Am Anfang war "Kunst und Militanz". Aus dieser Vorgabe
entwickelten die beiden deutschen Künstler Alice Creischer und Andreas
Siekmann, unter Eindruck der Proteste in Genua und Seattle sowie des
11. Septembers, die derzeitige Ausstellung in der Wiener Generali
Foundation: "Die Gewalt ist der Rand aller Dinge".
Gemeinsam ist den vertretenen zwanzig Künstlern aus
Europa, Argentinien und den USA ihr politisches Engagement und die
Beschäftigung mit Macht bzw. Ohnmacht des Einzelnen in politischen
Systemen. Interessant ist der Rückgriff auf historische Arbeiten,
beginnend mit Photographien der Pariser Commune von 1871 - deren Aktionen,
wie die Barrikaden in Pariser Straßen, sie dokumentieren.
Eine Leihgabe des Österreichischen Gesellschafts- und
Wirtschaftsmuseums zeigt Arbeiten von Gerd Arntz, der seine gesichtslosen,
schematisierten Figuren in Drucken und Holzschnitten wie auch in diversen
Statistiken verwendete, die er 1930 gemeinsam mit Otto Neurath entwickelt
hat.
Charlotte Posenenske (1939 bis 1985) beeindruckt mehr mit
dem Statement bei ihrem Ausscheiden aus dem Kunstbetrieb 1968 (Kunst könne
nicht zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen) als mit der hier
ausgestellten minimalistischen Papp-Röhre.
Der Film "Journeys from Berlin" (1971) von Yvonne Rainer
leitet mit der Konzentration auf das Individuum zur gegenwärtigen Kunst
über. Hier stechen österreichische Junge heraus: die Bildhauerin Linda
Bilda, die eine eigentümliche Plexiglasskulptur von Johanna von Orleans
einem Haufen "Einwegwaffen" gegenüberstellt, und die Gruppe J.U.P, die
sich 1998 aus der "Freien Klasse" der Wiener Angewandten bildete.
Mit einem Beitrag zur Ausstellungsgestaltung wurde das
Berliner Architekturkollektiv "Freies Fach" beauftragt. Die Idee war,
einen Backstage- und Bühnenbereich zu schaffen. Doch das Konzept ging
nicht auf, die in die Halle eingezogene perforierte Metalltrennwand bleibt
ohne Zusammenhang mit den ausgestellten Objekten.
Wer sich durch das Wort "Gewalt" im Titel Expressives
erwartet, wird überrascht, oder auch enttäuscht - dominant sind Inhalt und
Konzept. Der Untertitel läßt es ahnen: "Subjektverhältnisse, politische
Militanz und künstlerische Vorgehensweisen". Wenigstens wird man nicht
alleingelassen - geleitet von einem ausführlichen Reader überlebt man,
leicht ermattet, auch diese ausgedörrte Theorie-Wüste.
Bis 21. April. Di. bis So. 11 bis 18 Uhr, Do. bis 20 Uhr.
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