Österreichische Galerie im Oberen Belvedere: Herbert Boeckl
Von der Expression zur Abstraktion
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Noch bis 2. September sind die Gemälde
Herbert Boeckls (1894 bis 1966) aus der Sammlung der Österreichischen
Galerie im Oberen Belvedere in einer kleineren Schau zusammengestellt.
Der Kärntner Künstler hatte sich nach Abweisung an der Wiener Akademie
als Privatschüler bei Adolf Loos und mit einem Studium an der TU der
Architektur zugewandt. Über Loos lernte er Schiele und Kokoschka kennen,
die ihn nicht nur zur Malerei zurückführten, sondern auch den Kunsthändler
Gustav Nebehay vermittelten. Seine erste große Personale in der
Secession 1927 führte auch zu ersten Ankäufen der Österreichischen
Galerie; Boeckl lebte damals mit seiner anwachsenden Familie in Maria
Saal, reist aber auch nach Paris und kam 1930 endgültig nach Wien zurück.
Er erhielt schon 1934 den Staatspreis und war ab 1935 Lehrender an der
Akadamie, die ihn als Schüler abgewiesen hatte, 1939 übernahm er den durch
ihn legendär gewordenen Abendakt, war auch während der Kriegszeit und
danach neben Gütersloh und Wotruba wieder Rektor; Professor blieb er bis
zur Pensionierung. Von seinen zahlreichen Freskengestaltungen ist die
in Seckau die bekannteste. Sein Beitrag zur XXXIII. Biennale in Venedig
und die Beiteiligung an der Eröffungsausstellung des Museums des 20.
Jahrhunderts sowie andere internationale Beteiligungen zeigen, dass Boeckl
zu den bedeutendsten Persönlichkeiten zwischen Expressionismus und
gemäßigter Abstraktion zählte. Seine Entwicklung eines persönlichen
Stils von den Anfängen, die noch eine Auseinandersetzung mit Schiele und
Cèzanne (daneben auch dem Barock) zeigen, über die berühmten Heiligen- und
Dominikanergemälde aus der Seckauer Zeit bis zu fast abstrakten pastosen
Farbkompositionen wie "Fliegender Specht II" von 1950 ist auch ein
Einblick in die biografischen Stationen eines Künstlerlebens gegeben.
Kärnten, der Erzberg, St. Margarethen, Madrid und Wien; auch das
bildhauerische Experiment wird mit dem "Springenden Pferd" aus Bronze
wieder einmal gezeigt.
Erschienen am: 21.08.2001 |
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