
Wien - "Ich war sehr gern Präsident des Künstlerhauses", sagte Architekt Manfred Nehrer, der noch bis zum 14. November im Amt ist, bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Anlass war eine Bilanz seiner Tätigkeit nach zehn Jahren. "Das Künstlerhaus hat keine Schulden", versicherte er "eidesstattlich", nachdem die finanziell angespannte Situation sich im letzten Jahr günstig entwickelt habe. Die dringende Sanierung des Hauses sei jedoch finanziell noch ungesichert, aber "auf jeden Fall" müsse 2007 das Dach renoviert werden, notfalls "mit Hilfe eines Kredites".
Er gehe nicht vorzeitig wegen der finanziellen Lage des Künstlerhauses, so Nehrer. Denn eigentlich wäre er noch ein Jahr lang Präsident des Vereines der Gesellschaft der bildenden Künstler Österreichs gewesen. Doch betrachte er zehn Jahre als genug, und will künftig noch als Architekt mit seinem Büro Projekte verwirklichen. Seit 2003 leidet das Künstlerhaus an chronischem Geldmangel, seit der fünf Jahre laufende Vertrag mit dem Bildungsministerium beendet wurde, das jeweils sechs Monate pro Jahr lang das Haus angemietet hatte. Zudem vertrieb die durch den U-Bahn-Ausbau bedingte Baustelle das Publikum.
Drei Optionen
Man habe daher dringend Partner gesucht, um die weitere Finanzierung zu gewährleisten. Drei Optionen hätten sich angeboten: die auf Grund der Bauarbeiten unterhalb des Karlsplatzes neu entstandenen Räume gemeinsam mit dem damaligen Historischen Museum der Stadt Wien, und heutigen Wien Museum, zu nutzen. Auch dessen neuer Direktor Wolfgang Kos zeige nach wie vor Interesse, doch scheitere die Finanzierung der benötigten 16 Millionen Euro durch Stadt und Bund. Eine weitere Möglichkeit sei, ein "Haus der Geschichte" im Künstlerhaus einzumieten. Und schließlich gebe es die noch unkonkrete Vision eines Neues Mediencenters.
"Zwischenzeitlich stellte sich aber heraus, dass wir nicht mehr auf Biegen und Brechen einen Partner brauchen", sagte Nehrer. Man werde abwarten, wie sich die Dinge entwickeln würden, und werde auch weiterhin Institutionen wie dem Kunsthistorischen Museum (KHM), oder dem Wien Museum das Haus überlassen. Dank "schlankester Administration" und "sehr sparsamer Führung" und mehreren Vermietungen in den vergangenen beiden Jahren sei es jetzt möglich, mit großer Wahrscheinlichkeit ausgeglichen bilanzieren zu können. "Wir haben sogar ein kleines Polster." Wie dieses zu beziffern sei, wollte Nehrer aber nicht angeben: "Es gibt zu viele Begehrlichkeiten."
Wahl in der kommenden Woche
Garantiert sei, dass auch unter dem künftigen Präsidenten, der entweder Joachim Lothar Gartner oder Walter Kölbl (beide bisherige Vizepräsidenten kandidieren für die Wahl in der kommenden Woche) heißen wird, die Immobilie keinesfalls verkauft würde. Die dringend anstehende Sanierung des Künstlerhauses um 10 Millionen Euro steht noch immer auf finanziell schwachen Beinen, da auch in diesem Fall Bund und Stadt Wien sich nicht festlegen wollen. Der neu gegründete Verein WirtschaftsInitiative Neues Künstlerhaus (WINK) unter dem Vorsitz von Beppo Mauhart bemühe sich um Sponsorengelder. Bisher habe er 300.000 Euro gesammelt. Nehrer hofft, dass das Künstlerhaus ein Drittel der gesamten Summe aufbringen wird.
Die Dachrenovierung, die allein 980.000 Euro kostet, wird man in der Not über Banken finanzieren. Nehrer: "Das wird die Nagelprobe für die Stadt Wien. Aber wir müssen das Dach renovieren, denn sonst haben wir bald keines mehr."
Geschichte
Das Künstlerhaus entstand 1861 durch den Zusammenschluss zweier Künstlervereine. Seit damals ist der Verein und sein 1868 errichtetes Ausstellungshaus Fixpunkt des Kunstgeschehens - vom Wirken des Malerfürsten Hans Makart bis hin zu Großausstellungen wie "Traum und Wirklichkeit" (1984). Heute umfasst der Verein knapp 500 Künstlermitglieder aus allen Bereichen der bildenden Kunst. Neben den fast 2.000 Quadratmeter umfassenden, zweigeschoßigen Ausstellungsflächen für Großausstellungen im Haupthaus stehen die Hausgalerie im Erdgeschoss sowie die Kinogalerie im Kinofoyer zur Verfügung. Die Passagegalerie am Abgang zur U-Bahn-Passage dient vor allem jungen Künstlern als mediales Forum, Experimentierfeld und Projektionsfläche mit Live-Events. (APA)