. Oktober 2008
14:23 MESZ

Bis 11. 1.

LinkAlbertina.at

 

Unbetitelter Eyecatcher in den neuen Galerien: Hubert Schmalix, Gouache, 2005.


Der Großzügigkeit verpflichtet
Erneut ist es der Wiener Albertina gelungen, ihre Ausstellungsfläche massiv zu erweitern. Ein Mehr von gut 2000 Quadratmetern ergeben die Jeanne & Donald Kahn Galleries

Wien - Jetzt noch mehr Säle! Erstaunlich, was im (und unter) dem ehrwürdigen Palais alles Platz findet. Um ganze 16 Zimmer wurden die Schauräume der Wiener Albertina in knapp einem Jahr Bauzeit erweitert. Was im Klartext heißt: Zusätzliche 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche gilt es in Zukunft zu bespielen. Insgesamt zeigt das Haus nun auf 5800 Quadratmetern, was es hat - und seit Amtsantritt des Erfolgsdirektors Klaus Albrecht Schröder quasi ununterbrochen neu dazu gestiftet, geschenkt und vermacht bekommen hat. Und in diesen neuen Jeanne & Donald Kahn Galleries soll, wie jetzt zur Eröffnung, Gegenwärtiges gezeigt werden.

Der Begriff schließt, wie die aktuelle Schau zeigt, das vergangene Jahrhundert ganz selbstverständlich mit ein. Zumindest dessen zweite Hälfte: Nach 1970 beginnt mit Maria Lassnig, Günter Brus, Adolf Frohner, Bruno Gironcoli, Wolfgang Hollegha, Hermann Nitsch, Arnulf Rainer, Markus Prachensky, Arnulf Rainer, Max Weiler und Franz Zadrazil. Um dann auf diesen Veteranen aufzubauen: Mit den Malern der 80er-Jahre, mit Siegfried Anzinger also, und Herbert Brandl und Gunter Damisch und Alois Mosbacher und Hubert Scheibl.

Die Verzahnung in eine etwas unmittelbarere Gegenwart übernehmen: Elke Krystufek und Ulrike Lienbacher. Im Dazwischen finden sich die ob ihrer Eigenart oder wenig praktischen Unzugehörigkeit zu einer Gruppe gerne als "singuläre Figuren" titulierten Positionen wie jene einer Florentina Pakosta, eines Alfons Schilling oder eines Walter Schögner. Und klar: Die Kunstmarktgroßmeister Erwin Wurm und Franz West sind auch mit von der Partie, Wurm mit weiteren seiner Handlungsanweisungen, West mit einer Collage aus der Mitte der 1970er-Jahre.

Alles ist, wie es sich für einen Neubau gehört, auf dem sicher höchsten Stand der angewandten Museumsklimaforschung und Beleuchtungstechnik. Und auch in puncto Sicherheit können sich die zumindest vergleichsweise Jungen mit den alten Meistern auf einer Stufe sehen. Die Präsentation selbst ist Albertina-treu: Als gediegen könnte man sie bezeichnen, jedem Alltags- bzw. Produktionszusammenhang enthoben. Immerhin aber dürfte sie, folgt man dem Vorwort Schröders, nur Werke schon jetzt gesicherter Relevanz beinhalten. Weil: "Vermutlich kann man manche Sammlungsschwerpunkte der Albertina auch im Hinblick auf ihre ehemalige Relevanz und künstlerische Aktualität kaum mehr nachvollziehen." Möge ihm und den jetzt Ausgestellten ein künftiger retrospektiver Blick erspart bleiben. Möge eine Betrachtung aus der fernen Zukunft nicht auch Schröder so manche Zufälligkeit der Sammlungsgeschichte zum Vorwurf machen.

Jedenfalls könnte man aus der Distanz schon ablesen, dass die Ergänzungen des Sammlungsbestandes derzeit eher von der Schenk-unwilligkeit und Stiftungslaune von Sponsoren wie Künstlern abhängen, als von der stets willkürlichen Selektion charismatischer Direktoren oder der akribischen Arbeit wissenschaftlicher Abteilungen.

So bedankt sich Schröder höflich bei einzelnen Künstlern für deren Großzügigkeit, die allein erlaubt, ihnen Künstlerräume einzurichten. Herbert Brandl und Hubert Scheibl gilt der Dank dabei ebenso wie der Max-Weiler-Stiftung oder Arnulf Rainer.

Wem nicht explizit gedankt wird, der hängt eben mit Kollegen in einem der Räume, wird - unterschiedlich originell - dann eben "konfrontiert". "Die Dramaturgie der Raumfolge habe ich mir analog der Architektur eines englischen Landschaftsgartens vorgestellt", kommentiert Klaus Albrecht Schöder die Architektur der neuen Galerien. Und tatsächlich, es gibt da überraschende Niveausprünge, verwinkelte Gassen, abgeschiedene Ecken, überraschende Durchblicke und Einsichten.

Mit weniger Vorstellungskraft lässt sich dabei an die üblichen Tücken einer dachseitigen Altbausanierung denken. 5,7 Millionen Euro hat sie diesmal gekostet. 3,7 Millionen davon durch Sponsoren finanziert. (Markus Mittringer / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.10.2008)

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