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18.03.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung
Essl: Schmerzensfrau, Schmerzenskunst
VON BARBARA PETSCH
Sammlung Essl. "Mexikanische Moderne", Frida Kahlo, Diego Rivera, dramatische Kunst und was daraus wurde.
Noch ist nicht Ostern. Doch die Kirchenglocken läuten Sturm. Aber sie klingen nicht nach Feiern, son dern unheimlich in der Mexiko-Ausstellung im Essl-Museum. Aus jedem Reiseprospekt lockt es "Viva Mexiko", ein schönes Land, indianische und spanische Kultur, bunt gemischt, eindrucksvoll wechselhafte Landschaft - und erst die prachtvollen Hotels. Doch Mexiko hat eine wilde Geschichte: Zerstörung des Azteken-Reiches durch die Spanier (Cortés), Kolonisierung, Befreiungskriege, Revolutionen . . . Die Kunst reflektiert diese Ereignisse.

Das Essl-Museum präsentiert Mexikanische Moderne aus dem Museo de Arte Moderno de Mexiko. Dessen Direktor Luis-Martín Lozano hat die Schau kuratiert. Frida Kahlos berühmtes Gemälde "Die zwei Fridas" ist die Attraktion des Museums. Man überlegte lange, ehe man das Bild reisen ließ. Nach Wien geht es weiter nach London, wo in der Tate Modern von 9. 6. bis 9. 10. eine Kahlo-Retrospektive stattfindet.

Die zwei Fridas halten einander an den Händen, die eine zeigt ein Porträt Diego Riveras als Knabe. Bei beiden Figuren sieht man das Herz, das eine ist offen, das andere geschlossen. Die linke Frida scheint ein Brautkleid zu tragen, ihre Lebensader hat sie sich mit der Schere abgeschnitten, Blut tropft auf das weiße Kleid.

Nach der vorübergehenden Trennung von ihrem Geliebten 1939 entstand das Bild. Nur noch ein weiteres Kahlo-Gemälde ist in der Schau: "Stillleben mit Wassermelonen" (1953), farbenfroh und sinnlich. Von Diego Rivera (1886-1957) sind mehrere Werke zu sehen, darunter das expressive Gemälde seiner ersten Frau Lupe Marin (1938) mit Anklängen an El Greco, Ingres, Manet.

Die Schau folgt chronologisch der Entwicklung der mexikanischen Malerei, die Archaisches, Mythen mit der Moderne verband. Optimistisch wirkt "Mexiko City" von Juan O'Gorman (1905-1982) aus dem Jahr 1949: Die gewaltige Metropole, im Vordergrund ein Plan, links ein Arbeiter mit Kelle und Schaufel. Gegenüber hängt von Raúl Anguiano (geb. 1915) "Der Dorn" (1952): Riesenhaft die Figur des Mannes, der sich mit einem Messer den Dorn aus dem Fuß zu ziehen versucht, im Hintergrund scheint die Natur zerstört. Ebenfalls von Anguiano: Allerseelentag, eine Prozession mit einem gewaltigen Totenkopf, die Kapelle im Hintergrund nimmt sich klein aus.

Die mexikanischen Maler befassten sich intensiv mit dem II. Weltkrieg. Von José David Alfaro Siqueiros (1896-1974) stammt "Unser gegenwärtiges Bildnis" (1947): Ein Mensch mit einem Felsbrocken als Kopf streckt dem Betrachter seine leeren Hände entgegen. Christus segnet Lazarus, ein Gerippe, im Hintergrund Gestalten wie aus dem Fegefeuer mit aufgerissenen Augen: José Clemente Orozco (1883-1949) schuf dieses Gemälde 1943. Auch den "Tyrannen" 1947: Nackt mit einer Trompete und einer Eisenkette hockt er auf seinem Thron, dahinter das Militär, darunter Elendsgestalten, die eifrig Handstand üben . . .

Von den jüngeren Bildern beeindrucken vor allem "Die Gänsemagd" von Rafael Coronel (geb. 1932): Die Gans scheint entfliehen zu wollen, während sie gerupft wird. Oder ein Wandteppich, "Vögel im Gespräch" von Carlos Mérida (1891-1984). Eine Spezialität der mexikanischen Kunst sind die Murales, Wandgemälde, ihnen ist ein eigener Raum gewidmet. Wie weit "hält" die Mexikanische Moderne über Kahlo, Rivera hinaus? Die Gemälde sind attraktiv, aber nicht immer originell. Die Künstler wirken teils deutlich beeinflusst von Symbolismus, Surrealismus, von Picasso, Magritte (etwa Rufino Tamayo, der seine Frau Olga schwungvoll, kubistisch anmutend in Rotation versetzte, oder "Das Gelöbnis" von Carlos Orozco Romero, eine Frau mit verbundenem Kopf).

Die Sammlung Essl zeigt die Mexiko-Ausstellung im Austausch gegen eine über österreichische Kunst in Mexiko. Eine weitere Ausstellung in Klosterneuburg ist Peter Sengl gewidmet und seiner Hommage an die ewig rätselhafte, viel geliebte Kahlo.

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