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19 Gemälde und siebzig Erben

Restitution. 1942 wurde Helene Taussig von den Nazis ermordet. In den 1980er-Jahren tauchten 19 Bilder von ihr auf. 70 Erben erheben Anspruch.

Heinz Bayer Salzburg (SN). Sie galt als „schwarzes Schaf“ der Familie. Aus gutem jüdischen Haus stammend, wuchs sie in Wien auf. Ab 1918 lebte die im Jahr 1879 geborene Helene Taussig in Anif. Ihr Atelierhaus hatte Otto Prossinger geplant.

Taussig war beliebt und eine sozial eingestellte Frau, die stets half, wenn Not am Mann war. Sonntags ging sie zur Kirche. Sie war jemand, der sich Konventionen verpflichtet sah. Aber nur außerhalb der Ateliers. Wenn es um die Malerei ging, und der gab sie sich „mit starker Berufung hin“, warf sie alle Normen über Bord, „war geradezu radikal“ (Erich Marx, Salzburg Museum). Und zwar in einer Form, die die familiären Beziehungen stark belastete. So entstanden Akte „hässlicher Menschen in einer sehr ausdrucksstarken Malerei. Und das in einer Zeit, in der Anif ein Dorf und diese Art der Kunst geächtet war.“

1940 wurde Taussig von den Nazis vertrieben. Sie fand Zuflucht in einem Kloster in Wien. Ihr Versteck blieb nicht geheim. Man verschleppte sie. 1942 wurde sie im polnischen Konzentrationslager Izbica ermordet. Ab Mitte der 1980er-Jahre tauchten, Stück für Stück, 19 Bilder auf. Nikolaus Schaffer (Salzburg Museum), der das Leben und das Werk von Taussig intensiv recherchierte: „Dieser Restbestand ihres Schaffens wurde uns von Wilhelm Kaufmann übergeben.“ Woher Kaufmann die Bilder hatte, ist laut Schaffer unklar.

„Frühere Kontakte des Museums zu erbberechtigten Familienangehörigen blieben ergebnislos. Die Familie konnte mit der Kunst nichts anfangen. Jetzt haben Nachkommen der Künstlerin ein Restitutionsverfahren beantragt. Dem wurde zugestimmt“, schildert der Direktor des Salzburg Museums, Erich Marx, den SN.

Die 19 Bilder sind bis 7. August im Panoramamuseum ausgestellt. Am Samstag kommen Erben aus aller Welt zur Besichtigung. Die 70-köpfige Erbengemeinschaft ist derzeit uneins, was mit den Bildern geschehen soll. „Wenn das geklärt ist, werden die Bilder sofort übergeben“, sagt Marx.

Die Frage nach einem Interesse des Salzburg Museums an den Kunstwerken und einen möglichen Ankauf „stellt sich derzeit nicht. Vielleicht später. Jetzt wird dieser Fall zum Abschluss gebracht. Durch die Übergabe. Wann sie stattfindet, liegt in den Händen der Erben.“ Auch wo die Bilder preislich anzusiedeln sind, ist unklar. Schaffer: „Taussigs Werke waren nie Teil des Kunstmarkts. Es fällt schwer, sie zu bemessen. Außerdem ist die Zahl der Bilder so gering, dass das Schaffen Taussigs international keine Relevanz hat.“

Kultur / 22.07.2011 22.07.2011 / Print

 
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