Gerbert Frodl, scheidender Direktor der
Österreichischen Galerie, hat sich als Kurator ein Blumendenkmal aus
der hauseigenen Biedermeiersammlung zum Abschied gewählt: Seine letzte
Ausstellung vereint das Ölbild "Huldigung an Jacquin" des
Hofkammermalers Johann Knapp (1778-1833) mit den hunderten von
wissenschaftlichen Aquarellen aus dem Museum für Kunst und Gewerbe in
Hamburg.
In den Jahren 1821/22 ist das Gemälde mit
dem zweiten Titel "Jacquins Denkmal" in Wien entstanden: Unzählige
einheimische wie exotische Pflanzen, die wissenschaftlich in 24 Klassen
geteilt wurden, sind in einer Steinvase auf einem Podest locker in
ihrer Fülle arrangiert. Einige davon verdanken ihre Entdeckung dem
Hofbotaniker Maria Theresias, Nikolaus Joseph von Jacquin, in dessen
Lebenszeit der "Botanische Garten" neben dem Belvedere und der
"Holländische Garten" in Schönbrunn angelegt wurden.
Die Überfülle der Natur
Jacquins Büste ist auf dem Relief des Sockels neben fünf Eroten zu
finden, die den Professor bekränzen. Am Erdboden davor und daneben
finden sich eine Ansammlung von Früchten, Pilzen, Muscheln, neben einem
Glas mit Goldfischen, einem Kakadu und einem Äffchen. Um die Überfülle
der Natur komplett zu machen, kriechen auch Käfer aus den geschnittenen
Hälften. Das Schöne zeigt auch seine Vergänglichkeit.
Jacquin, der als "österreichischer Linné" und Entdecker neuer Sorten
viele Bücher und Texte hinterlassen hat, benötigte für seine
Publikationen einen Maler wie Knapp, der getreu nach der Natur, bis zum
"Augenbetrug" malen konnte. Die Erzherzöge Anton Viktor und Johann
stellten nach Johann Knapp auch seinen Sohn Joseph (1810-1867) an,
deren Atelier war nahe ihrer Arbeitsstätte Schönbrunn. Sie
dokumentierten für die Sammelbände "Seltene Pflanzen aus dem Garten des
Erzherzogs Anton", die "Flora exotica" und "Flora Alpina".
Erzherzog Johann war aber auch an Rosen, neuen Rebsorten und an die
400 Obstsorten interessiert, die er von Italien, der Krim und Persien
in die Steiermark importierte. Er ließ Baumschulen pflanzen, Samen und
Bäume an die Bauern verteilen, und auch die Obstbäume an Straßenrändern
gehen auf diese Zeit zurück.
Das Interesse an solchen Malereien ist bis heute nicht geschwunden,
zum einen liegt das an der gleich bleibenden Freude der Kleingärtner an
Pelargonien, Rosen, Kamelien und Passionsblumen, zum anderen an der
Kombination von Kunst und Wissenschaft, die in der Gegenwartskunst neue
Blüten treibt.
Paradox muten daher die Schwierigkeiten von Joseph Knapp an, sich
nach dem Tod von Erzherzog Johann 1859 privat zu vermarkten – in einem
Schreiben bat er das Museum für Kunst und Industrie (heute MAK) um
Verständnis, dass er 78 Aquarelle nicht schenken könne. Die
Wissenschaft hatte von der Malerei offenbar auf fotografische
Dokumentation umgestellt.
Blumen für
das Kaiserhaus
Gerbert Frodl (Kurator)
Oberes Belvedere
Zu sehen bis 11. Februar
Einblicke in die Schönheit der Natur.
Dienstag, 28. November 2006