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20.02.2003 - Ausstellung
Daniel Spoerri revisited
Das Kunsthaus Wien zeigt 150 Tableaux des Objekt-Regisseurs, wie er sich selbst nennt: teils kulinarisch, teils böse, stets originell.


Auf einer Party in New York stellt sich Daniel Spoerri einem Gast vor. Dieser drückt sein Sektglas gegen die Wand und meint: "Ah, der sind Sie!"

Ja, Spoerri ist eine Marke und verkauft sich gut. Die Wiener Galerie Hilger offeriert ab heute, Donnerstag, seine Collagen, ab 4000 €.

Was die Ausstellung unter dem Titel "Der Zufall als Meister" im Kunsthaus Wien zeigt, "würde man sich wohl nicht ins Wohnzimmer hängen", wie der Künstler Mittwoch bei der Presseführung anmerkte. Zwar gibt es auch hier die konservierten Gelage, für die Spoerri berühmt ist. (Ein Spoerri-Diner serviert man heute im Schwarzen Kameel.) In Bann ziehen aber die vielen unheimlichen Objekte. Sie verweisen weniger auf Spoerris nahe Verwandte, von Duchamp bis Beuys, sondern weiter in die Kultur-und Naturgeschichte.

Inspiriert vom Hofmaler Ludwigs XIV. Charles Le Brun (1619-1690) sowie vom französischen Aufklärer Denis Diderot (1713-1784) und dessen Enzyklopädie, entwickelt Spoerri seine persönlichen Ideen zur Evolution: mit Tierkörpern, Fellen, Tierzeichnungen, Totenköpfen. Manche Arrangements erinnern an das alte Naturalien-Kabinett, andere behandeln zeitlose Kunst-Themen: der Mensch in Tiergestalt, die Abbildung mehr oder weniger idyllischer Natur, ein Ungeheuer verschlingt eine Puppe, eine zerschmolzene Maske erinnert gar an "Star Wars".

Spoerris Darstellungen mögen manchmal abgründig sein - etwa wenn er einen Gehenkten mit verschiedenen Seilknoten-Modellen zeigt - oder bizarr wie die Assoziationen rund um die Medizin, sie bleiben immer nah am Betrachter und wirken unmittelbar sinnlich. Das erklärt den breiten Erfolg. Daß die Vermarktung bis zu Spoerri-Schürzen im Kunsthaus-Café reicht, gehört dazu.

Auf Flohmärkten, aber auch in privaten Kuriositäten-Sammlungen, findet der 72jährige Gesamtkünstler, der regelmäßig in Wien Ausstellungen hat, seine Fundstücke. In seinem Domizil in der Toskana harren sie ihrer Erweckung - in einem 100 Meter langen "Fries", wie er das nennt.

Ob es seine fragilen Objekte in 100 Jahren noch gibt, beschäftigt Spoerri, wie er sagt, weniger als sein eigenes Überleben. Im Kindesalter mußte er mit seiner Schweizer Mutter vor den Nazis aus Rumänien fliehen, der Vater wurde ermordet. Auch das Wetterleuchten des Todes spiegelt sich in seinem Werk wider. bp

Bis 1. 6. 2003, täglich 10 bis 19 Uhr, Eintritt: 8 €, Katalog: 18 €.



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