Salzburger Nachrichten am 5. Jänner 2007 - Bereich: Kultur
Der Standpunkt: Steirische Peinlichkeit

HEDWIG KAINBERGER

Naturmuseen sind Publikumsmagneten geworden. Das Naturhistorische Museum in Wien schreibt für 2006 erstmals eine Zahl jenseits der 400.000 in seine Besucherbilanz. Das Haus der Natur in Salzburg hat im Vorjahr rund 280.000 Besucher gezählt und übertrifft sogar die Ausstellung zu Mozarts 250. Geburtstag um einige Zehntausend.

Und Graz? Dort wird die naturhistorische Sammlung - eine der größten, traditionsreichsten und kostbarsten im Umkreis von zumindest 1000 Kilometern - geschlossen, weil nur 7000 Besucher pro Jahr kommen. Bei allem Respekt für bisherige Reformen im Joanneum: Das ist ein museumspolitischer Bankrott, verursacht durch grobe Fahrlässigkeit - sei es vom Abteilungsleiter, Museumsdirektor, Kulturpolitiker oder Landeshauptmann.

Dass ein Herzstück eines subventionierten Landesmuseums nicht mehr zu üblichen Zeiten offen ist, mag ein Skandal sein, den die Steirer zu bewältigen haben. Dass allerdings ein Museum, das nicht auf Eventwellen surft, zusperren muss, ist weit über die Steiermark hinaus relevant.

Denn dies ist typisch für eine Kulturpolitik der neuen Art: Investiert wird in Bauten wie das Kunsthaus (das fördert die Bauwirtschaft und ermöglicht medienwirksame Eröffnungen) sowie in Megaevents wie ein Jahr als Kulturhauptstadt. Aber Wertschätzung und Ressourcen für den alltäglichen Betrieb schwinden. Und wer Museen nicht primär als Touristenattraktionen, sondern noch als Zentren von Wissenschaft und Bildung einer Gesellschaft sieht, wird bald als altmodischer Trottel gelten.