| "Entbehrliche Ängste" | |
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"Besessenheit bedeutet, dass man unbequem sein muss", meinte Ministerin Gehrer bei der Eröffnung zu Neo-Direktor Rudolf Leopold. |
Mit einem Festakt im Atrium des von den Architekten Ortner & Ortner
erbauten Gebäudes ist am Freitag das Leopold Museum eröffnet worden. Die
Frage, die die geladenen Gäste einander schon vor Veranstaltungsbeginn
neugierig stellten, nämlich: "Wer wird eröffnen?", löste sich schließlich
im donnernden Schlussapplaus versöhnlich auf.
Direktor Rudolf Leopold, von dem es geheißen hatte, er wolle sein
Museum selbst eröffnen, bat Festrednerin Bundesministerin Elisabeth Gehrer
(V) nach seiner Ansprache noch einmal ans Pult, damit sie das Leopold
Museum für eröffnet erkläre. Eröffnung mit Besonderheiten So wie alles rund um die schwierige Geburt der
Leopold-Museum-Privatstiftung und die Errichtung des Leopold Museums im
Museumsquartier hatte auch dessen Eröffnungsfest seine Besonderheiten. So
konnte Vorstandsvorsitzender Helmut Moser zahlreiche Festgäste begrüßen -
Bundespräsident Thomas Klestil, den dritten Nationalratspräsidenten Werner
Fasslabend (V), Kunststaatssekretär Franz Morak (V), Kulturstadtrat
Andreas Mailath-Pokorny (S), Abgeordnete zum Nationalrat und Vertreter des
Diplomatischen Corps, nur Professor Leopold, dessen Lebenswerk an diesem
Tag gewürdigt und gekrönt werden sollte, saß noch nicht in der Ehrenreihe.
Das erinnerte manche Gäste an "Verspätungsanekdoten". So etwa an jene,
dass manche Wiener Auktionatoren gar nicht beginnen, wenn der Sammler
Leopold noch nicht da ist. "Ängste sind entbehrlich" Ministerin Elisabeth Gehrer reagierte in ihrer Ansprache auf bei der
Pressekonferenz am Vortag formulierten Befürchtungen mit dem Bekenntnis,
dass "selbstverständlich die Republik den Betrieb dieses Hauses
sicherstellen wird - alle Ängste sind entbehrlich". Das Museum habe im Museumsquartier (MQ) einen "idealen Standort"
gefunden, meinte Gehrer. Schließe doch die Sammlung inhaltlich an das
gegenüberliegende Kunsthistorische Museum an und "passt hervorragend ins
lebendige Umfeld des Museumsquartiers, denn sie beherbergt auch
zeitgenössische Kunst". "Kein bequemer Partner" Leopold sei "sicher kein bequemer Partner, aber wäre er ein bequemer
Partner, wäre er kein so guter Sammler". "Besessenheit bedeutet, dass man
unbequem sein muss", meinte Gehrer, die Leopold für seine Energie,
Beharrlichkeit und sein Durchhaltevermögen dankte - und seinen
Mitarbeitern, "die es auch nicht sehr leicht gehabt haben". Prompte Leopold-Revanche Leopold revanchierte sich prompt: "Nicht nur ich bin dafür bekannt,
unbequem zu sein, sondern auch die Frau Minister", aber, und da sei er
völlig mit ihr einer Meinung, "nur solche Menschen bringen etwas weiter."
Leopold dankte auch den Architekten, die für "diese schöne und
umfangreiche Sammlung einen wirklich schönen lichtdurchfluteten Kubus"
geschaffen hätten, zuallererst aber seiner Frau Elisabeth und seinen drei
Kindern. Sohn Rudolf Leopold sorgte mit seinem Cello-Ensemble mit Mahler
und Schubert für die musikalische Umrahmung. Würdigung durch OENB Gertrude Tumpel-Gugerell, Vize-Gouverneurin der Österreichischen
Nationalbank, die einen wesentlichen Anteil am Zustandekommen der
Leopold-Stiftung hatte, erinnerte auch an die persönlichen Opfer, die
Leopold und seine Familie auf sich genommen hatte, um diese einmalige
Sammlung aufzubauen. Dass die gesamte Familie Leopold mit allen vier
Enkelkindern heute mitfeierte, rückte auch ins Bewusstsein, dass die
Mitglieder dieser Familie auf ein phänomenales Erbe zu Gunsten der
Stiftung verzichtet haben. Weibel-Laudatio Medienkünstler und Medienkunstprofessor Peter Weibel würdigte in seiner
Laudatio den "Sammler zwischen Kennerschaft und Wissenschaft", in dem er
die Geschichte und den Wandel des Sammlers im Laufe der Jahrhunderte "vom
Conoisseur, dem die Fähigkeit zugeschrieben wird, die Echtheit eines
Kunstwerkes zu überprüfen" zum Kunstwissenschaftler nachzeichnete, der
imstande ist eine Positionierungsleistung zu erbringen. "Nicht die Sammlung von Werken an einem physischen Ort ist das
Entscheidende, sondern deren geistige Positionierung", meinte Weibel, der
auch Marcel Duchamp zitierte: "Der wahre Sammler ist ein Künstler - im
Quadrat. Er wählt Bilder aus und hängt sie an seine Wände, mit anderen
Worten - er malt sich selbst eine Sammlung." Link: Leopold Museum | ||||