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Das menschliche Maß der Linie

Lange Linien zieht Otto Zitko auf Wänden, Aluplatten oder Papieren. Derzeit in der Innsbrucker Galerie Thoman.

INNSBRUCK. 1996 hat der Linzer Otto Zitko den renommierten Otto Mauer-Preis erhalten. Bereits ein Jahr später hat ihm die Innsbrucker Gal
erie Thoman ihre erste Personale gewidmet, drei Jahre später eine zweite und nun eine weitere. Besonders die von 1999 ist noch in guter Erinnerung, in der Zitko eine monumentale Wandarbeit in situ realisierte. Eine Arbeit auf Zeit, direkt an die Galeriewand geschrieben, reagierend auf den konkreten Ort, formal wie mental.

Normale Ausstellung

Die neue Ausstellung ist dagegen eine "normale". Anhand mittlerer und großer bezeichneter Tafeln aus Alu bzw. einer Reihe von Arbeiten auf Papier zeigt sich ein sich wandelnder Künstler, der sich Schritt für Schritt der Wirklichkeit annähert.

Der 44-jährige Linzer, der an der Wiener Angewandten studiert hat, kommt ursprünglich von der Malerei her. Doch als Ende der Achtzigerjahre die Malerei plötzlich en vogue wurde, empfand Zitko die Malerei als tot. Er glaubte, die Malerei nur in der Form weitertreiben zu können, indem er sich auf die Linie zurückzog. Allerdings die farbige, die er in großem Gestus mit dicken Fettstiften auf Wände, Papiere oder Aluplatten zieht.

Kalkuliertes Tun

Das menschliche Maß ist Otto Zitko sehr wichtig, aber auch das diesbezügliche An-die-Grenzen-Stoßen. Und was auf den ersten Blick wie ein sehr spontanes Gekritzel ausschaut, ist in Wirklichkeit das Ergebnis eines total kalkulierten Tuns. Bevor Otto Zitko den ersten Strich setzt, ist das Bild im Prinzip im Kopf fertig, wobei spontane Abweichungen immer möglich sind.

Otto Zitkos nicht für einen bestimmten Ort gemachte Arbeiten lassen ihm ein hohes Maß an Freiheit im Umkreisen von Fragen der Wahrnehmung. Mehrere Schichten verschiedener Farblinien überlagern sich, interagieren, verknäueln ineinander, ziehen ihre einsamen Bahnen. Neuerdings tauchen immer wieder konkrete Details in diesem spannungsvollen Gewirr des absolut autonomen Linearen auf.


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Galerie Thoman, Adamgasse 7a, Innsbruck; bis 5. November, Montag bis Freitag 10 bis 12,30, 15 bis 18.30 Uhr, Samstag 10 bis 12.30 Uhr
2003-10-01 15:33:53