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17.05.2002 - Ausstellung
Wie ein Atmen mit der Natur am Weltende
Walter Pichler zeigt im Architekturzentrum Wien sein "Haus neben der Schmiede". Es existiert am Ort seines Herkommens.
VON KRISTIAN SOTRIFFER


Einmal, so hatte das Kind erlebt, wovon der Mann zeitlebens begleitet werden sollte - einmal war alles voller Leben. Die kleine Dorfschmiede am - buchstäblich zu verstehenden - Rand der Welt, dem Ende einer langen, steilen, abweisenden Schlucht, hatte dieses Leben geborgen.

Es bestand aus Geräten, Geräuschen und Gerüchen. Den Zangen und Hämmern, fauchenden Flammen, aufzischendem glühendem Eisen im Kühlbottich, dem Klopfen und Schlagen, begleitet von Rauch und Dampf, gleißender Helle vor schwarzen Wänden. Das Kind nahm die Erinnerung daran mit in die aus politischen Gründen erzwungene Fremde wie alles andere mit Wald, Wiesen, Gebirge, Steinen und Holz Verbundene. Später, als aus ihm ein Künstler geworden war, beschäftigte ihn dieses Zurückdenken weiter.

Vor jetzt dreißig Jahren erwarb Walter Pichler einen Bauernhof im südburgenländischen St. Margarethen. Dort schuf er sich ein Domizil nicht nur für sich, sondern auch für seine Objekte und Figuren. Der Künstler wurde zum Entwerfer ("Designer"), Hand-Werker, Bau-Meister, Pfleger, Verwalter, sein Areal ständig erweiternd.

1994 scharte er anläßlich einer Ausstellung in Bozen unter anderen seine Verwandten um sich, mit der Absicht, ihre "Frage nach der Art meiner Tätigkeit zu beantworten". Sie stammen wie er aus dem Eggental nördlich der Stadt, und alle hatten sie eine Verbindung zur Schmiede des Großvaters. Geerbt hat sie ein Vetter namens Walter, tätig als Unternehmer für Stahlkonstruktionen.

Die alte Schmiede, von deren identitätsbildender Funktion sie sich erzählten, hat ihr Leben als von Denkmalpflegern sterilisiertes Gehäuse ausgehaucht und kann nicht mehr genutzt werden. Der eine Walter fragte nun den anderen, ob er sich vorstellen könne, einen neuen, bewohnbaren, "verwandten" Bau in die unmittelbare Nachbarschaft zu setzen.

Im Architekturzentrum läßt sich verfolgen, wie Walter Pichler diese Frage im zeichnerischen Sicheinleben in seine Aufgabe löste. Wie ihm bereits ältere Blätter, die etwas mit seiner Geschichte und der des Tals zu tun hatten, dazu verhalfen, sich mit der Schlucht, dem Großvater und seiner Schmiede auseinanderzusetzen. In die Alte Halle des Ausstellungsbezirks wurde das mittlerweile fertiggestellte Haus modellartig in seinen Originalmaßen eingefügt. Dazu die Zeichnungen, in denen viel von Pichlers Seele steckt.

Das drei Meter hohe, fensterlose Haus hat die Ausmaße von neun mal sechs Meter. Erhellt wird es von einem Glasdach. In einer zweiten (Keller-) Ebene entstand ein dunkler Raum.

Die Materialien bestehen aus dem roten Porphyr des Tales, aus Holz, Ziegeln, Beton und Stahl. Umringt wird das einfach-luxuriöse oder maximal minimalistische, einfach eingerichtete, für Kurzaufenthalte gedachte Gehäuse von mächtigen, rundgeschliffenen Bausteinen. Einfaches Hand-Werk und finessenreiche Details finden wie bei Pichler gewohnt organisch zusammen. Eine gewisse Magie entsteht aus dem Aufeinandertreffen von alpiner Archaik und High Tech; von Skulptur und Architektur sowie einen Umgang im unteren Raum, der das Haus quasi erdet. Es atmet mit der Natur.

Bis 29. Juli, täglich 10 bis 19 Uhr.



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