Einmal, so hatte das Kind erlebt, wovon der Mann
zeitlebens begleitet werden sollte - einmal war alles voller Leben. Die
kleine Dorfschmiede am - buchstäblich zu verstehenden - Rand der Welt, dem
Ende einer langen, steilen, abweisenden Schlucht, hatte dieses Leben
geborgen.
Es bestand aus Geräten, Geräuschen und Gerüchen. Den
Zangen und Hämmern, fauchenden Flammen, aufzischendem glühendem Eisen im
Kühlbottich, dem Klopfen und Schlagen, begleitet von Rauch und Dampf,
gleißender Helle vor schwarzen Wänden. Das Kind nahm die Erinnerung daran
mit in die aus politischen Gründen erzwungene Fremde wie alles andere mit
Wald, Wiesen, Gebirge, Steinen und Holz Verbundene. Später, als aus ihm
ein Künstler geworden war, beschäftigte ihn dieses Zurückdenken weiter.
Vor jetzt dreißig Jahren erwarb Walter Pichler einen
Bauernhof im südburgenländischen St. Margarethen. Dort schuf
er sich ein Domizil nicht nur für sich, sondern auch für seine Objekte und
Figuren. Der Künstler wurde zum Entwerfer ("Designer"), Hand-Werker,
Bau-Meister, Pfleger, Verwalter, sein Areal ständig erweiternd.
1994 scharte er anläßlich einer Ausstellung in Bozen
unter anderen seine Verwandten um sich, mit der Absicht, ihre "Frage nach
der Art meiner Tätigkeit zu beantworten". Sie stammen wie er aus dem
Eggental nördlich der Stadt, und alle hatten sie eine Verbindung zur
Schmiede des Großvaters. Geerbt hat sie ein Vetter namens Walter, tätig
als Unternehmer für Stahlkonstruktionen.
Die alte Schmiede, von deren identitätsbildender Funktion
sie sich erzählten, hat ihr Leben als von Denkmalpflegern sterilisiertes
Gehäuse ausgehaucht und kann nicht mehr genutzt werden. Der eine Walter
fragte nun den anderen, ob er sich vorstellen könne, einen neuen,
bewohnbaren, "verwandten" Bau in die unmittelbare Nachbarschaft zu setzen.
Im Architekturzentrum läßt sich verfolgen, wie Walter
Pichler diese Frage im zeichnerischen Sicheinleben in seine Aufgabe löste.
Wie ihm bereits ältere Blätter, die etwas mit seiner Geschichte und der
des Tals zu tun hatten, dazu verhalfen, sich mit der Schlucht, dem
Großvater und seiner Schmiede auseinanderzusetzen. In die Alte Halle des
Ausstellungsbezirks wurde das mittlerweile fertiggestellte Haus
modellartig in seinen Originalmaßen eingefügt. Dazu die Zeichnungen, in
denen viel von Pichlers Seele steckt.
Das drei Meter hohe, fensterlose Haus hat die Ausmaße von
neun mal sechs Meter. Erhellt wird es von einem Glasdach. In einer zweiten
(Keller-) Ebene entstand ein dunkler Raum.
Die Materialien bestehen aus dem roten Porphyr des Tales,
aus Holz, Ziegeln, Beton und Stahl. Umringt wird das einfach-luxuriöse
oder maximal minimalistische, einfach eingerichtete, für Kurzaufenthalte
gedachte Gehäuse von mächtigen, rundgeschliffenen Bausteinen. Einfaches
Hand-Werk und finessenreiche Details finden wie bei Pichler gewohnt
organisch zusammen. Eine gewisse Magie entsteht aus dem Aufeinandertreffen
von alpiner Archaik und High Tech; von Skulptur und Architektur sowie
einen Umgang im unteren Raum, der das Haus quasi erdet. Es atmet mit der
Natur.
Bis 29. Juli, täglich 10 bis 19 Uhr.
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