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vom 01.09.2007 - Seite 025

Damit zusammenwächst, was zusammengehört

VON DOMINIKA MEINDL

Der Grenzbeamte in Schöneben scheint ein Kunstfreund zu sein. Ganz genau will er wissen, welche Künstler wir in Südböhmen besuchen.

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 nimmt der Grenzverkehr zu. Beim nichtmotorisierten Grenzverkehr staut es jedoch: Auf beiden Seiten der Grenze wünschen sich Künstler mehr Austausch. Worunter dieser leidet? Immer wieder unter unzureichenden Förderungen. Und unter der sprachlichen Barriere.

Und hier kommt die "Austrian Czech Cultural Cooperation" (siehe Stichwort) ins Spiel. Ziel der Initiative: Oberösterreich und Böhmen kulturell wieder zu einer Region zusammenwachsen zu lassen. Durch Förderungen und Übersetzungsarbeit.

"Wir Künstler haben die Grenze bald nicht mehr wahrgenommen. Gleich nach deren Fall wurde ich zu einer Ausstellung nach Freistadt geladen", erzählt die bildende Künstlerin Dagmar Brichcínová, die im Städtchen Hluboká nad Vltavou arbeitet. Sie beschreibt damit den Glücksfall der kulturellen Zusammenarbeit: die Grenze verschwinden zu lassen.

Das mag in Zeiten der gemeinsamen EU-Mitgliedschaft überholt klingen. Die Temelin-Grenzblockaden haben aber Spuren hinterlassen, die für die Künstler überdeutlich sind.

"Die negative Sicht der Tschechen auf Österreich nimmt zu", berichtet der böhmische Journalist Filip Cerny in diesem Zusammenhang.

Unterschiede schwinden

Einer, der von Anfang an binationale Kontakte geknüpft hat, ist der Maler und Grafiker Gerhard Wöß aus Ulrichsberg. "Die Unterschiede zwischen österreichischen und böhmischen Künstlern werden immer weniger." Die Kunst gehe in Richtung Internationalisierung. "Aber das ist nicht negativ, ich sehe keinen Qualitätsverlust - bis jetzt."

Brichcínová und Wöß werden einander wohl bald pesönlich beim ACCC-Sonderprojekt "Grenz-Werte" bei der 10. Internationalen Kunstmesse in Salzburg treffen.

Ein weiterer Beitrag zum Grenzverkehr sind die Ateliers in einer ehemaligen Brauerei in Krumau. Dort arbeitet die Schriftstellerin Elisabeth Vera Rathenböck an ihrer Dissertation über Josef und Franz Seidl, die als "Fotografen des Böhmerwaldes" in die Geschichte eingegangen sind. Pamela Ecker aus Schärding lässt sich von der verwinkelten Altstadt inspirieren. Hier finden sie zwar Ruhe, aber keinen Austausch mit böhmischen Kollegen. Denn Krumau gehört schon den Touristen.

"Grenzblockaden deuten nur wieder auf eine Grenze hin."

D. BRICHCÍNOVÁ

Künstlerin aus Budweis

KULTUR-REPORTAGE: ZU BESUCH IN BÖHMEN

Grenzverkehr

Die "Austrian Czech Cultural Cooperation" (ACCC) fördert durch verschiedenste Projekte mit EU-Geldern den kulturellen Austausch zwischen Südböhmen und Oberösterreich. Aktuelle Infos unter www.ac-cc.net

ACCC-PROJEKTE


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