03.09.2003 13:40
Inszenierung des Verborgenen
Helmuth Gsöllpointners "Temporäre variable Raumobjekte" im MAK - Foto
Wien - Styropor ist kein Material für die Ewigkeit. Was meist
der transportsicheren Verpackung dient, nützt der Linzer Künstler Helmuth
Gsöllpointner bei der im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) gezeigten
Schau "Temporäre variable Raumobjekte" für eine Inszenierung des Verborgenen:
Meterhohe Styroporkuben werden durch präzise Schnitte zu Teleskopplastiken, die
das Innere der Form erlebbar machen. Die Ausstellung ist ein "sehr überzeugender
Höhepunkt einer 50-jährigen Auseinandersetzung mit dem Thema Skulptur", so
MAK-Direktor Peter Noever.
Geschlossene, weiße Blöcke, mal rechteckig,
mal mit einzelnen geschwungenen Kanten, stehen überdimensional in der
MAK-Ausstellungshalle. Dass diese das formale Ausgangsmaterial der benachbarten,
bis zu acht Meter hohen Skulpturen sind, zeigen die passgenau ineinander
greifenden Schnittlinien an ihrer Oberfläche. Denn die in der schlichten
Struktur verborgenen vielfältigen Potenziale der Form entfaltet Gsöllpointner in
seinen abstrakten, zwischen Bildhauerei, Design und Architektur angesiedelten
Plastiken mit maschinengleich geführten Schnittlabyrinthen, die nicht
zerschneiden, sondern Stufen, Blöcke, Laden aus der Grundform herausziehbar
machen. Diese Schnitte seien "nicht nur reine Mathematik und Konstruktion,
sondern sehr viel Sucharbeit", so Gsöllpointner, der bei der Schau im MAK ein
"Manifest" seines künstlerischen Schaffens zeigen
will.
Rätsel-Spielzeug
Das Innere der geschlossenen
Form wird so in den "experimentellen, spielerischen Arbeiten" (Noever)
öffentlich: Aus dem Kubus entsteht eine Welt an zusammenhängenden Objekten, die
an Maschinenteile ohne Funktion, an Baukastenelemente, zuweilen an
überdimensionales Rätsel-Spielzeug wie den in den 80ern weit verbreiteten
"Kubik"-Würfel erinnern. Spielen dürfen auch die Besucher, die angeregt werden,
selbst die Objekte zu manipulieren. Form und Material der Ausstellungsobjekte
sind spielerisch und temporär.
Aus dem in sich Ruhenden der geschlossenen
Form entstehen so vielfältige Arten der Rauminszenierung. So zeigt etwa die
eigens für die Ausstellung entworfene "Große MAK" in der Eingangshalle die
Grundform, fünf gruppierte aufgeschnittene Kuben und eine Sammlung der durch die
Schnitte entstehenden Einzelteile. Die Leichtigkeit und Vergänglichkeit des
Materials unterstreicht den Modellcharakter der Arbeiten. Zusätzlich zu den 21
Großskulpturen zeigen an die vierzig kleine Stahlobjekte Gsöllpointners
Neuinszenierung des Inneren. Zur von Maria Bußbaum kuratierten Ausstellung ist
ein Katalog erhältlich.
Der 1933 in Brunnwald bei Leonfelden geborene
Gsöllpointner hat 1955 sein Studium an der Angewandten beendet und war
wesentlich an der Etablierung der oberösterreichischen Landeshauptstadt als
international angesehener Kunst- und Kulturstadt beteiligt. Er war als Kurator
und Rektor der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung tätig.
Ab den frühen 70er Jahren war Gsöllpointner treibende Kraft hinter Linzer
Großausstellungen wie dem Forum Design.
(APA)