Salzburger Nachrichten am 25. April 2005 - Bereich: kultur
Netze um die Welt

Zum dritten Mal bietet im Juni die "Schmiede" auf der Halleiner Pernerinsel der digitalen Kunstwelt ein breites Forum zur menschlichen Vernetzung.

BERNHARD FLIEHERSALZBURG (SN). Ein paar Tage bleiben noch, um einen Platz in der "Schmiede05" zu bekommen. Am 1. Mai ist Anmeldeschluss für die Laboratorien, in denen in Hallein von 8. bis 19. Juni zum dritten Mal an digitalen Kunstformen und an der Vernetzung von Künstlern in diesem Bereich gewerkt wird.

Was technokratisch klingt, funktioniert im Prinzip recht einfach. In kreativer Arbeitsatmosphäre treffen DJs andere DJs oder einen Videomacher, der womöglich gute Kontakte zu einem interessanten Club oder einer Booking Agentur in - sagen wir mal - Barcelona hat. Im besten Fall entstehen so neue Kunstprojekte, für die dann auch gleich noch ein Weg gefunden wird, wie sie in die Öffentlichkeit gelangen. Im schlechtesten Fall passiert das nicht, aber die Teilnehmer tauschen handwerkliche Fähigkeiten, spezielles Wissen oder nur Visitenkarten aus. "In einem Kunstfeld, das von extremer Spezialisierung geprägt ist, sind Möglichkeiten wie sie die ,Schmiede' bietet, essenziell", sagt der Salzburger Philipp Penetzdorfer, der als DJ Precious K mit seiner Musiknetzwerkgruppe "Rhythmbreakz" auch in einem der "Schmiede"-Labors werkt.

Die Grundidee einer "Partnerbörse für kreativ Arbeitende" blieb seit der "Schmiede"-Premiere vor zwei Jahren gleich. "Wir wollen Möglichkeiten bieten, sich auszutauschen ohne in irgendwelche Abhängigkeitsverhältnisse zu geraten", sagt Rüdiger Wassibauer, der mit Bruder Philipp die Schmiede organisiert.

Neben einem heuer erstmals stattfindenden Symposium mit Trägern des Alternativen Nobelpreises, werden auch Weichen für größere Nachhaltigkeit gestellt. Weil durch die zeitliche Begrenzung des Ereignisses in Hallein Kontakte nur angebahnt werden können, wird eine "virtuelle Bleibe" geschaffen. "Im ,SchmiedetheNetworkHotel' soll fort- und umgesetzt werden, was in Hallein beginnt", sagt Wassibauer.

"Verstärkung" für die ohnehin international hochkarätig besetzten Werkstätten, kommt heuer von der seit 1998 bestehenden Red Bull Music Academy. Über die Kontakte der Acadamy stößt etwa der Detroit-Techno-Held Brendan M. Gillan zur "Schmiede".

Neben "klassischen" digitalen Arbeitsfeldern wie "Audio", "Video" oder "Programming" wird heuer auch Mode-, Mödeldesign und Performance-Kunst eingebunden. Kooperiert wird erstmals auch auf künstlerischer Ebene mit der Sommerszene, die seit Beginn zu den Förderern der "Schmiede" zählt. Acht Performer aus dem Tanz-Bereich - darunter die Salzburgerin Lisa Hinterreithner oder der New Yorker Ivan Talijancivc - werden mit bereist ausgearbeiteten Ideen für neue Stücke "an die Laboratorien der ,Schmiede05' andocken". Dabei soll es gelingen die analoge Kunst des Tanzes mit digital erzeugten Ausdrucksformen zu vermengen. Nicht ein - wie bei Performances oft zu erlebendes - Nebeneinander ist das Ziel, sondern "eine Vermischung und Ergänzung, die Situationen schaffen, in denen beide Seiten von einander profitieren", sagt Wassibauer. Aus den Resultaten wählt eine Jury ein Projekt, das 2006 von der Sommerszene produziert und aufgeführt wird.